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Rekordstrafe für Microsoft im Browserstreit

EU-Kommission verlangt 561 Millionen Euro

Microsoft in der Kritik (picture alliance / dpa / EPA/ Andrew Gombert)
Microsoft in der Kritik (picture alliance / dpa / EPA/ Andrew Gombert)

Eine angebliche Panne kostet den Softwareriesen Microsoft jetzt rund eine halbe Milliarde Euro. Die EU-Kommission in Brüssel verhängte eine Strafe wegen unlauteren Wettbewerbs gegen das Unternehmen.

Der Streit zwischen der Europäischen Union und Microsoft geht auf das Jahr 2009 zurück. Damals eröffnete die Brüsseler Behörde ein Kartellverfahren gegen das Unternehmen. Sie warf Microsoft vor, ein Paket aus dem marktbeherrschenden PC-Betriebssystem und dem Browser Internet Explorer zu schnüren. Die Konkurrenzunternehmen Mozilla und Apple, hatten sich darüber beschwert, dass Microsoft den Nutzern keinen Zugang zu ihren Browsern Firefox und Safari anbot, etwa über ein Auswahlfenster, das bei Windows damals fehlte.

Microsoft reagierte auf die Drohung aus Brüssel und führte 2010 ein solches Fenster ein. Dieses verschwand jedoch ein Jahr später beim neuen Betriebssystem Windows 7 Service Pack 1 wieder aus dem Programm. Anderthalb Jahre lang konnten Windows-Nutzer somit keine alternativen Browser fürs Internet nutzen.

Schaden für 15 Millionen Nutzer

EU-Währungskommissar Joaquín Almunia (AP)EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia (AP)Die EU-Kommission sieht darin eine Verletzung des Wettbewerbsrecht und fordert nun 561 Millionen Euro von dem Softwarekonzern. "Die Nichteinhaltung ist ein schwerwiegender Verstoß, der mit entsprechenden Sanktionen belegt werden muss", sagte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia in Brüssel. 15 Millionen Nutzer seien betroffen gewesen. Es sei das erste Mal, dass die Kommission ein Unternehmen bestrafe, das sich nicht an eine bereits getroffene Vereinbarung hielt.

Dabei hat Microsoft noch Glück gehabt: Die EU hätte eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen können. Dieser lag im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 73,7 Milliarden Dollar. Der Konzern hatte den Fehler schon vor Monaten eingeräumt und das Verschwinden des Auswahlfensters auf einen technischen Fehler geschoben, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Martin Bohne. Diese Position wiederholte Microsoft-Sprecher Robin Koch: "Wir entschuldigen uns aufrichtig." Schuld sei ein Team von Technikern, die ein notwendiges Update verschlafen hätten. Zugleich bot die Firma Wiedergutmachung an. Sie will die Browser-Wahl 15 Monate länger als verpflichtet wieder anbieten.

Die nun verhängte Buße ist ein neuer Tiefpunkt in dem bereits über zehn Jahre andauernden Hickhack zwischen der Europäischen Union und Microsoft. Einmal hatte die Kommission den US-Konzern zur Zahlung von 1,6 Milliarden Euro verdonnert, weil er Wettbewerber nicht zu fairen Preisen mit Informationen versorgt hatte und seinen Media-Player mit dem Betriebssystem verband.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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