Schärfere Kontrolle bei Organspenden soll wieder Vertrauen herstellen

Mehraugenprinzip soll Manipulation verhindern

Georg Baum, Frank Ulrich Montgomery und Hans Lilie (v.l) (picture alliance / dpa/Maurizio Gambarini)
Georg Baum, Frank Ulrich Montgomery und Hans Lilie (v.l) (picture alliance / dpa/Maurizio Gambarini)

Ärzte, Kliniken und Krankenkassen haben sich bei einem Krisentreffen auf bessere Kontrollen bei der Organvergabe und Transplantationsmedizin geeinigt. Künftig soll ein Mehraugenprinzip eingeführt werden, dass eine Manipulation bei der Spenderaufnahme verhindern soll.

Als Folge aus dem Organspendeskandal in Göttingen will die Bundesärztekammer künftig Patientenanmeldungen für die Organwartelisten kontrollieren lassen. Das Mehraugenprinzip könnte bereits im Herbst in die Richtlinien zur Organtransplantation verankert werden, sagte der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, Hans Lilie.

Mehraugenprinzip, Prüfberichte und unabhängige Mediziner

Bei diesem Kontrollsystem würden Angaben des behandelnden Mediziners zum Gesundheitszustand des Spendeorganempfängers überprüfen. Für das Mehraugenprinzip sprach sich bereits im Vorfeld des Treffens Ingo Kailuweit, Chef der Krankenkasse KKH-Allianz aus. Die bisherige Kontrolle habe nicht funktioniert, sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Organspendeausweis vor der Regensburger Uni-Klinik (dpa / picture alliance / Armin Weigel)Auslöser des Skandals: Ein Arzt soll in Regensburg und später in Göttingen Krankenakten gefälscht haben. (dpa / picture alliance / Armin Weigel)Ziel dieses Systems sei es, die Transparenz bei der Verteilung von Organspenden zu vergrößern, sagte Ärztekammerpräsident Frank-Ulrich Montgomery im Deutschlandfunk. Der kontrollierende Arzt könne etwa der Labormediziner sein. Von diesen Daten hängt der Platz auf der offiziellen Warteliste ab. Dieser Mechanismus sei nötig, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen.

Auch die Kriterien für die umstrittene Schnellvergabe von Organen sollen künftig klarer umrissen werden. Dieses legale Verfahren ermöglicht es den Klinikärzten, in Sonderfällen bestimmte Organe an selbst ausgewählte Patienten zu transplantieren. Montgomery verteidigte das Verfahren, will es aber einer kritischen Analyse unterziehen.

Prüfberichte sollen - soweit es der Datenschutz zulässt - veröffentlicht werden. Dem Parlament und der Öffentlichkeit soll ständig Bericht über die Organspende erstattet werden.

"Kritische Ärzte nicht eingeladen"

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will alle Beteiligten nach dem Ende der parlamentarischen Sommerpause an einen Tisch bringen. Kritikern gehen die Ankündigungen nicht weit genug. Kritische Ärzte und Juristen blieben außen vor, sagte der Chef der Deutsche Hospiz-Stiftung Eugen Brysch in Berlin.

Das derzeit geltende Organspendeverfahren ist nach den Skandalen von Regensburg und Göttingen und dem Bekanntwerden neuer Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium stark in öffentliche Kritik geraten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr