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Schönheit mit nur einem Auge

Ausstellung über Nofretete in Berlin

"Königin Duckfretete" aus Kalkstein und Gips ist auch Teil der Ausstellung "Im Licht von Amarna". (picture alliance / dpa /Rainer Jensen)
"Königin Duckfretete" aus Kalkstein und Gips ist auch Teil der Ausstellung "Im Licht von Amarna". (picture alliance / dpa /Rainer Jensen)

Sie ist wohl das berühmteste Gesicht Ägyptens in Deutschland: Die Nofretete-Büste in Berlin. Bis heute ist der Besitz umstritten. Morgen eröffnet die Ausstellung "Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete" im Ägyptischen Museum mit rund 1300 Exponaten.

Zu sehen sind Exponate aus der Ära des Königpaars Echnaton und Nofretete um 1340 vor Christus, darunter Keramik, Schmuck, Statuenfragmente und Architekturteile. Nicht nur Theologie und Kunst jener Zeit stehen im Mittelpunkt, erklärt das Museum zur Ausstellung. Auch der Alltag der Menschen in der damaligen Metropole Amarna soll widergespiegelt werden.

Zum einen werden Varianten der Nofretete-Büste gezeigt: ein unvollendeter Modellkopf, eine Standfigur und der Kopf einer einstigen Doppelsitzstatue - alle mit den sofort wiedererkennbaren Gesichtszügen. Auch eine Büste des Pharao Echnaton wurde eigens für die Schau rekonstruiert. Daneben zeigt das Museum zahlreiche bisher noch nicht ausgestellte Fundstücke: Fragmente von Fliesen, von Gefäßen, außerdem Fotos der Grabung, bei der Nofretete gefunden wurde.

Ägypten hat Büste mehrfach zurückgefordert

Für Blinde gibt es in der Ausstellung "Im Licht von Amarna" ein Tastmodell der Nofretete-Büste. (picture alliance / dpa /Rainer Jensen)Für Blinde gibt es in der Ausstellung "Im Licht von Amarna" ein Tastmodell der Nofretete-Büste. (picture alliance / dpa /Rainer Jensen)Besonders letztere dürften wieder Fragen nach der Rechtmäßigkeit von Nofretetes Aufenthalt in Berlin aufwerfen. Der ehemalige Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawass, hatte sich in den vergangenen Jahren energisch dafür eingesetzt, die Pharaonen-Gattin an den Nil zurückzubringen. Mehrfach unternahm der prominente Ägyptologe diplomatische Vorstöße und forderte das Kunstwerk zurück. Unter anderem kündigte er 2011 an, eine offizielle Eingabe beim Auswärtigen Amt einreichen zu wollen. Die neue ägyptische Führung hat sich bisher offenbar noch nicht um die Nofretete gekümmert. Jedenfalls sind keine aktuellen Forderungen bekannt.

"Die Nofretete ist Teil des universellen Welterbes und ein Wahrzeichen der Berliner Museumsinsel", erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bei einer Vorab-Präsentation der Ausstellung. Die Büste sei unzweifelhaft und zu Recht im Eigentum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, fügte er im Hinblick auf Rückforderungsansprüche von ägyptischer Seite hinzu. Von einer Täuschung bei der Teilung des Ausgrabungsfundes vor bald 100 Jahren zwischen dem deutschen Archäologenteam und der ägyptischen Antikenbehörde könne keine Rede sein, "die gehört ins Reich der Mythen".

"Wir können die Geschichte früherer Jahrhunderte nicht zurückdrehen und eine größere Gerechtigkeit erzielen, wenn wir solche Kunstwerke zurückgäben", unterstrich der Kulturstaatsminister. Anderes gelte natürlich für die Exponate, für die eine andere völkerrechtliche Regelung besteht. Dazu zählten etwa die den jüdischen Eigentümern abgepressten Schätze der sogenannten NS-Raubkunst wie auch die von der sowjetischen Armee nach 1945 beschlagnahmte "Beutekunst".

Nofretete ist Besuchermagnet auf Museumsinsel

Der Gipskunstformer Wolfgang Zühlke arbeitet am Mittwoch in der Gipsformerei der staatlichen Museen in Berlin an einer Museumsreplik der Nofretete. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)Der Gipskunstformer Wolfgang Zühlke arbeitet in der Gipsformerei der staatlichen Museen in Berlin an einer Museumsreplik der Nofretete. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)Entdeckt haben deutsche Forscher die Statue bei Grabungen im mittelägyptischen Amara 1912. Der Fund wurde, wie es damals rechtens war, zwischen Ägypten und Deutschland aufgeteilt und die Statue gelangte schließlich in den Besitz von James Simon - ein Mäzen der Berliner Museen, der die Grabung finanziert hatte und die Büste 1920 mit seinem Testament in deren Besitz übertrug.

Die Büste überstand den 2. Weltkrieg ohne Schaden zu nehmen und verblieb auch danach in Berlin - bis zum Mauerfall war sie in westdeutschem Besitz. Seit Oktober 2009 steht sie wieder an ihrem ursprünglichen Ausstellungsort im Neuen Museum in Berlin, in der Abteilung Ägyptisches Museum und Papyrussammlung.

Seit 2009 ist die Büste der schönen Königin aus Kalkstein und Gips im Neuen Museum im Herzen Berlins zu sehen. Seitdem hatte das Museum etwa drei Millionen Besucher. Hauptanziehungspunkt für viele ist der alles überstrahlende Frauenkopf mit den mandelförmigen Augen, der geraden Nase und den geschwungenen, vollen Lippen.

Link zur Ausstellung:

Das Licht von Amarna

Weitere Informationen auf dradio.de:

Weltberühmte antike Schönheit - Vor 100 Jahren fand der Archäologe Ludwig Borchardt die Büste der Nofretete

Pharao Echnaton aus Gips - Der altägyptische Herrscher erwacht durch einen 3D-Drucker zu neuem Leben

Alles Fälschungen! Zur Diskussion um die Authentizität von Nofretete
Nofretete geht auf Reisen - oder auch nicht

Deutschland will "Museum für Europäische Kunst" in Ägypten gründen - Dietrich Wildung: Nofretete bleibt aber in Berlin

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

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