Schiffsdurchfahrt auf der Ems möglicherweise eine Ursache für Stromausfall

Höchstspannungsleitung routinemäßig abgeschaltet

Strommast bei Dortmund (AP)
Strommast bei Dortmund (AP)

Eine Stromabschaltung für die Durchfahrt eines Kreuzfahrtschiffes auf der Ems könnte eine der Ursachen für den Stromausfall vom Samstagabend in Westeuropa sein. "Eine halbe Stunde vor dem Netzausfall wurde eine Höchstspannungsleitung über der Ems nördlich von Papenburg ausgeschaltet, um ein Schiff passieren zu lassen", sagte der Sprecher der E.ON-Netz, Christian Schneller, in München.

Die E.ON-Netz mit Sitz in Bayreuth ist eine Tochter des deutschen Energieversorgers E.ON, die für die Hoch- und Höchstspannungsnetze zuständig ist. "Die Abschaltung war eine Routinemaßnahme", erläuterte Schneller: "Hier kann es möglicherweise einen Zusammenhang geben. Es erklärt den Vorgang aber nicht. Es muss noch andere Ursachen geben." Der Strom war abgeschaltet worden, weil es für große Schiffe zu riskant ist, unter einer nicht abgeschalteten Hochspannungsleitung durchzufahren, erläuterte ein Sprecher der betroffenen Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg.

Die Abschaltung der 380.000-Volt-Leitung Leitung für die Durchfahrt der "Norwegian Pearl" könnte das nordwestdeutsche Netz zu stark belastet haben, sagte Schneller: "Dass kann man sich wie bei einer Autobahnbaustelle vorstellen. Wenn Sie eine Straße sperren, erhöhen Sie den Verkehr auf den anderen Straßen."

Millionen in Westeuropa ohne Strom

Allein in Frankreich hatten etwa fünf Millionen Menschen kurzzeitig keinen Strom. Auch für Hunderttausende Haushalte in Deutschland, in Belgien, Italien und Spanien gingen kurz nach 22.00 Uhr für eine Weile die Lichter aus. Nach gut einer Stunde soll die Energie dann meist wieder geflossen sein.

In Deutschland saßen allein in Nordrhein-Westfalen mehrere hunderttausend Menschen plötzlich im Dunkeln. Auch in Teilen anderer Bundesländer war die Stromversorgung kurzzeitig unterbrochen. In Bayern war vor allem der Norden betroffen, dort mussten mehrere Menschen aus stecken gebliebenen Aufzügen befreit werden.

In Frankreich traf es auch mehrere Stadtteile der Hauptstadt Paris. In Italien waren die Menschen in Turin und Umgebung am stärksten betroffen, berichtete das italienische Fernsehen am Sonntag. Aber auch im süditalienischen Apulien waren die Folgen zu spüren. In Spanien wurden die Region Madrid, Katalonien, das Gebiet von Valencia und Andalusien in Mitleidenschaft gezogen. Selbst in Marokko in Nordafrika habe die Panne Auswirkungen gezeigt, berichteten spanische Medien.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:19 Uhr