Snowden: NSA spähte französisches Außenministerium aus

Ebenfalls im Visier des US-Geheimdienstes war der arabische TV-Sender Al-Dschasira

Der Handlungsort des Geschehens: das französische Außenministerium (picture alliance / dpa -  epa Hoslet Olivier)
Der Handlungsort des Geschehens: das französische Außenministerium (picture alliance / dpa - epa Hoslet Olivier)

Mit Wanzen und IT-Attacken gegen das französische Außenministerium, mit geheimen Späh-Viren gegen den von Katar finanzierten Nachrichtenkanal Al-Dschasira. Die Enthüllungen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Snowden gehen weiter.

Offenbar ging die NSA besonders dreist gegen Frankreich vor, den zurzeit engsten Verbündeten Washingtons im Syrienkonflikt. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf interne NSA-Dokumente berichtet, die es über den Enthüller Edward Snowden einsehen konnte, verwanzten NSA-Techniker 2010 die diplomatischen Vertretungen Frankreichs in Washington und bei der UNO in New York. Von dort seien Screenshots gesammelt worden.

Darüber hinaus drang der Geheimdienst in ein gemeinhin als sicher geltendes VPN-Netzwerk des französischen Außenministeriums ein, über das alle Botschaften, Konsulate und die Zentrale in Paris verbunden sind. Das Knacken des virtual private networks (VPN) sei in einem streng vertraulichen NSA-Dokument vom Juni 2010 als "Erfolgsstory" gefeiert worden, heißt es.

10.000 Computer weltweit angezapft

Während diese Spähangriffe bereits einige Zeit zurückliegen, berichtet die "Washington Post" über aktuelle Fälle: Unter dem Codenamen "GENIE" installierten Spezialisten derzeit heimlich Spähprogramme in fremden Computern und Routern, um diese so unter US-Kontrolle zu bringen. Bis zum Jahresende solle "GENIE" Planungen zufolge mindestens 85.000 Schadprogramme in Rechnern rund um den Globus platzieren. 2008 seien es "nur" 21.200 gewesen.

Der "Spiegel" wiederum berichtetdarüberhinaus, die interne Kommunikation des Fernsehsenders Al-Dschasira sei geknackt worden. Weil der Sender Videos der Al-Kaida-Führung ausgestrahlt habe, habe er als potenzielle Fundgrube für relevante Informationen gegolten. Das gehe aus dem Network Analysis Center der NSA vom März 2006 hervor. Ob Journalisten direkt bespitzelt wurden, sei unklar.

Edward Snowden ist seit Mai auf der Flucht vor der US-Justiz. Derzeit hält er sich an einem geheimen Ort in Russland auf, das ihm für ein Jahr Asyl gewährt hat.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr