Russland plant totale Überwachung in Sotschi 2014

Behörden sollen Telefonate und E-Mails bei den Olympischen Winterspielen mitschneiden

Russlands Präsident Wladimir Putin mit der Olympischen Fackel (picture alliance / dpa / Alexander Vilf)
Russlands Präsident Wladimir Putin mit der Olympischen Fackel (picture alliance / dpa / Alexander Vilf)

Russland will bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 die Kommunikation von Fans, Athleten und Journalisten überwachen. Politische Proteste werden damit deutlich erschwert, Medienorganisationen fürchten um die freie Berichterstattung.

Russland hat offenbar Angst um sein Bild in der Weltöffentlichkeit. Proteste von Greenpeacemitgliedern gegen die Inhaftierung ihrer Mitstreiter, Demonstrationen anderer politischer Aktivisten für mehr Demokratie und nicht zuletzt Sportler, die öffentlich gegen das russische Gesetz zum Verbot der "homosexuellen Propaganda" protestieren - die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi 2014 würden für viele Themen, die der russischen Regierung wenig gefallen dürften, eine große Bühne bieten.

Alles wird mitgeschnitten und gespeichert

Doch Sportler, Fans und politische Aktivisten sollen es nach dem Willen der russischen Behörden schwer haben, politische Themen in die Sportstätten und ihr Umfeld zu tragen - dank eines umfassenden Systems zur Überwachung der Kommunikation, von dem der Guardian berichtet. SORM, so der Name, war ursprünglich vom sowjetischen Geheimdienst KGB in den 1980er Jahren entwickelt und zuletzt modernisiert worden, um unter anderem russische Oppositionelle auszuspähen, wie der russische Journalist Andrej Soldatow recherchierte.

Untersuchungen Soldatows und seiner Kollegin Irina Borogan ergaben, dass SORM den Sicherheitsdiensten ohne Wissen der Provider freien Zugang zu allen Telefon- und Internetverbindungen bei den Olympischen Spielen im Februar ermöglicht. Alles soll mitgeschnitten, nach bestimmten Kriterien gefiltert, lokalisiert und personenbezogen gespeichert werden. Die Behörden sollen die Überwachungsinstrumente in Sotschi in den vergangenen Jahren installiert haben.

Proteste werden schon im Vorfeld erschwert

Politische Proteste bei Sportveranstaltungen gibt es immer wieder, die Politik und die gesellschaftlichen Verhältnisse in Russland sind oft ein Thema. Greenpeace protestierte mit einem riesigen Plakat in der Champions League beim Spiel von Schalke 04 in Basel gegen die Inhaftierung einiger Mitglieder. Die schwedische Hochspringerin Emma Tregaro lackierte bei der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau zur Qualifikation ihre Fingernägel in Regenbogenfarben, um ihren Unmut über das Gesetz zum Verbot der "homosexuellen Propaganda" zur Schau zu tragen. Der internationale Leichtathletikverband IAAF drohte ihr vor dem Finale mit einer Disqualifikation, Tregaro gehorchte.

Nun ist es denkbar, dass in Sotschi solche Proteste schon im Vorfeld unterdrückt werden, wenn Athleten, Fans oder Aktivisten zuvor mit Freunden oder Angehörigen am Telefon darüber gesprochen haben sollten. Eine Koordinierung von Protesten über soziale Netzwerke wird ebenso schwieriger.

Reporter ohne Grenzen fürchten um freie Berichterstattung

Neben Fans und Athleten haben natürlich auch Journalisten Sorgen und fürchten um eine freie Berichterstattung. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" warf Russland vor, diese verhindern zu wollen. Kritische Themen wie die Korruption rund um die Großbaustellen in Sotschi oder Folgen für die Umwelt seien Tabus in den vom Kreml gelenkten Staatsmedien. "Reporter ohne Grenzen" zählt Kremlchef Wladimir Putin zu den größten Feinden der Pressefreiheit weltweit.

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Letzte Änderung: 21.10.2013 11:34 Uhr