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Reihe: Landeskorrespondenten Ein weites Feld

Berichte aus Brandenburg

Vanja Budde, Landeskorrespondentin Brandenburg (© Fotostudio Bastian)
Vanja Budde (© Fotostudio Bastian)

Als Radio der Länder unterhalten wir Korrespondentenstudios in allen 16 Landeshauptstädten und am Finanzstandort Frankfurt/Main. Unsere Inlandskorrespondenten stehen für den föderalen Sendeauftrag der drei Deutschlandradio-Programme. In dieser Artikelreihe stellen die Kolleginnen und Kollegen von Kiel bis München ihre Bundesländer vor.

Vanja Budde, geboren 1967 in Hamburg, aufgewachsen im Rheinland. Geschichte, politische Wissenschaften, Philosophie und Völkerrecht in Köln studiert. Freie Mitarbeit bei Zeitungen und beim WDR, Volontariat und einige Jahre als Redakteurin bei dpa, in Hamburg, Frankfurt/Main, Düsseldorf und Erfurt. Ab 2002 in Berlin als Autorin, Redakteurin und Reporterin beim Radio tätig. Seit Januar 2015 Deutschlandradio-Landeskorrespondentin in Brandenburg.

"Es gibt Länder, wo richtig was los ist, und es gibt Brandenburg", singt der Kabarettist Rainald Grebe – von wegen. Der um Berlin herum liegende Teil von Brandenburg ist nah genug, um die Berliner Redakteure von Deutschlandfunk Kultur zu interessieren, vor allem die Kollegen vom ‚Länderreport‘. Und die Peripherie, weit, weit draußen, schon fast in Polen, ist exotisch genug, um die Kölner Auftraggeber, Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Nova, für Themenvorschläge zu begeistern.

Unterwegs im fünftgrößten Bundesland

Nein, über Auftragsmangel kann sich die Brandenburg-Korrespondentin nicht beklagen. Eher jammere ich über die Tatsache, dass mit Brandenburg nach der Wiedervereinigung das fünftgrößte Bundesland geschaffen wurde – und das größte der gar nicht mehr so neuen Bundesländer. Fast 30.000 Quadratkilometer, mehr als 3.000 Seen. Wer hier für das ganze Land zuständig ist, muss Sitzfleisch haben: Ein Auto ist schon verschlissen und das neue sieht auch nicht mehr taufrisch aus. Als ich mit dem alten, geliebten Auto mal in der Werkstatt war, guckte der Mechaniker drunter und fragte entsetzt: "Wo waren Sie denn unterwegs?" Zerschrammt der Unterboden, zerbeult die Ölwanne. Mittlerweile fahre ich einen kleinen Geländewagen, der steckt Waldwege mit halbmetertiefen Schlaglöchern dank mehr Bodenfreiheit besser weg. Und auch den ollen Abschnitt der Uckermark-Autobahn beim Amt Gartz, der tatsächlich noch aus den 1930er-Jahren stammt. So fährt man dahin in den Weiten Brandenburgs: in der Uckermark oder der Prignitz. Unten im Süden, an der Grenze zu Sachsen, kann es passieren, dass eine Dreiviertelstunde lang kein anderes Auto entgegenkommt. So geschehen wieder neulich, im Schlaubetal, als ich unterwegs war ins Kloster Neuzelle, um über dessen Wiederbesiedelung durch Zisterzienser-Mönche zu berichten. Die erste Kloster-Neugründung in Ostdeutschland, für viele Anwohner weniger wegen des Seelenheils als aus touristischen Gründen interessant.

Vorboten des Wahlkampfs

Oft geht es natürlich auch in die Lausitz, der Braunkohle wegen. Tausende Arbeitsplätze hängen an der Kohle, viele Menschen fürchten um ihren Job. Die AfD, jüngsten Umfragen zufolge mit 23 Prozent gleichauf mit der regierenden SPD, ist in der Lausitz besonders stark. Schon wirft der Wahlkampf seine Schatten voraus: Im September 2019 wird die Zusammensetzung des Landtags neu bestimmt, eine Zweier-Koalition, wie derzeit zwischen SPD und Linke, wird voraussichtlich nicht mehr reichen. Für die Landeskorrespondentin wird es dann mehr Termine im politischen Potsdam geben. Die Themenvielfalt ist der große Reiz des Postens: der Breitband-Ausbau für den ‚Länderreport‘; die Rückkehr des Wolfes für die große Reportage; der Ausverkauf landwirtschaftlicher Flächen für die Frühsendungen; das Bemühen, in den Westen entlaufene Landeskinder in die sterbenden Dörfer zurückzulocken, für den ,Hintergrund‘. Natürlich sind auch Flüchtlinge und der manchmal holprige Weg ihrer Integration oft ein Thema.

Offen und gesprächsbereit

Als Brandenburg-Korrespondentin braucht man Geduld. Nicht nur wegen der weiten Anfahrtswege, auch für das Organisieren der Interviewtermine. Denn Brandenburger werfen sich nicht freudig auf jedes Mikrofon. Eine als gelungen angesehene Kommunikation geht in der Mark eher so: "Und?" "Muss ja." Doch wenn man einmal da ist, sind die allermeisten offen und gesprächsbereit. Diese Begegnungen mit Menschen, die ich sonst nie getroffen hätte, die sind für mich das größte Privileg meines Berufsstandes. Und die Weite des Landes ist auch sehr schön: Wenn im Herbst wieder die Kraniche ziehen, die goldene Abendsonne lange Schatten über riesige Felder wirft, das Schilf am Lieblingssee im Wind rauscht, dann geht mir auch nach vier Jahren noch das Herz auf. Das ging dem Sänger Rainald Grebe wohl ähnlich: Trotz seiner Spottverse ist auch er raus nach Brandenburg gezogen. Ins Oderbruch, ganz weit im Osten, an der polnischen Grenze.

Vanja Budde,
Landeskorrespondentin Brandenburg


Aus dem Programmheft, Ausgabe November 2018

Letzte Änderung: 25.02.2019 15:08 Uhr