Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Schwere Gefechte im Nahen Osten

Friedensbemühungen zeigen zunächst keinen Erfolg

Ein Pressefotograf macht Bilder von zerstörten Häusern im Süden von Beirut. (AFP)
Ein Pressefotograf macht Bilder von zerstörten Häusern im Süden von Beirut. (AFP)

Ungeachtet internationaler Bemühungen um ein Ende der Gewalt hat Israel seine Angriffe auf den Libanon fortgesetzt. Die Luftwaffe griff am Dienstag nicht nur Stellungen der schiitischen Hisbollah-Miliz an, sondern auch mehrere Kasernen der libanesischen Armee. Mindestens elf Soldaten starben. Seit Beginn der Offensive kamen mehr als 200 Zivilisten ums Leben. Die Hisbollah feuerte erneut zahlreiche Raketen auf Nordisrael ab.

UN-Generalsekretär Kofi Annan erläuterte in Brüssel seine Vorstellungen zur Ausweitung einer UN-Stabilisierungstruppe als Puffer. Während die Lage zehntausender libanesische Flüchtlinge immer dramatischer wurde, wurden tausende Ausländer, darunter hunderte Deutsche, aus dem Land evakuiert.

Bei einem der Angriffe auf libanesische Kasernen nahe Beirut starben mindestens elf Soldaten, wie die libanesische Armee erklärte. Dutzende Soldaten seien verletzt worden. Israel beschoss auch erneut den in den vergangenen Tagen schwer beschädigten und inzwischen geschlossenen Beiruter Flughafen. Bei zahlreichen Angriffen im Südlibanon starben erneut mehrere Zivilisten. Im Laufe der seit sieben Tagen dauernden Offensive der israelischen Armee wurden bislang mindestens 237 Libanesen getötet, davon 210 Zivilisten.

Hisbollah beschießt Haifa

Eine Rakete aus dem Libanon schlägt in der israelischen Stadt Haifa ein. (AP)Eine Rakete aus dem Libanon schlägt in der israelischen Stadt Haifa ein. (AP)Bei einem erneuten Raketenbeschuss der nordisraelischen Hafenstadt Haifa und nahe gelegener Orte wurde am Dienstag niemand verletzt. Bisher gingen laut israelischer Armee rund 700 Hisbollah-Raketen auf Israel nieder, laut Israels Vize-Regierungschef Schimon Peres waren es 1500. Dabei wurden bisher mindestens 12 Zivilisten getötet. Die Hisbollah hatte am 12. Juli zwei israelische Soldaten entführt und eine groß angelegte Militäroffensive Israels ausgelöst.

Steinmeier: Israel und Libanon müssen UNO-Truppe zustimmen

Annan präzisierte bei Gesprächen mit EU-Vertretern in Brüssel die Pläne für die Entsendung einer Stabilisierungstruppe in den südlichen Libanon. Diese solle "deutlich größer" sein als die UN-Beobachtermission UNIFIL mit derzeit etwa 2000 Soldaten. Er erwarte auch ein anderes Einsatzkonzept. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich zurückhaltend. Israel und der Libanon müssten einer solchen Truppe zunächst zustimmen, sagte Steinmeier im ZDF.

Benita Ferrero-Waldner, EU-Außenkommissarin (AP)Benita Ferrero-Waldner, Außenkommissarin der Europäischen Union (AP)Detaillierte Festlegungen auf eine UNO-Schutztruppe im libanesisch-israelischen Grenzgebiet wären aus Sicht von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner verfrüht. Zunächst müssten sich beide Parteien "von diesem Abgrund, an dem sie sich befinden, zurückziehen", sagte Ferrero-Waldner im Deutschlandfunk. Ex-Bundeswehrgeneral Manfred Eisele warnte vor überzogenen Erwartungen an eine UNO-Truppe. Blauhelme seien keine Kriegsführungspartei, die mit Gewalt die Beendigung der Feindseligkeiten erzwingen könnten, sagte Eisele, ehemaliger Beigeordneter des UNO-Generalsekretärs für Friedensmissionen, im Deutschlandfunk.

Der Vorsitzende der Fatah im Gazastreifen, Abdallah Frangi, regte zusätzlich die Entsendung einer UNO-Schutztruppe im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern an. Das Misstrauen zwischen beiden Lagern sei so groß, dass eine Pufferzone nötig sei, sagte Frangi im Deutschlandfunk. Dies könne nur von einer UNO-Schutztruppe geleistet werden.

Israel hält auch nach Gesprächen mit Sonderbeauftragten der UNO an seinen Bedingungen für ein Ende der Bombardements im Libanon fest. Israel werde seinen Kampf gegen die Hisbollah fortsetzen, bis die entführten Soldaten frei und die israelischen Bürger wieder sicher seien, erklärte Ministerpräsident Ehud Olmert nach einem Treffen mit der UN-Mission in Jerusalem. Am Montag hatte sich die UN-Vermittlergruppe in Beirut mit libanesischen Regierungsvertretern getroffen. Die europäischen Grünen schlugen den früheren Bundesaußenminister Joschka Fischer als Vermittler vor.

Libanon nur noch über Syrien erreichbar

Die humanitäre Krise im Libanon, wo bereits zehntausende Menschen aus ihren von der israelischen Luftwaffe beschossenen Häusern geflüchtet sind, verschärfte sich weiter. Die Menschen fanden Zuflucht in Schulen, öffentlichen Parks oder Parkhäusern von Einkaufszentren. Wegen der israelischen Luft- und Seeblockade ist der Libanon nur noch auf dem Landweg von Syrien aus zu erreichen. Israel bombardierte am Dienstag aber auch die wichtigste noch befahrbare Straße von Beirut zur libanesisch-syrischen Grenze.

Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora richtete erneut einen Hilferuf an die Weltgemeinschaft. Der als pro-westlich geltende Regierungschef bat zudem die arabischen Regierungen um Unterstützung, "um einen sofortigen Waffenstillstand zu erreichen". Israel warf er Massaker an der libanesischen Zivilbevölkerung vor. Die "barbarischen" Angriffe zeigten, dass Israel beschlossen habe, den Libanon in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückzuwerfen.

Ausländer verließen mit Hilfe ihrer Heimatregierungen das Land. Helikopter, Kriegs- und Passagierschiffe machten sich auf den Weg, um tausende Menschen aus dem Land zu bringen. Etwa 400 Deutsche fuhren in einem begleiteten Buskonvoi von Beirut ins Nachbarland Syrien. 320 Deutsche und ihre engsten Familienangehörigen kamen per Flugzeug in Düsseldorf an. Weitere Flüge sind für die nächsten Tage geplant.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:17 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.