Studie relativiert schlechtere Frauenlöhne

Institut fordert mehr Kinderbetreuung statt Frauenquote

Studie nennt Ursachen für geringe Frauenquote in Chefetagen (picture alliance / dpa)
Studie nennt Ursachen für geringe Frauenquote in Chefetagen (picture alliance / dpa)

Immer mehr Frauen gehen arbeiten, doch im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen - so das weit verbreitete Urteil - werden sie deutlich schlechter bezahlt. Eine neue Studie widerspricht. Tatsächlich seien die Unterschiede nicht so groß, aber Teilzeit und Kinder ließen die Gehälter der Frauen sinken.

Frauen verdienen weniger als Männer und sind deutlich seltener in Führungsetagen vertreten, so die landläufige Beobachtung des deutschen Arbeitsmarktes. Doch Abhilfe werde nicht durch eine gesetzliche Frauenquote erreicht, sondern durch eine merklich bessere Kinderbetreuung. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln über Karriereperspektiven von Arbeitnehmerinnen. Demnach stieg die Erwerbstätigkeit der Frauen in den vergangenen Jahren: von 63 Prozent im Jahr 2000 auf 72 Prozent im Jahr 2011. Mit diesem Wert liegt Deutschland hinter den skandinavischen Ländern europaweit vorn.

Die Verankerung einer Frauenquote in Chefetagen blende die Situation von Frauen aus, sagte Institutsdirektor Michael Hüther. Derartiger politischer Druck auf Unternehmen verkenne die wahren Ursachen und stelle einen Eingriff in die "Autonomie der privaten Akteure" dar. Teilzeit und familienbedingte Erwerbspausen seien Karrierekiller. Teilzeit lasse sich mit Führungsverantwortung schwer vereinbaren - und Erwerbspausen nähmen überwiegend Frauen in Kauf, hieß es in der Studie. Das Institut wird von Arbeitgeber- und Industrieverbänden finanziert.

Ursachen und Lohnbremsen

Eine Mutter versucht in München mit ihrem Kind auf dem Schoß an einem Laptop zu arbeiten. (picture alliance / dpa)Kind und Karriere: Häufig nehmen Frauen Erwerbspausen (picture alliance / dpa)Bei der Betrachtung des Gehaltsunterschieds zwischen Männern und Frauen nimmt die Studie eine andere Position ein als viele bisher bekannte Untersuchungen. Die knapp drei von vier erwerbsfähigen Frauen im Jahr 2011 verdienten insgesamt rund 25 Prozent weniger Geld als männliche Erwerbstätige. Bereinigt um Faktoren wie unter anderem Bildungsstand, Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Berufserfahrung und Branche sinke die Lohnlücke auf gut elf Prozent, erklärte Hüther.

Einen deutlichen Nachteil bei der Bezahlung erfasste die Studie inbesondere bei Frauen, die wegen ihrer Kinder eine längere Auszeit nehmen. Mütter, die zwischen anderthalb bis zu drei Jahren zu Hause bleiben, weisen demnach eine Gehaltsdifferenz von sechs Prozent zu Männern auf. Bei Frauen, die noch kürzer zu Hause bleiben, schrumpfe die Lücke auf weniger als zwei Prozent. Allein hinter diesem Wert verberge sich nicht erklärbare Willkür, sagte Hüther.

Eine weitere Ursache liegt der Studie zufolge in der Berufswahl von Frauen. In der Industrie würden Führungspositionen fast immer mit Menschen besetzt, die eine technische, naturwissenschaftliche oder mathematische Expertise vorweisen könnten. Frauen stellten zwölf Prozent aller neuen Auszubildenden in solchen Berufen. Auch der Anteil weiblicher Studienanfänger in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik verharre bei 30 Prozent.

Die Politische Debatte

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (picture alliance / dpa /Soeren Stache)Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (picture alliance / dpa /Soeren Stache)Zu den Befürwortern einer Frauenquote zählen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie will gesetzlich festlegen, dass deutsche Konzerne bis 2020 jeden dritten Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzen müssen. "In der Vergangenheit hat sich in den Großkonzernen nichts bewegt", sagte die Ministerin im Deutschlandfunk. "Die Frauen sind weit unterrepräsentiert. Der Mittelstand übrigens hat gezeigt, dass es funktioniert, da hat sich viel getan."

EU-Justizkommissarin Viviane Reding hatte bereits eine europaweite Richtlinie durchgesetzt, in dem eine Frauenquote von 40 Prozent vorgeschlagen wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte eine gesetzliche Vorgabe indessen ab. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt forderte im Deutschlandfunk von der Wirtschaft mehr Flexibilität: "Es kann nicht sein, dass die Familien sich nach den Bedingungen der Arbeitswelt nur richten, sondern es sollte zunehmend so sein, dass auch die Arbeitswelt sich nach den Familien richtet."

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr