Rücktritt von Limburger Bischof gefordert

Baukosten der neuen Bischofsresidenz verfünfzehnfacht

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Exorbitant gestiegene Baukosten, vorenthaltene Haushaltspläne, der Vorwurf der Täuschung: Immer mehr Katholiken halten den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für nicht mehr tragbar. Einige fordern seinen Rücktritt, andere eine Amtsenthebung, die der Papst einleiten solle.

Das Präsidiumsmitglied der Diözesanversammlung, Christoph Hefter, sagte im Deutschlandfunk, Bischof Tebartz-van Elst habe in dieser Angelegenheit unwahre Angaben gemacht. Entweder habe der Bischof gelogen oder seinen Realitätssinn verloren. Der Vatikan müsse nun schnell handeln.

"Der Bischof hat über Monate und Jahre die eigene Satzung und Regularien des Bischöflichen Stuhls nicht beachtet und gröblich verletzt", sagte Jochen Riebel, der einer von drei Mitgliedern des bischöflichen Vermögensverwaltungsrats ist, im Hessischen Rundfunk. Obwohl er mehrfach dazu aufgefordert worden sei, habe der Bischof weder Haushalte für 2012 und 2013 noch Einzelprojekte zur Genehmigung vorgelegt, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sagte Riebel, ehemals Leiter der hessischen Staatskanzlei. Das umstrittene Bauprojekt auf dem Limburger Domberg sei daher bis auf eine Anfinanzierung von 600 000 oder allenfalls 800 000 Euro nicht genehmigt gewesen.

Für den Neubau der Bischofsresidenz waren ursprünglich einmal zwei Millionen Euro veranschlagt. Am Montagabend war bekannt geworden, dass sich die Baukosten vervielfachen werden. Nach einer verwaltungsinternen Kostenrechnung wird derzeit mit rund 31 Millionen Euro gerechnet. "Ein Verschwender vor dem Herrn", titelt die "Frankfurter Rundschau".

Verlorenes Vertrauen

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller forderte jetzt den Papst auf, eine Amtsenthebung gegen Tebartz-van Elst einzuleiten. "Der Bischof wird vermutlich an seinem Stuhl kleben, da gibt es nur noch einen Weg: die Amtsenthebung durch den Papst, das ist eindeutig", sagte der Münsteraner Professor und Sprecher des "Hofheimer Kreises" von kritischen Pfarrern dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Den Bischof bezeichnete Schüller als "unfähig, uneinsichtig und offensichtlich krank". Mit ähnlichen Attributen äußerte sich auch Riebel.

"Er hat es so weit gebracht, dass es äußerst schwierig für ihn sein wird zu bleiben", sagte Jiri Georg Kohl, der die Reformbewegung "Wir sind Kirche" in Hessen vertritt. Er rechne mit dem Rücktritt des Bischofs, wenngleich dieser zu dem Schritt nicht gezwungen werden könne. "Es wird sehr schwierig für ihn werden, das verloren gegangene Vertrauen und die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen", sagte Kohl der Nachrichtenagentur dpa. Durch sein Verhalten habe der Limburger Bischof die Vorurteile bestätigt, die viele gegenüber den Kirchenoberen hätten. Es sei in diesen Tagen enorm schwer, die Kirche öffentlich zu vertreten. "Bischöfe sollten uns leiten, sie sollten Vorbild sein und uns ein Beispiel geben, wie man aus dem Evangelium etwas für den Alltag herauszieht", sagte Kohl. Dies habe Bischof Tebartz-van Elst nicht geschafft.

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:34 Uhr