Rupert Murdoch übernimmt Dow Jones

Monatelanges Ringen beendet

Von Siegfried Buschschlüter

Medienmogul Rupert Murdoch in New York. (AP)
Medienmogul Rupert Murdoch in New York. (AP)

Die Übernahme des Medienkonzerns Dow Jones durch die News Corporation des Medienmoguls Rupert Murdoch ist in trockenen Tüchern. Damit endet ein fast vier Monate dauerndes Finanz- und Mediendrama, in dem es nicht nur um die Zukunft einer der angesehensten Zeitungen Amerikas, des "Wall Street Journals", ging, sondern auch um Macht und Einfluss des wohl umstrittensten Medienunternehmers der Welt, Rupert Murdoch.

Nachdem sich die lange Zeit gespaltene Eigentümerfamilie Bancroft, die 64 Prozent der Stimmrechte an Dow Jones hält, am Dienstagabend mehrheitlich für Murdochs Offerte ausgesprochen hatte, stand der Übernahme offenbar nichts mehr im Wege. Die meisten freien Aktionäre, die insgesamt 29 Prozent der Stimmrechte halten, hatten von Anfang an signalisiert, dass sie Gefallen fanden an Murdochs großzügigem Angebot von 6 Milliarden Dollar, entsprechend 60 Dollar je Aktie - ein Preis, der erheblich über dem Kurs vor Bekanntgabe der Offerte am 1. Mai lag.

Mehrere Mitglieder der Familie Bancroft, die die Finanznachrichtenagentur Dow Jones seit 1902 in ihrem Besitz hat, befürchteten jedoch, dass der umstrittene Medienzar Murdoch, dessen News Corporation weltweit mehr als 100 Zeitungen angehören, außerdem Satellitenfernsehen, der Fernsehsender Fox, sowie die Internet-Kontaktseite MySpace, dass sich Murdoch in die redaktionelle Arbeit des angesehenen "Wall Street Journals" einmischen werde.

Eine Ausgabe des amerikanischen Traditionsblatts Wall Street Journal an einem New Yorker Zeitungsstand. (AP)Eine Ausgabe des amerikanischen Traditionsblatts "Wall Street Journal". (AP)Das Journal zeichnet sich durch strikte Aufteilung in einen nachrichtlich-redaktionellen und einen Kommentar- und Meinungsteil aus. Während die Kommentatoren des Blattes einen streng rechtskonservativen Kurs verfolgen, legen Reporter und Korrespondenten größten Wert auf Unabhängigkeit und Unparteilichkeit.

Ob Murdoch die redaktionelle Integrität zu respektieren gedenkt, ist offen. Zwar wirbt auch sein Fernsehkabelkanal Fox News mit dem Spruch "Fair and balanced”, doch machen die wenigsten seiner Mitarbeiter einen Hehl aus ihren Sympathien für die Republikanische Partei. Und wie im Falle der Londoner "Times" ist damit zu rechnen, dass das "Wall Street Journal" unter der Federführung Murdochs seine journalistischen Ansprüche nach unten begradigt.

Was sich Rupert Murdoch von der Übernahme von Dow Jones mit dem Flaggschiff "Wall Street Journal" verspricht, ist eine stärkere Stellung seiner News Corp. auf dem Markt der Wirtschaftsnachrichten. Nach dem Motto "content is king” plant er einen Fernsehkanal für "business news”, der den Sachverstand der Mitarbeiter des Journal sowie die Dow-Jones-Nachrichten für ein unternehmerfreundliches Programm nutzen soll.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:24 Uhr