Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Studierende setzen Proteste fort

Aktion im Roten Rathaus in Berlin freiwillig beendet

Studentenproteste in Berlin  (AP)
Studentenproteste in Berlin (AP)

Mehrere Dutzend Studierende haben ihre Protestaktion im Roten Rathaus in Berlin freiwillig beendet, nachdem die Senatskanzlei mit Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs gedroht hatte. Der Chef der Senatskanzlei, André Schmitz, verzichtete daraufhin auf Anzeigen gegen die Besatzer. Die Studierenden hatten eine öffentliche Veranstaltung mit dem mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes genutzt, um in das Rathaus zu kommen.

Die Studierenden protestierten gegen Millionenkürzungen an den Berliner Hochschulen. Sie forderten eine Diskussion mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit. Der SPD-Politiker war am Abend allerdings nicht in seinem Amtssitz, er hält sich zu einem zweitägigen Besuch in London auf. Nach Angaben seines Sprechers Michael Donnermeyer wäre er dieser Forderung auch nicht nachgekommen.

Wowereit weist Kritik der Studierenden zurück

Wowereit hat inzwischen die Kritik gegen die Millionkürzungen an den Hochschulen zurückgewiesen. Der SPD-Politiker will eine andere Finanzierung der Hochschulen: "Wir werden um die Einführung von Studiengebühren nicht umhin kommen", sagte Wowereit in London. Gebühren würden dazu beitragen, dass konzentrierter studiert werde. Er wolle, dass "unsere öffentlichen Universitäten topp und konkurrenzfähig sind".

Der Regierende Bürgermeister räumte allerdings ein, die Studenten hätten Recht mit dem Vorwurf, dass die Situation an deutschen Universitäten nicht die Beste sei, etwa hinsichtlich der Bibliotheken oder der technischen Ausstattung. Doch daran könne kurzfristig wegen der finanziellen Lage nur wenig geändert werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dagegen hat sich solidarisch mit den streikenden Studierenden erklärt. Anstatt in Bildung zu investieren, werde gekürzt, kritisierte Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock in der "Berliner Zeitung". "Wenn über die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen auch nur halb so viel nachgedacht werden würde wie über die globale Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, wäre schnell klar, dass die Hochschulpolitik in Deutschland in eine Sackgasse führt." Deshalb seien die Aktionen der Studierenden mehr als verständlich.

Gaethgens schließt Einführung von Studiengebühren nicht aus

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaethgens, sagte, er glaube, dass nach "wie vor der Staat im Wesentlichen die Verantwortung für das Hochschulstudium hat". Trotzdem will auch er die Einführung von Studiengebühren nicht ausschließen. Ein privater Beitrag von Studierenden gehöre durchaus in die Diskussion um die Finanzierung der Hochschulen, sagte Gaethgens im ARD-Fernsehen.

Die Studierenden haben am Mittwoch in Berlin mit einer Fahrraddemo ihre Proteste fortgesetzt. Rund 200 Teilnehmer starteten am Brandenburger Tor und wollten bis zur Humboldt-Universität fahren. Danach war eine Vollversammlung der Studierenden geplant.

Seit ungefähr drei Wochen streiken die Studierenden in Berlin gegen die Hochschulpolitik des rot-roten Senats. Danach sollen die drei Hochschulen bis 2009 auf Zuschüsse von 75 Millionen Euro verzichten und einen Konsolidierungsbeitrag des mit 50 Milliarden Euro verschuldeten Landes leisten.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

US-Rückzug aus UN-MenschenrechtsratFalsches Signal - aber konsequent

Der Sitzungssaal des UNO-Menschenrechtsrates in Genf

Mit dem US-Austritt aus dem Menschenrechtsrat geht der Bruch der USA mit der internationalen Gemeinschaft weiter, meint Torsten Teichmann - und sei leider konsequent. Denn es unterstreiche das fehlende Gespür für die entscheidende Rolle der USA in diesen Gremien.

Schiitischer Islam im IrakHeiligtümer, Trauer, Revolution

Schiitische Pilger beten im November 2017 in Kerbela (Irak) - Sie tragen ein Bild des Imam Hussein, eines Enkels Mohammeds, der im 7. Jahrhundert in Kerbela getötet wurde  (AFP / Haidar Mohammed Ali)

Jahrhundertelang wurden die Schiiten von der sunnitischen Mehrheit unterdrückt. Nun werden sie aktiver und erzielen Erfolge, zuletzt bei der Parlamentswahl im Irak. Wie sich die schiitische Welt wandelt, zeigt eine Reise zu ihren heiligen Stätten.

Digitaler NachlassWenn Tote auf Facebook sind

Ein Cursor zeigt auf einem Desktop auf das Feld "Privatsphäre-Einstellungen" in einem Pacebook-Account (imago / Kolvenbach )

In Deutschland stirbt alle drei Minuten ein Facebook-Nutzer ohne vorher entschieden zu haben, was aus dem Account werden soll. Im Sterbefall bekommen Hinterbliebene oft von Anbietern keinen Zugang zu den Profilen in sozialen Netzwerken. Über so einen Fall verhandelt jetzt der Bundesgerichtshof.

Studie zu Helikopter-Eltern Zu viel Fürsorge schadet Kindern

An einer Grundschule in Stuttgart laufen Schüler an einem Schild vorbei, das überfürsorgliche Eltern ermahnt, ihre Kinder alleine weitergehen zu lassen. (picture alliance / dpa / Inga Kjer)

Kinder brauchen die Erfahrung, sich selbst zu bewähren, sagt der Erziehungswissenschaftler Herbert Renz-Polster. Überfürsorgliche "Helikopter-Eltern" wollen ihren Kindern dieses Erlebnis ersparen - doch das könnte unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Mobile BankingWas taugen spezielle Smartphone-Girokonten?

Verschiedene Banking-Apps auf einem Smartphone.  (imago stock&people)

Überweisungen von unterwegs tätigen, im Ausland den Kontostand checken – das versprechen Anbieter mobiler Smartphone-Konten. Doch wer sich bei Bankgeschäften nur auf sein Handy verlässt, trägt auch zusätzliche Risiken.

Auditive Fake NewsWie Kennedy eine Rede nach seinem Tod hielt

US-Präsident John F. Kennedy bei einer Pressekonferenz in Washington am 1. März 1961 (dpa / picture alliance / Arnie Sachs)

Schottische Audio-Tüftler haben Ansprachen von John F. Kennedy in winzige Sound-Einheiten aufgeschlüsselt und neu kombiniert. Daraus entstehen Reden, die nie gehalten wurden. Erzeugt diese Technik künftig vermeintlich neue Quellen und Fake News?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Kommission zu Dublin-Regeln  Staaten brauchen mehr Zeit | mehr

Kulturnachrichten

Svante Pääbo erhält Körber-Preis für Europäische Wissenschaft | mehr

 

| mehr