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Syrien erlaubt UNO-Untersuchung von Giftgasvorwürfen

Westen zunehmend überzeugt von Chemiewaffeneinsatz durch Regierung

Ein Team von UNO-Waffeninspekteuren bei ihrer Ankunft im Hotel in Damaskus. (picture alliance / dpa / EPA / STR)
Ein Team von UNO-Waffeninspekteuren bei ihrer Ankunft im Hotel in Damaskus. (picture alliance / dpa / EPA / STR)

Nach wachsendem internationalen Druck lenkt Damaskus ein: Ab Montag sollen UNO-Inspekteure den mutmaßlichen Giftgasangriff untersuchen dürfen. Ein Angebot, das aus Sicht der USA zu spät kommt. Russland warnt den Westen unterdessen vor einem militärischen Eingreifen in Syrien.

<p>Die syrische Regierung hat sich internationalen Forderungen nach einer Untersuchung des <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="258709" text="mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatzes nahe Damaskus" alternative_text="mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatzes nahe Damaskus" /> gebeugt. Nach Angaben des syrischen Außenministeriums habe man sich bei einem Besuch der UNO-Abrüstungsbeauftragten Angela Kane in Damaskus auf eine Untersuchung der Vorwürfe verständigt. Bereits am Montag sollen UNO-Waffenexperten ihre Arbeit in der Provinz Damaskus aufnehmen. Darüber hatte die deutsche Diplomatin Kane seit Samstag mit der syrischen Regierung verhandelt.<br /><br />Die syrische Opposition bezichtigt Regierungstruppen, am 21. August bei Angriffen mit Chemiewaffen mehr als tausend Menschen getötet zu haben. Die Regierung in Damaskus bestreitet dies. Im Staatsfernsehen wurde ein vermeintliches Labor Oppositioneller gezeigt, in dem Nervengift hergestellt worden sein soll, wie ARD-Korrespondent <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/08/25/dlf_20130825_1308_eeeef1a0.mp3" title="Korrespondent Frank Ludwig im Deutschlandfunk(MP3-Audio)">Frank Ludwig im Deutschlandfunk</a> berichtet. Informationsminister Zoabi erklärte, dass die syrische Regierung niemals Chemiewaffen eingesetzt habe oder einsetzen werde. Er bezeichnete dies als moralisch verwerflich.<br /><br /></p><p><strong>Zurückhaltung in Washington - Moskau warnt vor Intervention</strong></p><p><papaya:media src="57c87b2350ef087da5f7e81d4c003b71" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP)" popup="yes" />Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßte die Zusage der syrischen Regierung, den UNO-Inspekteuren Zugang zu gewähren. Dies sei eine wichtige Vereinbarung in einer dramatischen Lage. Zurückhaltender fielen die Reaktionen in Washington aus: Das Angebot aus Damaskus komme zu spät, um glaubwürdig zu sein, sagte ein Mitarbeiter der US-Regierung, wie <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/08/25/dlf_20130825_1821_8fe37f94.mp3" title="Korrespondentenbericht Ralph Sina, Deutschlandfunk (MP3-Audio)">DLF-Korrespondentin Bettina Klein aus Washington</a> berichtet.<br /><br />Der Sprecher des russischen Außenministeriums, Alexander Lukaschewitsch, begrüßte die Entscheidung der syrischen Regierung, den UNO-Inspekteuren die Prüfung der Giftgasvorwürfe zu erlauben. Er forderte die syrische Opposition auf, die Inspektion in der Region Ghuta nahe Damaskus nicht durch "militärische Provokationen" zu behindern. Zugleich warnte Lukaschewitsch die westlichen Regierungen vor einem militärischen Eingreifen im Syrien-Konflikt. Dies wäre ein "tragischer Fehler".<br /><br /></p><p><strong>Wachsende Gewissheit im Westen</strong></p><p><papaya:media src="2eb418dfcda1389fd56d06e513cec626" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="US-Präsident Barack Obama" popup="yes" />Die Berichte über den möglichen großflächigen Giftgasangriff hatten den Ruf nach einer härteren Gangart gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad lauter werden lassen. Nun mehren sich in westlichen Hauptstädten die Stimmen, die der Assad-Regierung die Verantwortung für den Giftgas-Einsatz geben. Hatten der britische Premierminister David Cameron und sein Außenminister William Hague bereits von "zunehmenden Hinweisen" gesprochen, gibt es für den französische Außenminister Laurent Fabius inzwischen "keine Zweifel" mehr an einem Giftgaseinsatz durch Regierungstruppen.