Robert Enke litt an Depressionen

Trauer um Deutschlands Fußball-Nationaltorhüter

Robert Enke war jahrelang depressiv (AP)
Robert Enke war jahrelang depressiv (AP)

Fußball-Nationaltorwart Robert Enke hatte jahrelang Depressionen. Das berichtete der ihn behandelnde Arzt Valentin Markser. Witwe Teresa Enke sprach über Versagensängste ihres Mannes, der sich am Dienstag das Leben nahm.

Ihr Mann habe große Angst gehabt, auch seine Adoptivtochter Leila zu verlieren. "Ich wollte ihm helfen, das durchzustehen", sagte Teresa Enke.

Einen stationären Aufenthalt habe Enke noch am Tag seines Todes abgelehnt, sagte der ihn behandelnde Arzt Markser. Der Torwart hinterließ einen Abschiedsbrief. Darin entschuldigte sich der Torwart für die "bewusste Täuschung" über seinen seelischen Zustand.

Am Mittwochabend fand in der hannoverschen Marktkirche eine Trauerandacht statt , an der Angehörige, Mannschaftskameraden und Fans teilnahmen. Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann erinnerte daran, dass es "hinter Glück, Erfolg und großer Beliebtheit auch abgrundtiefe Verzweiflung geben" könne. Für Leid und Schwäche dürfe es keine Pfiffe, sondern müsse es Mitleid geben, sagte die Bischöfin.

Polizeiangaben zufolge starb Enke am Dienstag an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Eilvese, in der Nähe von Hannover. Dort habe Enke am späten Nachmittag sein Auto rund zehn Meter von den Gleisen entfernt abgestellt. Anschließend muss er mehrere hundert Meter an den Schienen entlanggegangen sein, bevor er von dem aus Richtung Bremen kommenden Regionalzug erfasst wurde.

Hunderte Menschen versammelten sich bereits am Dienstagbend, wenige Stunden nach der Tragödie, vor dem Stadion in Hannover und stellten Kerzen auf. Auch in ganz Deutschland trauerten viele Fans trauerten um den beliebten Torhüter.

Nach Enke Selbtmord plädierteSpielergewerkschafter Ulf Baranowsky im Deutschlandradio Kultur für mehr psychologische Unterstützung von Spielern. Die Vereine müssten den Spielern stärker zur Seite stehen, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballer.

Es wäre gut und wünschenswert, wenn der DFB nach diesem tragischen Ereignis mit Tabuthemen wie Depressionen offensiver umgehen würde, forderte Deutschlandunk-Redakteur Peter C. Fischer in seinem Kommentar.

Karriere mit zahlreichen Schicksalsschlägen

Robert Enke durchlief eine Karriere mit Höhen, aber auch vielen Tiefen, wie der Nachruf im Deutschlandfunk nachzeichnet: Nach einem hoffnungsvollen Karrierestart bei Borussia Mönchengladbach und in Lissabon wechselte er 2002 zum FC Barcelona.

Doch dort folgte der erste große Knick: Enke konnte sich nicht durchsetzen, wechselte zu Fenerbahce Istanbul. Doch sein Absturz ging weiter: Von den Fans beschimpft, löste er seinen Vertrag auf, verzichtete auf viel Geld und eine sportliche Perspektive. Über den Umweg Teneriffa kam Enke schließlich zu Hannover 96 - und schien sein Glück gefunden zu haben: Mehrfach zum besten Torhüter der Bundesliga gewählt worden, kehrte er in den Kreis der Nationalmannschaft zurück. Doch seinem Ziel, die Nummer eins im deutschen Tor zu werden, standen immer wieder Verletzungen und Erkrankungen im Weg.

Entsetzen und Ratlosigkeit nach der Tragödie

Der Selbstmord überraschte Enkes Umfeld und lässt viele Menschen fassungslos und schockiert zurück. Zahlreiche Begleiter und Beobachter schilderten Enke immer als souveränen, gefestigten Mann, der sich nicht von seinen zahlreichen Schicksalsschlägen zurückwerfen ließ. So auch Deutschlandradio Kultur-Sportredakteur Thomas Wheeler, der sich aber auch selbstkritisch gab: "Sport ist nicht immer heile Welt", sagt Wheeler im Deutschlandradio Kultur, "wir gucken auf den Erfolg, aber nicht so sehr, wer sich als Mensch dahinter befindet." Er forderte Journalisten auf, stärker hinter die Kulissen des Profi-Sports zu blicken.

Enke hinterlässt Ehefrau Teresa und eine acht Monate alte Tochter, die das Paar erst vor wenigen Monaten adoptiert hatte. Die leibliche Tochter Lara, die mit einem schweren Herzfehler geboren wurde, starb 2006 im Alter von zwei Jahren.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr