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Ringrichter von Olympischen Spielen ausgeschlossen

Verband hebt Fehlurteil im Boxen auf

Shimizu jubelt nach einer Runde - die Überraschung kommt aber mit der Siegerverkündung. (picture alliance / dpa / Larry W. Smith)
Shimizu jubelt nach einer Runde - die Überraschung kommt aber mit der Siegerverkündung. (picture alliance / dpa / Larry W. Smith)

Schon bei Olympia in Athen war der Weltboxverband wegen umstrittener Kampfergebnisse unangenehm aufgefallen. In London greift er diesmal hart durch, und zwar gleich in zwei Fällen. Ein turkmenischer und ein deutscher Ringrichter müssen Strafen hinnehmen.

Verwunderung bei den Zuschauern des olympischen Boxwettkampfs im Bantamgewicht am Mittwochabend: Sechsmal schickte der Japaner Satoshi Shimizu den Aserbaidschaner Magomed Abdulhamidow in der dritten Runde zu Boden. Danach wurde Abdulhamidow zum Sieger erklärt. Eine Fehlentscheidung – das hat im Nachhinein der Boxweltverband AIBA festgestellt. Spätestens beim vierten Mal hätte der Ringrichter den Boxer am Boden anzählen müssen. Damit wäre der Kampf laut dem revidierten Urteil vermutlich beendet worden.

Alte Vorwürfe über Medaillenkauf

Der Verband korrigierte die Entscheidung: Shimizu wurde der Sieg zugesprochen, sein Gegner musste nach Hause fahren. Die weitere Entscheidung: Der turkmenische Ringrichter Ischanguli Meretnjiasow muss ebenfalls die Heimreise antreten. Genauso erging es dem technischen Offiziellen Aghajan Abijew aus Aserbaidschan. Nach Dokumenten, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen, soll er unerlaubterweise mit der Mannschaft seines Landes kommuniziert haben.

AIBA-Präsident Wu Ching-Ko drückte sein Bedauern aus. Aber: "unser größtes Anliegen wird immer der Schutz des Fair-Play in den Wettbewerben sein". Besonders heikel wirkt die Fehlentscheidung des Turkmenen vor dem Hintergrund von Gerüchten über Absprachen hinter den Kulissen des Verbands. Dem Boxverband war vorgeworfen worden, von Aserbaidschan Geld für eine Medaillengarantie bei Olympia genommen zu haben. Eine Untersuchung fand aber schließlich keine Anhaltspunkte für Korruption.

Mazaheri bekommt gegen Gomez drei Verwarnungen wegen Festhaltens. (picture alliance / dpa / Larry W. Smith)Mazaheri bekommt gegen Gomez drei Verwarnungen wegen Festhaltens. (picture alliance / dpa / Larry W. Smith)

Betrugsvorwürfe gegen deutschen Ringrichter

Auch ein weiteres Ergebnis im olympischen Boxen rief die Prüfer des Weltverbands auf den Plan. Im Achtelfinale der Schwergewichtsboxer hatte ein deutscher Ringrichter den Iraner Ali Mazaheri dreimal verwarnt – der Iraner wurde disqualifiziert. Dessen Team protestierte, Mazaheri warf dem Offiziellen sogar Betrug vor: "Es war alles arrangiert". Als er aus dem Kampf ausgeschlossen wurde, hatte er mit zwei Punkten vorn gelegen.

Nach den Protesten überprüfte der Verband die Videos. Die Folge: Der deutsche Frank Scharmach wurde für fünf Tage suspendiert. Danach darf er vermutlich aber wieder eingesetzt werden. Da das iranische Team es offenbar versäumt hat, rechtzeitig formal Einspruch gegen das Ergebnis einzulegen, bleibt es wohl bei dem Sieg von Mazaheris Gegner, Jose Larduet Gomez aus Kuba.

Wiederholt umstrittene Ergebnisse

Womöglich kommen noch weitere Beschwerden auf den Boxverband zu. Das ukrainische Team überlegt laut der Nachrichtenagentur Reuters, wegen einer mutmaßlichen Fehlentscheidung im Mittelgewicht vor den Internationalen Sportgerichtshof zu gehen. Auch die Mannschaft aus Ungarn hat Vorwürfe erhoben.

Das Internationale Olympische Komitee hatte den AIBA schon bei den Spielen in Athen im Jahr 2004 wegen umstrittener Kampfentscheidungen gerügt. Damals ging es um die Punktevergabe und die Auswahl von Ringrichtern. Das Komitee legte Zahlungen von rund einer Million Dollar an den Verband auf Eis.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

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