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Stuttgart 21: Geißler schlägt Kombination von Tief- und Kopfbahnhof vor

Überraschender Vorschlag nach Vorstellung der Stresstest-Ergebnisse

Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler (links) bei der Präsentation der Stresstest-Ergebnisse. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)
Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler (links) bei der Präsentation der Stresstest-Ergebnisse. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Schlichter Heiner Geißler hat unerwartet ein Konzept "Frieden für Stuttgart" vorgelegt. Darin schlägt er vor, den Fernverkehr durch einen Tiefbahnhof zu leiten. Der bestehende Kopfbahnhof soll für den Nahverkehr erhalten bleiben.

Kurz bevor die Gegner von Stuttgart 21 die Präsentation im Stuttgarter Rathaus verlassen wollten, überraschte Geißler mit seinem neuen Vorschlag. Das Papier habe er gemeinsam mit dem Verkehrsberatungsbüro SMA erarbeitet, erklärte er.

"Wir müssen weiterreden"

Zuvor sagte Geißler an die Gegner von Stuttgart 21 gerichtet: "Konsens ist nicht möglich. Wir führen eine leicht verbiesterte Diskussion." Er regte an, eine gemeinsame Basis zu finden, die eine friedliche Lösung in Stuttgart herbeiführen könnte. "Denn auch eine Volksabstimmung wird zu Siegern und Besiegten führen", so Geißler weiter. Er rief die Gegner auf, den Vorschlag mit nach Hause zu nehmen und diesen zu diskutieren. Die Teilnehmer nutzten eine halbstündige Unterbrechung zur Beratung.

Gegner und Verkehrsminister reagieren positiv

Das Aktionsbündnis gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 akzeptierte den Kompromissvorschlag. Bündnis-Sprecherin Brigitte Dahlbender ergänzte jedoch, dass die Bahn sofort einen Bau- und Vergabestopp verfügen müsse.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte, Geißlers Vorschlag sei es wert, geprüft zu werden. "Wir werden diesen Kompromissvorschlag nicht einfach vom Tisch fegen", so Hermann weiter. Er schränkte aber ein, dass es noch zu verfrüht sei, schon eine konkrete Stellungnahme abzugeben. Er könne auch nicht für die Landesregierung als Ganzes sprechen.

Die CDU in Baden-Württemberg lehnte den Kompromiss ab. Das Konzept sei veraltet und schon früher verworfen worden, so ein Sprecher.

Kontroverse nach Bekanntgabe der Ergebnisse

Über mehrere Stunden waren zuvor die Ergebnisse des Belastungstests vorgestellt worden. Nach Lesart des Verkehrsberatungsbüros SMA hatte sich dabei gezeigt, dass im Vergleich zum bisherigen Kopfbahnhof rund 30 Prozent mehr Züge in der Hauptverkehrszeit abfertigt werden können. Das zweifeln die Gegner des Projekts nach wie vor an. Zudem monieren sie diverse Mängel und fordern einen weiteren Belastungstest mit strengeren Kriterien.

Die Bahn wies dies zurück. Am Nachmittag kündigte Technikvorstand Volker Kefer aber eine Fortsetzung der Simulation an. Dies sei jedoch kein zweiter Stresstest, betonte er.

Schlichter Heiner Geißler rügte die Bahn wegen der mangelnden Beteiligung der Bauprojekt-Gegner. Den Test der Schweizer Beraterfirma SMA als solchen nannte er aber über alle Zweifel erhaben.

Walter Sittler, Schauspieler und bekanntestes Gesicht der Stuttgart-21-Gegner, glaubt dagegen, dass die Simulation des Stresstests auf ein bestimmtes Ergebnis ausgerichtet wurde und zwar auf das "was man haben wollte". Die Kosten, sagte Sittler im Interview mit dem Deutschlandfunk, würden zudem "aus dem Ruder laufen".

Den Aktuellen Stand über die Diskussionen um das Bahnprojekt Stuttgart 21 entnehmen Sie bitte den Nachrichten.

Weitere Informationen zum Thema auf dradio.de:

Interview mit Walter Sittler: "Stuttgart ist im Moment einer der besten Bahnhöfe" (DLF)
Stuttgart 21 besteht Stresstest (DLF)
Stress mit dem Test - Streit um das Stuttgart-21-Gutachten (DLF)
Interview mit Tübingens grünem OB Boris Palmer: "Stuttgart 21 ist durchgefallen" (DKultur)
Interview: "Stresstestziel ist nicht realistisch" (DKultur)
Interview: Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann kritisiert Veröffentlichung des Stuttgart-21-Stresstests (DLF)
Kommentar: Stuttgart 21 nimmt die größte Hürde - ein schwerer Schlag ins Kontor für die Bahnhofsgegner (DLF)



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Verhärtete Fronten bei Stuttgart 21

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

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