Röttgens Karriere im Zeitraffer

Röttgens Aufstieg bis zum Absturz

Der Wirtschaftsflügel der Union sah in ihm die Symbolfigur für eine aus ihrer Sicht zu starken Modernisierung der CDU. Vor allem bemängelten sie Röttgens inhaltliche Nähe zu den Grünen. Röttgen hatte als Mitglied der "Pizza Connection" als einer der ersten CDU-Politiker Kontakte zu den Grünen geknüpft.

Nachdem er 2009 das Amt des Bundesumweltministers übernommen hatte, sah sich Röttgen häufiger der Kritik von mehreren Seiten ausgesetzt. Im Zuge der Energiewende lieferte sich Röttgen immer wieder Scharmützel mit dem Wirtschaftsflügel der eigenen Fraktion. Gleichzeitig musste er die Ernsthaftigkeit des Ausstiegs aus dem Ausstieg verkaufen - was ihm vor allem die Grünen nicht abkauften. Latent schwang bei einigen Kritikern auch der Vorwurf mit, der smarte Christdemokrat stelle seine eigene Karriere über Parteiinteressen.

Mit seiner Kandidatur für den CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen verstärkte der Vater von drei Kindern den Eindruck, sich alle Optionen offenhalten zu wollen. Ende 2010 setzte sich Röttgen als CDU-Landesvorsitzender in NRW gegen seinen Widersacher Armin Laschet durch. Im selben Monat wurde Röttgen zum stellvertretenden Vorsitzenden der Bundes-CDU gewählt. Damit rückte Röttgen in die erste Reihe der möglichen Kronprinzen von Angela Merkel auf - und das kombiniert mit der Aussicht, Ministerpräsident im bevölkerungsreichsten Bundesland zu werden.

Im Wahlkampf wurde Röttgen vorgeworfen, sich nicht eindeutig festlegen zu wollen, ob er die CDU im Falle einer Wahlniederlage auch in der Opposition führen wolle. Mit dem Wahlergebnis bekam Röttgen dann die Quittung für seinen Versuch, zweigleisig zu fahren.