Riskante Gasförderung unter Druck

Bundesumweltminister will Fracking stark einschränken

Zwischen Tretbooten auf dem Bodensee: Erdgasgewinnung durch "Fracking" (dpa / Tobias Kleinschmidt)
Zwischen Tretbooten auf dem Bodensee: Erdgasgewinnung durch "Fracking" (dpa / Tobias Kleinschmidt)

Tiefenbohrungen nach Schiefergas unter Hochdruck, neudeutsch "Fracking": Diese riskante Technologie soll es in Deutschland "auf absehbare Zeit" nicht geben. Am Bodensee wird dies bereits getestet. Auch der Chemiekonzern BASF macht Druck, diese Technologie häufiger einzusetzen - gegen die Bedenken von Umweltschützern.

Die Gaspreise haben sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdreifacht. Da wird auch die kostspielige Förderung in schwer zugänglichen Lagerstätten wie Schiefergestein lukrativ: Bei Tiefbohrungen wie am Bodensee wird eine chemische Flüssigkeit in das Gestein gepresst, um Risse zu erzeugen und so das Gas leichter ausströmen zu lassen. Dabei kann es laut Umweltbundesamt zu Verunreinigungen im Grundwasser kommen. Dieses Verfahren trägt den Namen Fracking, ursprünglich Hydraulic Fracturing.

Umweltminister Peter Altmaier, CDU (picture alliance / dpa / Martin Schutt)Umweltminister Peter Altmaier, CDU (picture alliance / dpa / Martin Schutt)Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat Berichte zurückgewiesen, nach denen diese umstrittene Förderung von Schiefergas in Deutschland ermöglicht werden soll. "Wir wollen sie gar nicht möglich machen", sagte Altmaier im Deutschlandfunk, "wir wollen die bestehende Rechtslage deutlich einschränken". Dies wolle er in den nächsten Wochen mit den Regierungsfraktionen von CDU, CSU und FDP gemeinsam vereinbaren. "Wir werden klarstellen - das ist bisher nicht der Fall -, dass Fracking in Trinkwasserschutzgebieten grundsätlich verboten ist und wir werden für alle anderen Regionen wesentlich strengere Voraussetzungen im Planungsrecht, das betrifft die Umweltverträglichkeitsprüfung, die zwingend notwendig ist."

FDP: "Kein ideologisches Verbot"

Die FDP signalisiert zwar Einigkeit mit Altmaier. Aber: "Wir können uns kein ideologisches Verbot leisten, weil Fracking Teil der Energieversorgung sein kann", sagte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kauch, dem Magazin "Der Spiegel". Um Bedenken gegen die Fördermethode zu zerstreuen, müsse sichergestellt werden, dass giftige Fracking-Chemikalien nicht in das Grundwasser zurückfließe.

Der Umweltminister betonte im Deutschlandfunk, er sehe "auf absehbare Zeit" nicht, dass Fracking in Deutschland "zur Anwendung kommen" werde. Altmaier riet den beteiligten Unternehmen davon ab, in nächster Zeit Anträge auf Tiefenbohrungen zu stellen. Erst müssten Gefahren reduziert werden.

Kritiker: Umweltschädlich, kaum rentabel

Fracking-Anlage in Pennsylvania, USA (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)Fracking-Anlage in Pennsylvania, USA (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)Kritiker sehen eine Gefahr für die Umwelt, vor allem für das Trinkwasser. Das Verfahren wird der Industrie zufolge seit Jahrzehnten in Europa angewandt, wenn auch nicht in dem erheblichen Ausmaß wie in den USA. Wegen der Bohrungen dort, hatte der US-Schauspieler und -Drehbuchautor Matt Damon den Film "Promised Land" gemacht, der seine internationale Premiere auf der Berlinale feierte und im Juni in die deutschen Kinos kommen soll.

Die Industrie macht Druck. Der Chemiekonzern BASF sieht für die umstrittene Förderung von Schiefergas auch außerhalb von Nordamerika erhebliches Potenzial. "In Europa sind besonders Deutschland, Frankreich und Polen zu nennen", hatte BASF-Vorstand Harald Schwager der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. "Wir würden gerne in die Forschung einsteigen, um überhaupt herauszufinden, ob es möglich ist, hier wirtschaftlich, sozial akzeptiert und umweltverträglich Schiefergas zu fördern". In Europa seien gerade erst Potenziale indentifiziert worden.

Gerade die Wirtschaftlichkeit der Förderung ist umstritten. Laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sind rund 1,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas in Deutschland technisch gewinnbar. Nach einer kürzlich veröffentlichten Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung müssten sich aber die Gaspreise ungefähr verdoppeln, um den zusätzlichen Aufwand zu rechtfertigen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr