Symbol für die systematische Tötung der Juden Europas

Vor 70 Jahren fand die Wannsee-Konferenz statt

Ständige Ausstellung im Erdgeschoss des "Hauses der Wannsee-Konferenz" in Berlin (picture alliance / dpa / Hubert Link)
Ständige Ausstellung im Erdgeschoss des "Hauses der Wannsee-Konferenz" in Berlin (picture alliance / dpa / Hubert Link)

Bundespräsident Christian Wulff hat zum 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz von einem "Ort deutscher Schande" gesprochen. 1942 legten die Nazis in den geheimen Wannsee-Protokollen den Völkermord an den Juden fest. In der Gedenkstätte findet heute eine Historikerkonferenz mit internationalen Teilnehmern statt.

Am 20. Januar 1942 kamen in Berliner Stadtteil Wannsee Spitzenbeamte der verschiedenen NS-Reichsministerien und SS in der Villa am Wannsee zusammen, um die organisierte Ermordung der Juden Europas zu verhandeln und beschließen.

Die Konferenz fand unter Leitung von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, statt. Das Ergebnis der später als Wannsee-Konferenz benannten Zusammenkunft wurde in den geheimen Wannsee-Protokollen niedergeschrieben und sah die Deportation aller europäischer Juden in den Osten vor sowie deren anschließende Ermordung vor.

Verschleierung durch Codewörter

Der Leiter der Gedenkstätte"Haus am Wannsee-Konferenz" Norbert Kampe, sagte im Deutschlandfunk, dass Heydrich die Konferenz initiiert habe, um die Zivilbehörden bewusst einzubinden. "Heydrich wollte nicht allein seinen Kopf hinhalten für dieses Mordprogramm und er wollte die Zivilbehörden festnageln."

In den Wannsee-Protokollen werden auch Codewörter verwenden, die den Holocaust nur umscheiben würden. Statt Ermordung werde so beispielsweise von Sonderbehandlung gesprochen. Die Protokolle, so Kampe, seien bewusst geheim gehalten worden, um bei der deutschen Bevölkerung kein Mitleid für die Juden aufkommen zu lassen.

Haus der Wannsee-Konferenz

Schlüsseldatum zur systematischen Ermordung

Der Holocaustforscher Peter Longerich sagte im Deutschlandradio Kultur, dass die Wannsee-Konferenz mit ihren Protokollen ein Fenster in die Prozesse von damals öffne. Jedoch glaubt er nicht, dass die alleinige Entscheidung für die von den Nazis geplante sogenannte Endlösung der Judenfrage am 20. Januar 1942 gefallen sei, sondern dass es einen langfristigen Entscheidungsprozess gegeben habe.

Der gleichen Auffassung ist auch Wolfgang Benz. Der Leiter des Ellwanger Zentrums für Antisemitismusforschung. sagte im Deutschlandfunk, dass der Judenmord bereits im Sommer 1941 beschlossen worden sei. Zum Zeitpunkt der Wannsee-Konferenz seien in Russland und Polen mindesten eine halbe Millionen Juden ermordet worden.

Benz bezeichnet den 20. Januar 1942 als ein "Schlüsseldatum und das Protokoll ist das Schlüsseldokument", dass es eine Absicht gegeben habe, systematisch alle Juden in Europa zu ermorden.

Ab heute findet in der Villa am Wannsee eine Historikerkonferenz mit internationalen Teilnehmern statt. Die Villa ist seit 20 Jahren eine Gedenkstätte.Neben einer ständigen Ausstellung über die Konferenz und den Völkermord an den europäischen Juden wird hier über die Vorgeschichte der nationalsozialistischen Verfolgung der Juden, über ihre Ausgrenzung, Entrechtung und Vertreibung zwischen 1933 und 1939 sowie über die durchgeführte Deportation, Ghettoisierung und Ermordung der europäischen Juden informiert.

Programmtipp:

22.01.2012 09:30 Uhr
Essay & Diskurs
"Ursachen und Motive des Antisemitismus"
Von der Wannseek-Konferenz zum Remer Prozess - Teil 2


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr