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Spiel mit dem Feuer

Wie weit gehen US-Pläne für einen Angriff auf den Iran?

Von Siegfried Buschschlüter

US-Präsident George W. Bush kündigte am 10. Januar eine neue Strategie für den Irak an. (AP)
US-Präsident George W. Bush kündigte am 10. Januar eine neue Strategie für den Irak an. (AP)

Die USA beschuldigen den Iran, Angriffe auf ihre Truppen im Nachbarland Irak zu unterstützen. "Wir werden diese Angriffe auf unsere Streitkräfte unterbinden", hat US-Präsident George W. Bush angekündigt. Plant er einen Angriff auf den Iran?, fragt sich die amerikanische Öffentlichkeit

Die Geheimdienste haben ein Wort dafür, wenn im Vorfeld eines Terroranschlags der Lärmpegel beim Abhören ansteigt: "Chatter" nennen sie die Häufigkeit und Intensität der Hinweise auf geplante Aktionen. Spätestens seit dem 10. Januar, als Präsident Bush in einer Fernsehansprache an die Nation seine neue Strategie im Irak erläuterte, ist auf allen Ätherwellen das Anschwellen eines garstigen Liedes zu vernehmen, Krieg gegen Iran, ausgelöst durch die Ereignisse im Irak.

Der Iran liefere materielle Unterstützung für Angriffe auf amerikanische Truppen, so Bush. "Wir werden diese Angriffe auf unsere Streitkräfte unterbinden."

Mit der materiellen Unterstützung waren Waffen und Ausbildung, vor allem aber Sprengsätze gemeint, die nach Angaben amerikanischer Militärs von Spezialeinheiten der Revolutionären Garden in den Irak geschafft wurden. Beweise dafür, dass die iranische Staatsführung für die Lieferungen verantwortlich sei, haben weder die Militärs noch ihr Oberbefehlshaber, wie Bush auf einer Pressekonferenz am 14. Februar einräumen musste. Die Frage, ob er die Berichte über den Waffenschmuggel vielleicht als Vorwand für einen Krieg gegen Teheran ansehe, wies er mit Nachdruck zurück.

Entschärft war das Thema durch dieses Dementi mitnichten. Schließlich war bekannt geworden, dass der Präsident die US-Truppen authorisiert hatte, iranische Agenten im Irak gefangen zu nehmen oder zu töten. Und dass inzwischen zwei US-Flugzeugträger mit ihren Flottenverbänden im Persischen Golf Stellung bezogen hatten, veranlasste gleich mehrere demokratische Senatoren, warnend die Stimme zu erheben. So wie hier John Kerry am 24. Januar im Senat: Der Kongress müsse absolut sicherstellen, dass die USA nicht noch einmal den selben Fehler machten und wie im Irak erneut in einen Krieg stürzten.

Sichtlich genervt reagierte schließlich Verteidigungsminister Bob Gates auf die wiederholten Warnungen vor einem Krieg mit der Versicherung: "Wir suchen nicht nach einem Vorwand für einen Krieg gegen den Iran, und wir planen keinen Krieg gegen den Iran.”

Doch genau das berichtet Seymour Hersh in der neuesten Ausgabe der Wochenschrift "The New Yorker". Das Pentagon sei mit der intensiven Planung eines möglichen Bombenangriffs auf den Iran beschäftigt, schreibt Hersh. Seit einigen Monaten sei eine Sonderplanungsgruppe damit beauftragt, einen Plan für Luftangriffe gegen den Iran zu erstellen, der auf entsprechenden Befehl des Präsidenten innerhalb von 24 Stunden umgesetzt werden könne. Gegenüber CNN betonte Hersh jedoch, dass es sich dabei um Notfallplanung handele, nicht um Befehle.

Während sich die Zielplanung bisher auf die Zerstörung der Atomanlagen des Iran konzentriert habe, seien die Planer jetzt damit beauftragt worden, Ziele zu identifizieren, die mit der Unterstützung von Extremisten im Irak in Verbindung stünden. Unter Berufung auf einen Pentagon-Berater und einen ehemaligen leitenden Geheimdienstbeamten berichtet Hersh, US-Spezialeinheiten hätten bei der Verfolgung iranischer Agenten die Grenze vom Irak zum Iran überschritten.

Genau davor hatten der republikanische Senator Chuck Hagel Außenministerin Condoleezza Rice gewarnt, als sie Anfang Januar vor dem außenpolitischen Senatssausschuss aussagte. "Sie können doch nicht hier sitzen und so tun, als ob wir nicht grenzüberschreitend gegen die Iraner oder Syrer vorgehen würden", so Hagel, erinnerte daran, wie die US-Regierung 1970 bestritt, im Vietnam-Krieg die Grenze zu Kambodscha überschritten zu haben. Eine Lüge.

Am 8. März will sich der Geheimdienstausschuss des Senats mit den nachrichtendienstlichen Aktivitäten des Pentagon befassen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:21 Uhr