Steinmeier behält Doktortitel

Uni stellt Prüfverfahren gegen SPD-Fraktionschef ein

Uni Gießen: Steinmeier darf Doktortitel behalten (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
Uni Gießen: Steinmeier darf Doktortitel behalten (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Frank-Walter Steinmeier darf seinen Doktortitel behalten. Die Universität Gießen wies die gegen die Promotionsarbeit des SPD-Fraktionschefs erhobenen Plagiatsvorwürfe zurück. Es liege weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor.

Es liege weder eine Täuschungsabsicht noch ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, erklärte die Universität Gießen heute bei einer Pressekonferenz. Die Gremien der Hochschule hätten in der Arbeit zwar in einigen Passagen "handwerkliche Schwächen" bei der Zitierpraxis festgestellt, sähen aber keine Täuschungsabsicht.

Der zuständige Promotionsausschuss habe daher einstimmig entschieden, Steinmeier den Doktorgrad nicht zu entziehen und das Prüfverfahren einzustellen. Grundlage für die Entscheidung des Promotionsausschusses seien zahlreiche Stellungnahmen, eine Bewertung der wissenschaftlichen Arbeit sowie die Äußerungen Steinmeiers gewesen, erläuterte die Hochschule.

Zu den Experten des Ausschusses zählten der Präsident der Justus-Liebig-Universität, Joybrato Mukherjee, und der Vorsitzende der Ständigen Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis, Wolf-Dietrich Walker.

Steinmeier bat die Uni selbst um Überprüfung

Ende September hatte der Dortmunder Fachhochschul-Professor Uwe Kamenz erste Vorwürfe gegen die Doktorarbeit Steinmeiers erhoben. Kamenz sprach von "umfangreichen Plagiatsindizien" in der Promotion. Der "Focus" hatte berichtet, es gebe in der Arbeit mehr als 500 "problematische" Stellen. Die Universität Gießen leitete daraufhin - auch auf ausdrückliche Bitte Steinmeiers - ein Prüfverfahren ein.

Die Bagatellschwelle sei überschritten, erklärte der Kamenz im vergangenen Monat im Deutschlandfunk. Das Verfahren des Dortmunder Professors zur Feststellung von Plagiaten mit Hilfe von Textvergleichen im Computer ist unter Experten allerdings umstritten.

Steinmeier selbst hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe gesagt, die Vorwürfe seien absurd. Er sehe einer Überprüfung daher gelassen entgegen. Steinmeier war 1991 mit seiner Arbeit zum Thema "Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit" promoviert worden.

Mehr zum Thema:
Kommentar: Dünne Beweislage<LI_2270614> - Plagiatsvorwürfe gegen SPD-Fraktionschef Steinmeier<br /><LI_2241228>Gefallene Doktoren und akademische Verlotterung - Eine Dissertationsstolperbilanz

Letzte Änderung: 11.11.2013 23:12 Uhr