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Schäuble lobt Dialog mit Muslimen

Zweites Treffen der Islamkonferenz

Bundesinnenminister Schäuble unterhält sich vor Beginn der Konefernz mit  anderen Teilnehmern. (AP)
Bundesinnenminister Schäuble unterhält sich vor Beginn der Konefernz mit anderen Teilnehmern. (AP)

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sieht mehr als ein halbes Jahr nach dem Start der Islamkonferenz Fortschritte im Dialog mit den in Deutschland lebenden Muslimen. "Wir waren uns alle einig, dass der Prozess richtig ist, und er kommt auch gut voran", sagte der CDU-Politiker beim zweiten Treffen der Islamkonferenz in Berlin. Unstrittig sei, dass das Grundgesetz viel Raum für Freiheit biete, dass an der Trennung von staatlicher und religiöser Ordnung festgehalten werde und der Islamunterricht an staatlichen Schulen an das Grundgesetz angebunden werden müsse. Es habe aber auch Streitfragen gegeben.

Der Zentralrat der Muslime hingegen äußerte sich enttäuscht. "So kann es nicht weitergehen, dass man ziellos nur debattiert", sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Axel Ayyub Köhler. Nötig sei ein gemeinsamer Plan für die Zukunft.

Zum Streit um die Anerkennung des neu gegründeten Koordinationsrates der Muslime als Ansprechpartner für die Politik sagte Minister Schäuble, eine Organisation, die nur rund 10 bis 15 Prozent der Muslime in Deutschland vertrete, könne nicht verlangen, dass sonst kein Verband für die Muslime sprechen dürfe. Insgesamt begrüßte er den Koordinationsrat aber als "Schritt in die richtige Richtung".

Die Spitzen des Minaretts der Sultan-Selim-Moschee, rechts, und des Turms der katholischen Liebfrauenkirche in Mannheim. (AP)Die Spitzen des Minaretts der Sultan-Selim-Moschee, rechts, und des Turms der katholischen Liebfrauenkirche in Mannheim. (AP)Auch Konferenzteilnehmerin Ezhar Cezairli kritisierte den Anspruch des Koordinierungsrates, alleiniger Ansprechpartner für die Belange der Muslime in Deutschland sein zu wollen. "Ein Ansprechpartner durch diesen Dachverband ist nicht akzeptabel von der Mehrheit der Muslime, weil er eben nicht die Mehrheit vertritt", sagte Cezairli im Deutschlandradio Kultur. (Text/ MP3-Audio) Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) sagte im Deutschlandradio Kultur es sei wichtig, dass sich die vier islamischen Verbände zu einem Dachverband zusammengeschlossen hätten und jetzt mit einer Stimme sprächen. Allerdings sei der Koordinierungsrat nach dem deutschen Verfassungsrecht noch keine Religionsgemeinschaft. (Text/ MP3-Audio)

Ende September 2006 hatte die erste Islamkonferenz den Auftakt zu dem auf mehrere Jahre angelegten Dialog gebildet, dessen Ziel eine verbesserte Integration der 3 bis 3,5 Millionen Muslime in Deutschland sein soll. (MP3-Audio, Bericht von Margarete Limberg)

Die Islamwissenschaftlerin Havva Yakar hatte vor Konferenzbeginn vor Pauschalurteilen über Muslime in Deutschland gewarnt. So sei es nicht gerechtfertigt, das Tragen eines Kopftuches als politisches Symbol oder Zeichen für Unterdrückung in der Familie zu werten, sagte Yakar im Deutschlandfunk. Es gebe viele Frauen, die "sich in jeder Hinsicht an diese Gesellschaft angepasst haben", aber dennoch Kopftuch tragen. (Text/ MP3-Audio)

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:22 Uhr