Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

São Paulo und Rio de Janeiro nehmen Fahrpreiserhöhungen zurück

Teilerfolg für Brasiliens Protestierende

Proteste in Rio de Janeiro (picture alliance / dpa)
Proteste in Rio de Janeiro (picture alliance / dpa)

Viele Brasilianer sind besorgt, weil die Wirtschaft nicht mehr so stark wächst wie bislang und die Preise trotzdem spürbar steigen. Zwar nahmen einige Städte Fahrpreiserhöhungen für öffentliche Verkehrsmittel zurück, die Diskussion um Chancengleichheit und Ausgabenpolitik bleibt aber.

Nach Massenprotesten im ganzen Land haben die beiden größten brasilianischen Städte São Paulo und Rio de Janeiro die Preiserhöhungen für den öffentlichen Nahverkehr zurückgenommen. Der Gouverneur des Bundesstaates São Paulo, Geraldo Alckmin, sagte, die Preisanhebungen für U-Bahnen, Züge und Busse würden ausgesetzt. Der Bürgermeister von Rio kündigte eine Preissenkung lediglich für den Busverkehr an. Beide betonten, dafür müsse an anderer Stelle gespart werden.

Ungeachtet dessen gingen die Demonstrationen in zahlreichen Städten weiter. Bei Straßenschlachten mit der Polizei wurden im nordöstlich gelegenen Fortaleza mindestens zwei Protestteilnehmer am Abend verletzt.

Demonstranten und Spezialeinheiten lieferten sich regelrechte Gefechte. Die Situation auf beiden Seiten scheine sich immer mehr aufzuheizen meint Südamerika-Korrespondent Julio Segador. Für heute haben die Protestierenden eine Großdemonstration in Rio angekündigt, wo beim Fußball-Confed-Cup das Spiel Spanien gegen Tahiti stattfindet.

Ausgelöst durch die Fahrpreiserhöhungen richtet sich die Kritik der Menschen inzwischen auch gegen die hohen Ausgaben für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016. Außerdem werden die soziale Ungleichheit, Polizeigewalt und die Korruption im Land angeprangert.

Wirtschaftsaussichten weniger optimistisch

Viele Brasilianer sind besorgt, weil die Wirtschaft nicht mehr so stark wächst wie gewohnt und die Preise trotzdem spürbar steigen. Laut Internationalem Währungsfonds wird ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent erwartet, die Inflationsrate könnte auf sechs Prozent steigen.

Der Wirtschaftsboom sei zwar nicht nur heiße Luft gewesen, aber Felix Dane,Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rio de Janeiro, meint, dass Brasilien "wirtschaftlich absolut überbewertet" wurde.

Proteste in Sao Paulo (picture alliance / dpa / Gustavo Basso)Proteste in Sao Paulo (picture alliance / dpa / Gustavo Basso)"Ich gehe nicht davon aus, dass Brasilien mittelfristig ein großes Wirtschaftswachstum aufweisen kann. Es fehlt einfach an Infrastruktur. Sie haben das Problem von schlechter Ausbildung, insofern mangelt es an Fachkräften. Sie haben die Inflation, das alte Gespenst Brasiliens, was plötzlich wieder auftaucht und deswegen die Preise hier verteuert. Das ist alles unterschwellig seit einiger Zeit durchaus zu spüren, und die Bevölkerung nimmt das natürlich wahr. Insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten spüren das direkt in ihrer eigenen Tasche."

Die Forderung nach Chancengerechtigkeit taucht in Zusammenhang mit den Sozialprotesten immer wieder auf. Rainer Schmidt, Gastprofessor an der Uni São Paolo, stellt fest: "Es ist leider so, dass praktisch nur Privatschüler, Schüler, die hohe Investitionen … oder Eltern, die für ihre Kinder hohe Investitionen in die Schulbildung leisten können, dass die nachher eine Chance haben, auf die guten, öffentlichen Universitäten gehen zu können."


Mehr zum Thema:

Kommentar: 10 Cent bringen Fass zum überlaufenIn Brasilien protestiert die gehobene Mittelschicht gegen die Haushaltspolitik

Zwischen Brasilien und Paraguay

Brasilien - Aufstieg eines BRICS-Staates Das südamerikanische Land hat das Potenzial zur globalen Wirtschaftsmacht

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Neue Musik

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

AsylstreitDie entsicherte Pistole der CSU

Bundesinjnenminister Horst Seehofer (CSU) spricht über den Streit mit der CDU über die Asylpolitik (AFP / Christof STACHE)

Was tatsächlich ist und was nur zu sein scheint, spielt im Streit der Unionsparteien nur noch eine untergeordnete Rolle, kommentiert Stephan Detjen. Horst Seehofer sehe sich als bayerischer Herakles, der einen politischen Augiasstall in Berlin auszumisten habe. Eine weitere Zusammenarbeit könne nicht gut gehen.

KunstfreiheitIst Nazi-Symbolik in Games bald erlaubt?

Screenshot des Spiels "Bundesfighter II Turbo" mit Alexander Gaulands Hakenkreuz-Move. (funk / Bohemian Browser Ballett)

Hakenkreuze dürfen in Deutschland nur in Kunstwerken oder Filmen gezeigt werden, in Computerspielen bislang gar nicht. Das könnte sich ändern, wie der Umgang mit dem Browserspiel "Bundesfighter II" zeigt, in dem der AfD-Politiker Alexander Gauland auftritt.

Elektronauten-Festival in HamburgDer Synthesizer ist zurück

(DanielDittus)

Immer mehr Musikerinnen und Musiker finden Gefallen an analogen Synthesizern. Die Elbphilharmonie in Hamburg hat dem Revival nun ein ganzes Festival gewidmet. Drei Tage lang kamen Fans der frühen elektronischen Musik und die Pioniere des Genres in Konzerten zusammen.

Christos "Mastaba" in LondonEine Pyramide aus Öltonnen

(imago/i Images)

Im Londoner Hyde Park schwimmt eine riesige Pyramide aus Ölfässern. "Mastaba" heißt dieses Kunstwerk des Künstlers Christo. Mastaba ist auch das Wort für altägyptische Grabbauten. Nicht jedem gefällt die knallbunte Installation.

Thomas-Mann-Forscher zu Mann-Villa in Kalifornien"Es gibt da schon sehr konkrete politische Hoffnungen"

Das restaurierte Thomas Mann Haus in Los Angeles. (dpa/picture-allicane/rebuild.ing GmbH/H2S Architekten)

2016 kaufte die Bundesregierung die kalifornische Villa, in der Thomas Mann im Exil lebte, um sie vor dem Abriss zu schützen. Jetzt wird sie durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Ort des kulturellen Dialogs eingeweiht. Eine überzeugende Idee, sagte der Thomas-Mann-Forscher Tilmann Lahme im Dlf.

Weltmikrobentag"Wir müssen den Boden zelebrieren"

Eine Gurke wächst auf einem Komposthaufen (dpa / picture alliance / Volkmar Heinz)

Wie bekommt man eigentlich einen "Welttag" im Kalender? Am besten einen ganz offiziellen UN-Welttag? Beim "Weltmikrobentag" in Berlin ist das nicht so wichtig: Die Macherinnen haben ihn sich einfach ausgedacht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Asylstreit  Seehofer kritisiert Hinweis auf Richtlinienkompetenz | mehr

Kulturnachrichten

Kassel stimmt Kauf von documenta-Obelisk zu | mehr

 

| mehr