Säbelrasseln vor dem Iran-Atomgipfel

Ahmadinedschad droht mit "Ohrfeigen", USA fordern Belege für rein friedliche Atomkraft-Nutzung

Demonstration gegen USA und Israel in Teheran (AP)
Demonstration gegen USA und Israel in Teheran (AP)

Vor dem Gipfel zur iranischen Atomfrage übt sich Irans Präsident Ahmadineschad in Drohgebärden. Die USA fordern von Teheran klare Belege dafür, dass sie nicht nach Atomwaffen strebt.

"Wer die Rechte des Iranischen Volkes beeinträchtigen will, wird seines Platzes verwiesen und bekommt eine solche Ohrfeige, dass er seinen Heimweg nicht mehr findet", sagte Ahmadinedschad laut Berichten des staatlichen iranischen Fernsehens am Dienstag. Die von der Europäischen Union und den USA im Atomstreit verhängten Sanktionen gegen die iranische Ölindustrie hätten auf den Iran keine Auswirkungen, ergänzte der Präsident. Die Devisenreserven Teherans seien so groß, dass das Land selbst nach zwei oder drei Jahren ohne Öl-Verkauf "ohne Probleme" geführt werden könne.

Die USA hatten im Streit um das iranische Nuklearprogramm von der Regierung in Teheran klare Belege gefordert, dass sie nicht nach Atomwaffen strebt. Die amerikanische Regierung hoffe bei den anstehenden Verhandlungen auf ein Klima, das Fortschritte ermögliche, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington.

Verhandlungen beginnen am Samstag

Die Atomgespräche sollen am Samstag in Istanbul beginnen. An den Beratungen mit dem Iran nehmen die Veto-Mächte im UNO-Sicherheitsrat (USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich) sowie Deutschland teil. Die vorangegangenen Gespräche der so genannten 5+1-Gruppe mit dem Iran waren im Januar 2011 in Istanbul ergebnislos abgebrochen worden.

Atomanlage Fordo wird Streitpunkt

Insbesondere die kürzlich vollendete iranische Atomanlage Fordo wird am Wochenende Gegenstand der Verhandlungen sein. Der Westen will einem Bericht der "New York Times" zufolge die Schließung der Anlage verlangen. Sie befindet sich unter einem gewaltigen Felsmassiv.

Gestern hatte sich Irans Regierung kompromissbereit gegeben. Man könne die Produktion von Uran einstellen, das auf 20 Prozent angereichert sei, sagte der Direktor von Irans Atomenergiebehörde, Ferejdun Abbasi Davani. Sein Land brauche aber weiterhin niedriger angereichertes Uran für die Energiegewinnung, so Ferejdun Abbasi Davani im Staatssender PressTV.

Für Stromproduktion sind nur 3,5 Prozent erforderlich

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, wies allerdings im Deutschlandfunk-Interviewdarauf hin, dass für die Produktion von Strom lediglich auf 3,5 Prozent angereichertes Uran notwendig sei. Das auf 20 Prozent angereicherte Uran benötige der Iran angeblich zu Forschungszwecken. "Das wird der erste Schritt sein, hierüber zu verhandeln, dass diese Hochanreicherung auf 20 Prozent eingestellt wird", so Polenz.

Die iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad besucht die Atomanreicherungsanlage in Natanz (April 2008) (dpa / STR)Die iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad besucht die Atomanreicherungsanlage in Natanz (April 2008) (dpa / STR)Seit Jahren schwelt die Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm. Es geht um die Frage, ob der Iran seine Atomanlagen ausschließlich friedlich nutzt. Das behauptet die Regierung und beruft sich darauf, den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet zu haben. Dies erlaube dem Iran die friedliche Nutzung der Kernenergie. Dennoch ist unklar, ob Iran tatsächlich an der Atombombe arbeitet. Internationale Atominspekteure bemängeln jedenfalls bei allen Besuchen mangelnde Transparenz.

Avi Primor: Gefahr, in einen Krieg "hineinzurutschen"

Zur Position Israels in der iranischen Atomfrage sagte im Deutschlandradio Kultur der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, die iranische Regierung behaupte "ganz klar, dass sie Israel nicht nur vernichten wollen, sondern auch werden". Sie benötige Atomwaffen auch, um ihre unmittelbaren Nachbarn zu bedrohen. Auch wenn er nicht glaube, dass der Iran wirklich angreifen werde, so müsse sich Israel doch Sorgen machen. Angesichts der "verbalen Eskalation" könne es schnell passieren, dass man in einen Krieg "hineinrutsche".

Israel verfolgt Atomgespräche "genauestens"

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu, dessen Land sich nach Regierungsangaben durch das iranische Atomprogramm direkt bedroht fühlt, hatte dem Iran am Sonntag vorgeworfen, die Gespräche mit dem Westen nutzen zu wollen, um "Zeit zu gewinnen" und die Welt in die Irre zu führen. Sein Land werde die Atomgespräche genauestens verfolgen, kündigte Netanjahu an. Israel fühlt sich vom Iran in seiner Existenz bedroht und erwägt einen Angriff auf die Atomanlagen.

Um die Position Israels in der iranischen Atomfrage hatte ein Gedicht des deutschen Schriftstellers Günter Grass zuletzt auch in Deutschland für Streit gesorgt.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr