Schweizer zügeln Managergehälter

Fast 68 Prozent stimmen "gegen Abzockerei"

Weniger Millionen für Schweizer Manager in börsennotierten Unternehmen wie UBS (picture alliance / dpa / Georgios Kefalas)
Weniger Millionen für Schweizer Manager in börsennotierten Unternehmen wie UBS (picture alliance / dpa / Georgios Kefalas)

Exzesse bei Boni, Abfindungen und Gehältern für Manager gehören in der Schweiz der Vergangenheit an. In einem Volksentscheid plädierten die Eidgenossen deutlich dafür, dass Aktionäre bei der Höhe der Managervergütungen künftig ein Wörtchen mitzureden haben.

Das Schweizer Gemüt ist erregt. Die Vergütungen der Spitzenmanager sind in den vergangenen Jahren derart drastisch gestiegen, dass sich eine Volksinitiative "gegen die Abzockerei" gegründet hatte. Demnach bekam ein Vorstandschef ein Gehaltspaket von 90 Millionen Franken, umgerechnet derzeit rund 73 Millionen Euro; einem anderen wurde wegen der derzeitigen Stimmung eine Abfindung von 72 Millionen Franken verwehrt. Dabei waren Vergünstigungen wie Dienstwagen und Flugreisen noch nicht eingerechnet. Heute stimmten die Schweizer in einem Volksentscheid nach jahrelangem politischen Streit über die Exzesse ab.

Mehr als zwei Drittel unterstützten die Initiative, sie erhielt 67,9 Prozent Zustimmung. Kein einziger der 26 Kantone stimmte dagegen. So viel Zuspruch gab es zuletzt vor 20 Jahren bei der Abstimmung für einen arbeitsfreien Bundesfeiertag. Damit müssen folgende Punkte Gesetz werden:

  • Abfindungsprämien werden ebenso verboten wie Begrüßungsboni zum ersten Arbeitstag und Vergütungen für Firmenkäufe und -verkäufe.

  • Bonuszahlungen werden jährlich geregelt, für das laufende und das vergangene Jahr. Eine Obergrenze gibt es nicht.

  • Führungskräften dürfen nicht mehr bei einem anderen Unternehmen der gleichen Firmengruppe einen Arbeits- oder Beratungsvertrag eingehen
Verstöße gegen entsprechende gesetzliche Regelungen sollen nach dem Entwurf der Volksinitiative mit bis zu drei Jahren Gefängnis und hohen Geldbußen bestraft werden können.

"Zum Schutz der Volkswirtschaft"

Zwei Manager (picture alliance / dpa / IP3 Press / Maxxppp / Vincent Isore)Zwei Manager - wer bestimmt ihr Gehalt? (picture alliance / dpa / IP3 Press / Maxxppp / Vincent Isore)Über die Höhe von Managervergütungen sollen die Aktionäre jährlich entscheiden - "zum Schutz der Volkswirtschaft, des Privateigentums und der Aktionäre", wie es im Initiativtext heißt. "Nicht mehr Kollegen und Freunde sollen den individuellen Lohn bestimmen, sondern die Generalversammlung wählt unabhängige Mitglieder in den so genannten Vergütungsausschuss", forderte die Initiative. Aus ihrer Sicht haben die Millionengehälter die weltweite Finanzkrise mit verursacht und das weltweite Finanzsystem ins Wanken gebracht haben.

Dem Volksentscheid ging ein jahrelanger Streit voraus. Die Volksinitiative - gestartet von einem Unternehmer - hatte vor fünf Jahren die nötige Mindestzahl von 100.000 Unterschriften vorgelegt, um eine Abstimmung der Bürger zu erzwingen. Seitdem hatte sich das Parlament jahrelang damit beschäftigt. Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und bürgerliche Parteien warnten in Kampagnen vor Nachteilen. Die Behörden legten wie üblich einen Gegenentwurf vor, der in Kraft tritt, falls der Volksentscheid abgelehnt wird. Auch der Gegenentwurf sah vor, Gehaltsexzesse einzudämmen, jedoch eher durch freiwillige Maßnahmen der Unternehmen.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr