Ringen um ein neues Transplantationsgesetz

Entscheidung zwischen Widerspruchs- oder Entscheidungslösung

Es gibt nicht genügend Organspenden in Deutschland.  (AP)
Es gibt nicht genügend Organspenden in Deutschland. (AP)

12.000 Menschen stehen in Deutschland zurzeit auf der Warteliste für ein lebenswichtiges Organ. Doch nur 25 Prozent aller Deutschen besitzen einen Organspendeausweis. Die Gesundheitsminister der Länder sowie der Gesundheitsausschuss des Bundestages beraten deshalb über ein neues Transplantationsgesetz.

In Deutschland gilt zurzeit die "erweiterte Zustimmungslösung". Dabei geschieht die Organspende auf freiwilliger Basis. Hat jemand zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt, wird dies mittels eines Organspenderausweises dokumentiert. Sollte dies nicht der Fall sein, entscheiden im Todesfall die Angehörigen. Als tot gelten in dem Fall Hirntote. Doch das ist für viele Angehörige manchmal schwer nachzuvollziehen, berichtet der "Hintergrund" im Deutschlandfunk. Die Feststellung des Todes über die Hirnfunktion ist nicht unumstritten.

Zwei Lösungswege

Zur Debatte stehen dabei zwei Varianten: einmal die sogenannte Widerspruchslösung und die Entscheidungslösung. Bei der Widerspruchslösung gilt quasi jeder Hirntoter als potenzieller Organspender, es sei denn, er hat schon zu Lebzeiten einer Organentnahme widersprochen. Eine solche Regelung favorisiert der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner. Man müsse endlich die schweigende Mehrheit aktivieren, betonte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Auch Sachsen-Anhalts Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) plädiert für eine solche Lösung. Er hofft auf eine Einigung bei der Konferenz der Gesundheitsminister, damit ein neues Gesetz zum 1. Januar 2012 in Kraft treten könne.

Kauder: Organspende ist "eine höchstpersönliche Angelegenheit"

Unionsfraktionschef Volker Kauder lehnt die Widerspruchslösung ab. Organspenden seien "eine höchstpersönliche Angelegenheit", sagte der CDU-Politiker der Tageszeitung "Die Welt". Hier dürfe es keinen staatlichen Zwang geben.

Kauder macht sich deshalb, genau wie sein SPD-Kollege Frank-Walter Steinmeier, für die sogenannte Entscheidungslösung stark. Dabei tritt der Staat an jeden Bürger heran - etwa, so Kauder, bei der Aushändigung des Führerscheins - und fragt seine Haltung zur Organspende ab. Diese soll dann nach den Vorstellungen des Deutschen Ethikrates in einem persönlichen Dokument - Personalausweis oder Gesundheitskarte - dokumentiert werden. Das nähme auch die Last von Angehörigen, nach einem plötzlichen Todesfall über Organspenden entscheiden zu müssen, sagte die Gesundheitsministerin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), im Südwestrundfunk.

Auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), ist gegen die Widerspruchslösung. Sie glaube, "dass jeglicher Zwang an dieser Stelle nicht förderlich ist", sagte sie im Deutschlandradio Kultur. Deshalb sei es wichtig, stärker um Vertrauen zu werben und mehr Aufklärung zu betreiben, um so die Zahl der Organspender zu erhöhen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr