Somalische Piraten in Hamburg verurteilt

Haftstrafen wegen Überfalls auf deutschen Frachter

Ein Somalier wegen Piraterie mit seinem Anwalt vor Gericht (dapd / Philipp Guelland)
Ein Somalier wegen Piraterie mit seinem Anwalt vor Gericht (dapd / Philipp Guelland)

Ein ungewöhnlicher Prozess auf deutschem Boden: In Hamburg sind zehn somalische Piraten verurteilt worden. Weil sie ein deutsches Schiff gekapert hatten, verhängte das Landgericht mehrjährige Haftstrafen gegen die Angeklagten. Deren Anwälte kritisieren das Verfahren.

Trotz Bundeswehrpräsenz im Rahmen der Atalanta-Mission sind vor zwei Jahren rund 220 Schiffe vor der Küste Somalias von Piraten angegriffen worden. Eines davon war der Frachter "Taipan" der Hamburger Reederei Komrowski. An Ostern kaperten zehn Somalier das Schiff, das unter deutscher Flagge auf dem Weg in die kenianische Hafenstadt Mombasa unterwegs war.

Die französische Fregatte "Jean de Vienne" nimmt Teil an der EU-Mission "Atalanta" im Golf von Aden vor der Küste Somalias. (AP)Französische Marinesoldaten bei der EU-Mission "Atalanta" vor der Küste Somalias (AP)Niederländische Marinesoldaten konnten die Piraten damals überwältigen, bevor sie Lösegeldforderungen stellen konnten. Nach ihrer Festnahme wurden die Männer im geschätzten Alter zwischen 19 und 50 Jahren - das konnte im Prozess so genau nicht bestimmt werden - an Deutschland ausgeliefert. Nun wurde ihnen vor dem Hamburger Landgericht der Prozess gemacht. Grundlage hierfür ist der Paragraf 10 der Strafprozessordnung. Er regelt, dass für Straftaten auf See das Gericht zuständig ist, "in dessen Bezirk der Heimathafen oder der Hafen im Geltungsbereich dieses Gesetzes liegt, den das Schiff nach der Tat zuerst erreicht".

Am Ende des fast zweijährigen Gerichtsverfahrens verhängte das Gericht Haftstrafen zwischen zwei und sieben Jahren gegen die zehn Angeklagten wegen des Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubes. Die drei jüngsten Beschuldigten erhielten jeweils zwei Jahre Jugendstrafe, weil sie zum Tatzeitpunkt minderjährig waren. Die sieben erwachsenen Angeklagten wurden zu Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren verurteilt. Mit ihrem Urteil blieben die Richter teilweise deutlich hinter den Anträgen der Staatsanwaltschaft zurück.

Deutsche Reeder begrüßen das Urteil

Die Anwälte hatten am vorletzten Prozesstag erklärt, dass dieses Verfahren nicht in Deutschland geführt werden sollte. "Wir maßen uns hier an, Recht zu sprechen nach unseren deutschen Vorstellungen über Menschen, deren Lebenssituation wir nicht mal annähernd nachvollziehen können", sagte Rainer Pohlen, Verteidiger des jüngsten Beschuldigten.

Die deutschen Reeder sehen das anders. "Piraterie ist ein Verbrechen, und Verbrecher gehören vor Gericht", sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder, am Freitag. Da das überfallene Schiff "Taipan" unter deutscher Flagge gefahren sei, habe der Prozess in Deutschland abgehalten werden müssen.

Mit dem Prozess übernehme das Landgericht "auch ein Stück internationale Verantwortung", sagte Gerichtssprecher Conrad Müller-Horn bereits vor der Urteilsverkündung. Schließlich habe Deutschland das Seerechtsübereinkommen unterzeichnet und sich darin verpflichtet, die Piraterie zu bekämpfen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr