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Schwarz-Gelb sucht Einigung bei Griechenland-Hilfe

Schäuble sieht zusätzliche 90 Milliarden Euro Bedarf

Die Finanzhilfen für Athen werden morgen im Bundestag debattiert. (picture alliance / dpa)
Die Finanzhilfen für Athen werden morgen im Bundestag debattiert. (picture alliance / dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) haben sich in den Koalitionsfraktionen für weitere Hilfen an Griechenland starkgemacht. Eine Einigung über die Finanzhilfen für das hoch verschuldete Land soll bei einer Klausurtagung erzielt werden.

Bundesfinanzminister Schäuble bezifferte den zusätzlichen Kreditbedarf Griechenlands bis 2014 auf 90 Milliarden Euro. Wie es in Berlin weiter hieß, unterstützte die Kanzlerin die Forderung des Finanzministers, private Gläubiger an dem neuen Rettungspaket zu beteiligen. Die Finanzhilfen für Griechenland werden morgen im Bundestag debattiert.

Jürgen Koppelin, Obmann der FDP im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages (Deutscher Bundestag)Jürgen Koppelin, Vize-Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion (Deutscher Bundestag)

Auch FDP will Banken beteiligen

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Koppelin sprach sich ebenso für eine solche Beteiligung der privaten Griechenland-Gläubiger an einem weiteren Rettungspaket aus: "Natürlich ist es klar, dass nicht mehr der Steuerzahler zahlen muss, sondern dass auch mal die Banken jetzt dran sind und die privaten Gläubiger." Diese würden sehr gut an den Zinsen verdienen. Er verlangte jedoch, genau darauf zu achten, dass am Ende nicht doch der Steuerzahler belastet werde, weil viele Banken zumindest teilweise in staatlicher Hand seien, sagte Koppelin im Deutschlandfunk.

CDU-Haushälter lehnt "Schuldenschnitt" ab

Der CDU-Haushaltspolitiker Norbert Barthle machte im Deutschlandfunk klar, dass die Unionsfraktion sich der enormen Bedeutung weiterer Finanzhilfen, "die sicherlich weit auch über diese Legislaturperiode hinausweist", bewusst sei. Es gehe nicht nur um Griechenland, sondern um den Euro und den Euro-Raum insgesamt. Einen Schuldenschnitt für Griechenland lehnte er ab, weil damit zu große Risiken verbunden seien. Es könne dann erneut eine Bankenkrise geben, mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen für andere europäische Länder, auch für Deutschland.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (AP)Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fordert fordert in der Eurokrise eine neue Orientierung. (AP)

Bisherige Rettungsstrategie gescheitert

Gestern hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Brief an seine Kollegen in der Eurozone, den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Zentralbank für neue Finanzhilfen an Griechenland geworben. Dabei hatte er für eine starke Beteiligung der privaten Gläubiger geworben und eingeräumt, dass das bisherige Konzept zur Rettung Griechenlands vor dem drohenden Bankrott gescheitert sei: "Eine Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt im Jahr 2012, wie im laufenden Programm geplant, scheint mehr als unrealistisch."

Kreditverlängerung vor Schuldenkürzung

Der griechische Volkswirt Theodoros Paraskevopoulos setzt auf eine europäische Lösung der Griechenland-Krise. Paraskevopoulos sagte im Deutschlandradio Kultur, er halte eine Umschuldung für notwendig. Es müsse eine Diskussion mit den Gläubigern geben, ob der griechische Staat in der Lage sei, seine Schulden abzutragen. Dabei sei es von Vorteil, dass es sich bei den wichtigsten Gläubigern vor allem um andere Staaten und die Europäische Zentralbank handele. "Bevor man aber über eine Kürzung der Forderungen der Gläubiger spricht, sollte man über die Verlängerung der Kredite und über die Zinsen sprechen", sagte der Volkswirt.


Mehr zum Thema:
Schäuble plädiert für Umschuldung Griechenlands - <br> Koalitionsfraktionen ringen um gemeinsame Haltung (Aktuell, Deutschlandradio)
"Wir können nicht einseitig immer nur Geld rüberschieben" - FDP-Politiker würde momentan neue Griechenlandhilfe ablehnen (Interview, DLF)
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"Es muss eine europäische Lösung geben" - Griechischer Volkswirt befürwortet Umschuldung (Thema, DKultur)

Linktipp:
Sammelportal Eurokrise

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

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