Siemens-Chef muss gehen

Aufsichtsrat trennt sich von Vorstandschef Peter Löscher

Peter Löscher muss seinen Posten als Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG räumen. (AP)
Peter Löscher muss seinen Posten als Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG räumen. (AP)

Der Rauswurf hatte sich in den vergangenen Tagen bereits abgezeichnet. Nun ist klar: Peter Löscher muss nach einer Serie von Rückschlägen den Chefsessel bei Siemens räumen. Als möglicher Nachfolger gilt der Finanzchef des Unternehmens, Joe Kaeser.

Der Aufsichtsrat des Elektrokonzerns werde in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch (31.07.2013) über das vorzeitige Ausscheiden Löschers beschließen, teilte das Unternehmen am späten Samstagabend nach einer Marathon-Sitzung des Kontrollgremiums in München mit. Erst vor wenigen Tagen hatte Siemens mitgeteilt, dass das Unternehmen sein Margenziel für 2014 nicht erreichen werde. Es war bereits die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten. Die Börse reagierte prompt: Die Aktie ging auf Talfahrt und verlor binnen kurzer Zeit fünf Milliarden Euro an Wert. Aus Sicht des Kapitalmarktes wurde dieses Fiasko offensichtlich Konzernchef Peter Löscher angerechnet, berichtet Stephan Lina im Deutschlandradio Kultur.

Einstiger Hoffnungsträger

Löscher kam 2007, mitten im Strudel des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals, an die Konzernspitze und hatte durchaus Erfolge zu verzeichnen. Im Auftrag von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sollte er den gewaltigen Schmiergeldsumpf in dem weitverzweigten Konzern trockenlegen. Für seine Korruptionsbekämpfung wurde der Österreicher gefeiert. Siemens gab damals massive Regelverstöße zu und wurde nicht wie befürchtet vom US-Markt ausgeschlossen.

Zahlreiche technische Pannen

Präsentation des ICE3 Typ Velaro im September 2010: Bahnchef Rüdiger Grube und Siemenschef Peter Löscher (r.) (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)Die verspätete Lieferung von ICE-Zügen wurde für Peter Löscher (r.) zum Problem. (picture alliance / dpa / Tobias Kleinschmidt)In den vergangenen Jahren allerdings kämpfte Peter Löscher mit der Konjunkturflaute, einer nachlassenden Wachstumsdynamik in Schwellenländern wie China sowie teuren, hausgemachten Projektpannen. Dazu zählt die verspätete Lieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn und die Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks. Auch bei den Mitarbeitern verlor er wegen diverser Sparrunden und einem groß angelegten Stellenabbau immer mehr an Sympathie. Die Belegschaft nannte ihn spöttisch den "Aus-Löscher".

Löscher galt als "der richtige Mann"

Der Sohn eines Sägewerksbesitzers aus Kärnten hatte in Wien, Hongkong und Harvard Betriebswirtschaft studiert und in der Pharmaindustrie Karriere gemacht. Er galt als der richtige Mann, um Siemens wieder auf Kurs zu bringen und das Vertrauen der wichtigen US-Investoren zurückzugewinnen. Doch im Laufe der Zeit mehrten sich Stimmen, dass Löscher überfordert wirke und im Unternehmen nie richtig angekommen sei.

Bis zuletzt zeigte sich der Österreicher kämpferisch. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", sagte der Manager noch am Samstag der "Süddeutschen Zeitung". "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je." Das sahen die Aufsichtsräte jedoch anders. Nach sechs Jahren zogen sie die Reißleine. Die Abberufung von Siemens-Chef Löscher wird den Konzern vermutlich neun Millionen Euro kosten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kann Löscher bei einer einvernehmlichen Trennung mit knapp sieben Millionen Euro an Zahlungen und gut zwei Millionen an Pensionsansprüchen rechnen.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr