Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Streitbarer Publizist

Sebastian Haffner wäre heute 100 Jahre alt geworden

Sebastian Haffner 1978. (AP Archiv)
Sebastian Haffner 1978. (AP Archiv)

Sebastian Haffner wurde am 27. Dezember 1907 geboren. Als Emigrant im Dritten Reich und Remigrant in den 50er Jahren wurde er zu einem der geistreichsten politischen Beobachter und Kommentatoren des 20. Jahrhunderts.

Der scharfzüngige Publizist kam als Raimund Pretzel auf die Welt. Sein Pseudonym entlehnte er aus der Musik. Mit Sebastian wählte er den zweiten Vornamen von Bach. Der Nachname entstammt dem Titel von Mozarts Haffner-Symphonie.

Schon parallel zu seinem Jura-Studium war Haffner journalistisch tätig. Ab 1933 als Jurist im Staatsdienst tätig, entschied er sich während des Faschismus gegen den Richterberuf und schrieb eher unpolitische Glossen, Reportagen und Feuilletons für Berliner Zeitungen und Mode-Journale.

Weil er seine jüdische Freundin Erika Hirsch nicht heiraten durfte, emigrierte das Paar 1938 nach London, wo Haffner als Redakteur beim Emigrantenblatt "Die Zeitung" beschäftigt war, später für "The Observer" und sich als Journalist gegen den Hitler-Faschismus politisierte.

Kalter Krieger

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1954 wurde Haffner Kolumnist der Springer-Zeitung "Die Welt". Im "Kalenderblatt" heißt es dazu: Der Publizist Sebastian Haffner galt als Kalter Krieger. Und das, sagte er später, sei er auch gewesen, bis ihm der Mauerbau in Berlin das Scheitern der bis dahin betriebenen Ostpolitik des Westens bewies. Die neue Ostpolitik des Bundeskanzlers Willy Brandt fand Haffners enthusiastische Unterstützung. (Text / MP3-Audio)

"Er hat jede Woche einen 'Knallfrosch' abgeliefert"

Die Malerin Sarah Haffner erinnert sich an das Wirken ihres Vaters als politischer Schriftsteller und die schmerzliche Rückkehr der Familie Anfang der 50er Jahre aus dem weltstädtischen London in das "piefige Berlin". Beim "Stern", für den er nach der "Welt" schrieb, habe er nach eigenen Worten jede Woche einen "Knallfrosch" abgeliefert. Danach habe er mit seinen eigenen Büchern begonnen. Sein eigenes persönliches Lieblingsbuch sei das über "Churchill" gewesen. (Text, MP3-Audio)

Einen Publizisten wie Sebastian Haffner hat es in der Nachkriegszeit nicht wieder gegeben, und künftig wird es ihn schon gar nicht geben. Der Mann war einmalig, weil er über Eigenschaften verfügte, die in dieser Stärke und Häufung sonst nicht vorkommen. Dies meint der Publizist Peter Bender im "Politischen Feuilleton". (Text, MP3-Audio)

Zu Haffners Werken gehören "Anmerkungen zu Hitler", "Germany: Jekyll & Hyde, 1939. Deutschland von innen betrachtet", "Schreiben für die Freiheit. Ansichten und Porträts 1941-1949", "Churchill", "Von Bismarck zu Hitler. Ein Rückblick" und "Das Leben der Fußgänger. Feuilletons 1933-1938".

Sebastian Haffner starb am 2. Januar 1999 in Berlin. Einigen Wirbel verursachten seine im Jahr 2000 postum erschienenen Memoiren "Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914 - 1933". Kritiker äußerten den Verdacht, Haffner könnte einige Passagen darin erst nach dem Krieg eingefügt haben.


Programmtipps: Weitere Beiträge zum 100. Geburtstag des Publizisten hören Sie in "Fazit am Abend" ab 19.07 Uhr und in "Fazit - Kultur vom Tage" ab 23.05 Uhr auf Deutschlandradio Kultur, das ab 0.05 Uhr im Deutschlandfunk wiederholt wird.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.