<br /><br />In Washington ließ das Weiße Haus verlauten, über "mögliche Antworten der internationalen Gemeinschaft" werde nachgedacht. US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem britischen Premier Cameron und traf sich mit seinen führenden Sicherheitsberatern, <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/08/25/dlf_20130825_1306_10cbb018.mp3" title="Korrespondentenbericht Ralph Sina, Deutschlandfunk (MP3-Audio)">wie ARD-Korrespondent Ralph Sina berichtet.</a> US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte, die US-Streitkräfte seien bereit zum Eingreifen in Syrien. US-Medienberichten zufolge wurden vier Zerstörer im östlichen Mittelmeer zusammengezogen, die jeweils mit Marschflugkörpern als Hauptwaffen ausgestattet sind. <br /><br />Mit der Frage einer Militärinterventaion in Syrien befassen sich - nachzulesen in der <papaya:link href="/presseschau/" text="Deutschlandfunk Presseschau" title="Deutschlandfunk Presseschau" target="_self" />- auch die Kommentatoren der Tageszeitungen vom Montag. So befürchtet etwa die "Neue Osnabrücker Zeitung":<br /><br />&quot;Greift Obama jetzt ein, überreicht er Syrien der Al-Kaida auf dem Silbertablett. Unter den Aufständischen stellen die Islamisten die stärkste Gruppe. Deshalb hat der Westen einen Rebellensieg nie wirklich gewollt.&quot;<br /><br /></p><p><strong>Ärzte ohne Grenzen: Klare Hinweise auf Nervengaseinsatz</strong></p><p>Auch die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" geht davon aus, dass <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="259079" text="in der Nähe von Damaskus Giftgas eingesetzt wurde" alternative_text="in der Nähe von Damaskus Giftgas eingesetzt wurde" />. Sie beruft sich auf Informationen aus Krankenhäusern in der Region, mit denen sie kooperiert. Demnach seien 3.600 Patienten mit Vergiftungen behandelt worden, die nahelegten, dass sie Nervengift ausgesetzt gewesen seien.<br /><br /><br /><em>Mehr zum Thema auf <strong>dradio.de:</em></strong><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="259079" text="Ärzte ohne Grenzen: Tausende Syrer vergiftet" alternative_text="Ärzte ohne Grenzen: Tausende Syrer vergiftet" /> - Hilfsorganisation berichtet von mehr als 350 Toten<br /><a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/08/24/drk_20130824_0833_88f40bd0.mp3" title="US-Wende in der Syrienpolitik? (MP3-Audio)">US-Wende in der Syrienpolitik?</a> - Korrespondentin Sabrina Fritz in Deutschlandradio Kultur<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="258884" text="UNO fordert Aufklärung über Giftgaseinsatz in Syrien" alternative_text="UNO fordert Aufklärung über Giftgaseinsatz in Syrien" /> - Regime weist Vorwürfe zurück<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="258922" text="&quot;Man behandelt Syrien wie ein Problem aus der Hölle&quot;" alternative_text="&quot;Man behandelt Syrien wie ein Problem aus der Hölle&quot;" /><br />Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz wirft dem Westen Untätigkeit im Syrien-Konflikt vor<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="258887" text="Frankreich erwägt militärisches Vorgehen gegen Syrien" alternative_text="Frankreich erwägt militärisches Vorgehen gegen Syrien" /><br />UNO verlangt Aufklärung über angeblichen Giftgaseinsatz<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="244891" text="Obama bleibt zurückhaltend" alternative_text="Obama bleibt zurückhaltend" /> - Einsatz von Chemiewaffen in Syrien überschreitet "rote Linie"</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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