Sophie Stigler

Ich frage, denke mit und bin kritisch

(Sophie Stigler )
Sophie Stigler während der Aufnahme (Sophie Stigler )

Was genau macht eigentlich das West-Nil-Virus? Ist das gefährlich? Wie viele Shots braucht man vom neuen Johnson & Johnson-Corona-Impfstoff? Und wann kommt der überhaupt? In der großen Deutschlandfunk-Schaltkonferenz um 9.30 Uhr muss die Person, die die hausinterne Wissenschaft vertritt, schon mal als Lexikon herhalten. Und seitdem ich die Sendung "Forschung aktuell" moderiere, bin das hin und wieder auch ich.

Stellenwert der Wissenschaft

Immer alles wissen zu müssen, ist anstrengend, aber es zeigt mir, welchen Stellenwert die Wissenschaft hat, besonders jetzt, und wie viel Vertrauen uns als Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten entgegengebracht wird. Das macht mich stolz. Wie man wissenschaftliche Studien liest, in welche Fallen man dabei leicht tappt und die deutschen Forschungseinrichtungen von A bis Z – das habe ich alles nicht umsonst gelernt. Als freie Journalistin muss ich aber auch schnell umschalten können. Vom Moderatorinnenmodus ins Autorinnendasein. Nachmittags berichte ich bei Deutschlandfunk Nova als Wissensreporterin darüber, wie man eine Weltkarte basteln kann, auf der Russland möglichst nicht doppelt so groß aussieht wie in der Realität. Am Abend darf ich dann per Videocall mit einem Physiker ausgiebig darüber sprechen, wie man einen Quantencomputer fragt, ob er einen Fehler gemacht hat, obwohl man Quantenbits eigentlich nichts fragen darf. Dabei bin ich selbst keine Expertin, das muss ich auch gar nicht sein: Ich bin immer noch Journalistin – ich frage, denke mit, bin kritisch.

STECKBRIEF
Name: Sophie Stigler
Position: Freie Wissenschaftsjournalistin für die drei Programme von Deutschlandradio
Lieblingssendung: "Forschung aktuell – Wissenschaft im Brennpunkt", So., 16.30 Uhr

Urwildpferde und Atomtests

Alles zusammen ergibt das einen Berufsalltag, der alles andere als langweilig ist. Wenn das Zusammenspiel mit der Redaktion klappt, dann ist vieles möglich: in der kasachischen Steppe nach Urwildpferden suchen, in Polynesien den Spuren von früheren Atomtests folgen und mich in Krefeld in die Kunst des Insektenzählens einweihen lassen. Alles Recherchen der letzten Jahre. Dabei habe ich gelernt: Gute Geschichten finden immer Abnehmer. Und Hörerinnen und Hörer. Das beweist hoffentlich auch unser neuer Wissenschaftspodcast in Kooperation von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur, der im Laufe des Jahres erscheinen wird. Mit gut erzählten Geschichten, die tief abtauchen in die Wissenschaftswelt und Menschen nahekommen, die etwas riskieren, um die Welt zu verändern. Aber ich darf noch nicht zu viel verraten.

Sophie Stigler, 
Freie Wissenschaftsjournalistin für die drei Deutschlandradio-Programme


Aus dem Programmheft, Ausgabe April 2021