Steinbrück wird SPD-Kanzlerkandidat

Grüne begrüßen Entscheidung

Peer Steinbrück (SPD) und SPD-Chef Sigmar Gabriel (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Peer Steinbrück (SPD) und SPD-Chef Sigmar Gabriel (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wird der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl im Herbst nächsten Jahres. Dies gab Parteichef Sigmar Gabriel in Berlin bekannt. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor seinen Verzicht auf den Posten erklärt.

Am Montag werde er dem Vorstand der Partei Steinbrück als Herausforderer für Bundeskanzlerin Merkel (CDU) vorschlagen, sagte Gabriel in Berlin. Ursprünglich sollte erst Anfang des nächsten Jahres der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl bestimmt werden. In den vergangenen Tagen hätte jedoch der Druck der Mandatsträger spürbar zugenommen, die Entscheidung vorzuziehen, erklärte der Parteichef.

Peer Steinbrück zeigte sich erfreut. "Ich nehme diese Herausforderung an", sagte der 65-Jährige. Die Nominierung betrachte er als Ehre: "Wir wollen, dass diese Bundesregierung durch eine rot-grüne Koalition ersetzt wird".

Steinmeier gratuliert, Merkel reagiert zurückhaltend

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der zuvor seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklärt hatte, gratulierte Steinbrück. "Es ist ein guter Tag für die SPD. Steinbrück wird nicht nur der richtige Kandidat, sondern auch der richtige Kanzler sein", sagte Steinmeier. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gratulierte. Steinbrück sei ein "hervorragender Kandidat".

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Cem Özdemir (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Bundeskanzlerin Merkel reagierte zurückhaltend. Ihr Sprecher Seibert erklärte, die Kanzlerin habe bezüglich ihres Gegenkandidaten keine Vorlieben. Der FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Kubicki, meinte, eine Nominierung Steinbrücks würde den Liberalen neue Optionen eröffnen. Die Grünen begrüßten die Entscheidung. Die SPD befinde sich nun im "Kampfmodus", sagte Parteichef Cem Özdemir: "Der Wechsel ist hiermit eingeläutet."Kritik kam dagegen von der Linken. Die stellvertretende Parteichefin Sarah Wagenknecht sprach von einem "Offenbarungseid" der SPD. "

Steinbrück war zuletzt bereits Favorit für die Spitzenkandidatur. Steinmeier sagte, er habe den Parteichef schon vor vier Wochen darüber informiert, dass er nicht erneut antreten will. 2009 war Steinmeier als Herausforderer Merkels klar gescheitert.

Steinbrück sei "der richtige Mann in der richtigen Zeit", sagte der SPD-Abgeordnete Fritz-Rudolf Körper dem Deutschlandfunk. Die Themen Wirtschaft und Finanzen seien bei Steinbrück "gut aufgehoben", findet der Sprecher des Seeheimer Kreises, der als rechter SPD-Flügel gilt.

Der SPD-Linke Klaus Barthel sagte, dass die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) von Steinbrück ein nach vorne weisendes Programm erwarte. Er billigte dem künftigen Kandidaten im Deutschlandfunk die Fähigkeit zu, "aktuelle Notwendigkeiten zu erkennen, auch aus Fehlern zu lernen".

Steinbrück sei ein wenig wie Gerhard Schröder: Vielleicht nicht so eine Spielernatur, aber ein genauso kantiger und angriffslustiger Mensch, sagte sein Biograf Daniel Goffart im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Und er würde sich auch an der eigenen Partei reiben.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr