Schweinegrippe erreicht Europa

Über 140 Tote in Mexiko

Eine Passagierin am Madrider Flughafen trägt Mundschutz. (AP)
Eine Passagierin am Madrider Flughafen trägt Mundschutz. (AP)

Die Schweinegrippe hat nun auch Europa erreicht: Die spanische Regierung bestätigte am Montag einen entsprechenden Infektionsfall. Der Mann, der vor kurzem aus Mexiko zurückgekehrt war, sei aber nur leicht erkrankt. Die deutschen Verdachtsfälle in Bielefeld haben sich derweil nicht bestätigt.

Ein entsprechender Schnelltest bei dem Geschwisterpaar sei negativ ausgefallen, erklärte die zuständige Gesundheitsdezernentin der Stadt Bielefeld, Anja Ritschel.

Großbritannien bestätigte unterdessen zwei Infektionsfälle. Nach Angaben der schottischen Gesundheitsministerin Nicola Sturgeon trügen zwei Menschen, die aus Mexiko zurückgekehrt seien, das Virus in sich. Die britischen Behörden hatten insgesamt 17 Verdachtsfälle geprüft.

Die USA haben nach 20 bestätigten Fällen von Schweinegrippe den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Damit können zusätzliche Bundesmittel für Vorsorgemaßnahmen bereitgestellt werden. Der Direktor der Gesundheitsbehörde, Richard Besser, erklärte in Washington, man gehe von weiteren und auch ernsteren Erkrankungen aus. Am Montagabend waren in fünf Bundesstaaten 40 Fälle der Schweinegrippe gemeldet.

Erdbeben und Epidemie in Mexiko-Stadt


In Mexiko sind nach offiziellen Angaben bislang 149 Menschen an dem Grippevirus gestorben. Allerdings wurde erst bei 20 Toten das Virus wissenschaftlich nachgewiesen. Der mexikanische Präsident Felipe Calderón ermächtigte die Gesundheitsbehörden, Grippekranke zu isolieren, Soldaten verteilten sechs Millionen Atemschutz-Masken. Die Weltbank sagte Kredite in Höhe von 225 Millionen Dollar zu.

Als Vorsichtsmaßnahme gegen die Schweinegrippe tragen Reisende in der U-Bahn von Mexiko-Stadt Mundschutz-Masken. (AP)Reisende in der U-Bahn von Mexiko-Stadt mit Mundschutz-Masken. (AP)Zentrum der Epidemie ist Mexiko-Stadt. Dort kam das öffentliche Leben über das Wochenende zum Erliegen. Die sonntägliche Messe in der Kathedrale wurde erstmals in der Geschichte unter Ausschluss der Gläubigen gefeiert und im Radio übertragen. Bis auf weiteres geschlossen bleiben auch Schulen, Universitäten, Theater, Museen sowie viele Lokale. Unter den Menschen selbst herrscht große Unsicherheit, kaum einer traut sich ohne Mundschutz in die Öffentlichkeit. (Bericht zur Lage in Mexiko als MP3-Audio)

Am Montagabend wurde die Stadt darüber hinaus von einem Erdbeben der Stärke 6,0 auf der Richterskala erschüttert.

Hacker: Situation besorgniserregend

Der Präsident des Berliner Robert Koch-Instituts, Jörg Hacker, hält die Ausbreitung der Schweinegrippe für besorgniserregend. Das Virus verbreite sich sehr rasch von Mensch zu Mensch. Es sei deshalb nicht auszuschließen, dass der Erreger auch in die Bundesrepublik eingeschleppt werde. Zugleich warnte er jedoch vor Panikmache: Aufgrund eines nationalen Epidemie-Plans sei man hierzulande jedoch gut auf mögliche Krankheitsfälle vorbereitet, erklärte Hacker. Zudem lasse sich die Infektion offenbar mit normalen Grippe-Medikamenten behandeln, betonte Hacker.

Auch Der Virologe Holger Rabenau von der Universität Frankfurt warnt vor Panikmache in Bezug auf die Schweinegrippe. Sollte der Virus Deutschland erreichen, sei es wichtig, dass jeder Einzelne Hygienemaßnahmen ergreife, um eine Weiterverbreitung zu erschweren. Gute Aussichten bestünden auch bei einer Behandlung, da es wirksame Medikamente gäbe, sagte Rabenau im Deutschlandfunk.

Warnung vor Reisen nach Mexiko

Unterdessen sprach das Auswärtige Amt in Berlin eine Reisewarnung für Mexiko aus. Vor nicht unbedingt erforderlichen Reisen werde abgeraten, hieß es auf der Internetseite des Ministeriums. Auch die EU riet von Reisen in die betroffenen Regionen ab

Die Weltgesundheitsorganisation äußerte sich besorgt über die Ausbreitung der Krankheit. Derzeit werde die Anhebung der Pandemie-Warnstufe erwogen, teilte die WHO in Genf mit. Die Arbeit an einem Impfstoff habe bereits begonnen.

Im Kampf gegen die Schweinegrippe mahnte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Weltgemeinschaft zur Solidarität auf.

Verbreitung von Mensch zu Mensch

In den bislang bekannten Fällen hatten sich die später Gestorbenen mit einem mutierten Schweinevirus vom Typ H1N1 infiziert. Dieses unterscheidet sich von bislang bei Menschen bekannten H1N1-Stämmen, sodass die bisher wirksame Impfung keinen Schutz bietet. Es handelt sich um ein neues Virus, das sich von Mensch zu Mensch verbreitet. Gespannt verfolgen deshalb Epidemiologen weltweit die aktuelle Entwicklung der Krankheitsfälle.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr