Seoul warnt Pjöngjang vor Provokation

Die USA sehen keine akute Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel

Südkoreas Präsidentin: Park Geun Hye (picture alliance / dpa /Yonhap)
Südkoreas Präsidentin: Park Geun Hye (picture alliance / dpa /Yonhap)

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hat die Armee ihres Landes aufgefordert, unverzüglich auf Provokationen aus Nordkorea zu reagieren. Die USA schickten weitere Kampfflugzeuge zu einem Manöver nach Südkorea. Sie reagieren damit auf die Kriegsrhetorik Pjöngjangs und wollen ihre Solidarität mit dem Süden deutlich machen.

Ein Sprecher der US-Streitkräfte teilte mit, dass es sich bei den Flugzeugen um zwei Maschinen des Typs F-22 Raptor handele. Die Kampfflugzeuge vom Typ F-22 Raptor können nicht vom Radar erfasst werden. Die Maschinen seien auf dem Luftwaffenstützpunkt Osan stationiert worden, hieß es weiter. Im Zuge eines gemeinsamen Manövers mit Südkorea hatten die USA bereits in der vergangenen Woche zwei Tarnkappenbomber und zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber nach Südkorea entsandt.

Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye drohte im Falle eines Angriffs aus dem Norden mit "starker Vergeltung". Bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Kim Kwan Jin sagte sie, sie nehme die Drohungen der kommunistischen Führung in Pjöngjang sehr ernst. Das Militär forderte sie auf, auf Provokationen des Nachbarlands "ohne Rücksicht auf jede politische Erwägung" prompt und strikt zu reagieren, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Peter Kujath.

Westerwelle: "Aus einem Krieg der Worte darf kein echter Krieg werden"

Außenminister Guido Westerwelle (dpa / Maurizio Gambarini)Außenminister Guido Westerwelle (FDP) (dpa / Maurizio Gambarini)Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ruft Südkorea zur Besonnenheit auf. Er sagte der "Bild"-Zeitung, die Spirale der Kriegsrhetorik müsse durchbrochen werden. "Wir stehen solidarisch zu Südkorea, das vom Norden aus bedroht wird. Dennoch ist Besonnenheit auf allen Seiten das Gebot der Stunde. Aus einem Krieg der Worte darf kein echter Krieg werden", mahnte der FDP-Politiker.

Nordkorea hatte am Samstag den Kriegszustand mit Südkorea ausgerufen. Anschließend beschloss das Zentralkomitee der kommunistischen Arbeiterpartei, das Arsenal an Atomwaffen weiter auszubauen. Deren Besitz solle "gesetzlich festgelegt werden", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Nordkoreas Führer Kim Jong-un (dpa / picture alliance / Maxppp)Nordkoreas Führer Kim Jong Un (dpa / picture alliance / Maxppp)Die Führung in Pjöngjang hatte vor drei Wochen den Nichtangriffspakt mit dem Süden gekündigt. Zudem kappte Nordkorea am Grenzdorf Panmunjom den sogenannten "heißen Draht" zum Süden. Die direkte Telefonverbindung diente beiden Seiten seit 1971 als Mittel zur Krisenkommunikation. Die koreanische Halbinsel befindet sich seit dem Ende des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 völkerrechtlich ohnehin noch immer im Kriegszustand. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht geschlossen.


USA: Keine Anzeichen für militärische Mobilisation in Nordkorea

Der UNO-Sicherheitsrat hatte die Sanktionen gegen Pjöngjang nach dem norkoreanischen Atomtest im Februar ausgeweitet. Sie betreffen unter anderem Bargeldtransfers, Auslandsreisen und die Einfuhr von Luxusgütern. Ziel ist es zum einen, die herrschende Elite direkt zu treffen und zum anderen, den Ankauf waffentauglicher Technologie unter Umgehung bereits bestehender Sanktionen zu verhindern.

Seit Wochen wird darüber spekuliert, wann das verarmte Land in der Lage ist, einen verkleinerten nuklearen Sprengsatz auf der Spitze einer Langstreckenrakete - die das Festland der USA erreichen könnte - platzieren zu können. Die USA sehen aber keine akute Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte in Washington, abgesehen von der harschen Rhetorik Nordkoreas seien keinerlei Veränderungen der Militärstellungen oder eine großangelegte Mobilisierung zu beobachten.

Alt-TextReichweiten nordkoreanischer Raketen


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr