Radiomenschen /

 

Shelly Kupferberg

Bilder im Kopf

Shelly Kupferberg, freie Mitarbeiterin Deutschlandfunk Kultur (© Deutschlandradio/Anke Beims)
Shelly Kupferberg (© Deutschlandradio/Anke Beims)

"Nicht zugucken – mitmachen!" Mit diesen Worten begann mein Praktikum vor 25 Jahren beim Deutschlandradio, als ich nach dem Abitur bei einem Workshop für angehende Kinderfunkmoderatoren anklopfte und zaghaft fragte, ob zuschauen möglich sei. Schon während meiner Schulzeit war ich im Rahmen der damaligen ‚Schulklassengespräche‘ einige Male zu Gast – noch im RIAS – fasziniert von der entsprechenden inhaltlichen Vorbereitung der Diskussion mit Politikern, den Aufnahmestudios und der Radiotechnik.

Und so fing ich an, während der Schulzeit bei einem Jugendradiosender zu arbeiten, nach dem Abitur dann bewarb ich mich um einen Praktikumsplatz beim Deutschlandradio und begann zeitgleich mit meinem Studium der Musik- und Theaterwissenschaften, Politologie und Publizistik. Was das Studium mir lange nicht bieten konnte, durfte ich gleich zu Anfang im Funk erfahren: den Sprung ins kalte Wasser, schnelles und zielgerichtetes Arbeiten, die Auseinandersetzung mit Themen und Menschen. Ich landete in der Abteilung Bildung und Wissen, durfte sofort mit dem Aufnahmegerät losziehen und Themen beackern, die keinen so richtig in der Runde zu interessieren schienen, aber redaktionell gesetzt wurden – und mir als Praktikantin die wunderbare Gelegenheit boten, das Recherchieren zu lernen (Stichwort: ‚Kalenderblatt: Vor 200 Jahren wurde die erste Parkuhr in Oklahoma City aufgestellt‘ – oder: ‚Vor 150 Jahren – die Erfindung der Thermoskanne‘ etc.).

Schnell kam aktuelle Kulturberichterstattung hinzu, Beiträge, Porträts, Features – und die Moderation. Vom ‚Kakadu‘ (der besten Moderationsschule überhaupt: Kinder sind die ehrlichsten Interviewpartner, die auch mal in der Live-Sendung aufstehen, wenn es zu langweilig wird) ging es zur ‚Galerie‘ und zum ‚Radiofeuilleton‘, viele Jahre reiste ich mit den Kollegen landauf, landab mit der ‚Deutschlandrundfahrt‘ quer durch die Republik und lernte das Land, in dem ich nicht geboren wurde, intensiv kennen. Parallel kamen die Fernsehmoderation und die Moderation anderer Live-Sendungen für diverse ARD-Sender hinzu. Meine derzeitige Redaktionsarbeit für die politische ‚Lesart‘ und das ‚Politische Feuilleton‘ weiten zusätzlich stets den Blick für Themen und Meinungen, Diskussionen und Zeitgeist.

Was ich am Radio so liebe? Die Anonymität und gleichzeitige Intimität, die dieses Medium in sich birgt. Lediglich Stimmen und Stimmungen verbreiten die Atmosphäre, die Bilder im Kopf.

Shelly Kupferberg

Freie Mitarbeiterin
Deutschlandfunk Kultur

Deutschlandradio