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Syrien-Konflikt: Raketen gehen über Libanon nieder

Rotes Kreuz will Notzugang zu Verletzten in Kusseir

UNO-Blauhelmsoldaten auf den von Israel annektierten Golan-Höhen, von wo aus man in den Libanon blicken kann. (picture alliance / dpa / Abaca Abd Rabbo Ammar)
UNO-Blauhelmsoldaten auf den von Israel annektierten Golan-Höhen, von wo aus man in den Libanon blicken kann. (picture alliance / dpa / Abaca Abd Rabbo Ammar)

Der Libanon meldet erneut Raketenbeschuss aus Syrien. Im Osten des Landes seien mindestens 20 Geschosse eingeschlagen, hieß es aus Sicherheitskreisen in Beirut. Diese Angriffe häufen sich, seit bekannt wurde, dass die Hisbollah an der Seite des Assad-Regimes kämpft.

Offiziell steht der Libanon neutral zum Bürgerkrieg in Syrien. Mitglieder der libanesischen radikalislamischen Hisbollah haben sich allerdings mit den Regierungstruppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad solidarisiert. Sunnitische Ortschaften im Libanon wiederum schicken Freiwillige zur Unterstützung der Aufständischen nach Syrien, berichtet ARD-Korrespondent Björn Blaschke im Deutschlandfunk.

Der Landstrich, in dem am Samstag die Raketen einschlugen, gilt als Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz. In den vergangenen Wochen hatten syrische Rebellen schon Dutzende Raketen über die Grenze in die nordostlibanesische Region Hermel geschossen.

Weiter Kämpfe in Kusseir

Ein syrischer Soldat in der umkämpften Stadt Kusseir (picture alliance / dpa Foto: Sana Handout)Ein syrischer Soldat in der umkämpften Stadt Kusseir (picture alliance / dpa Foto: Sana Handout)Das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte berichtetet unterdessen von neuen Zusammenstößen in der umkämpften syrischen Stadt Kusseir. Dabei sei mindestens ein Aufständischer getötet worden. Auch in der etwa 50 Kilometer nördlich gelegenen Stadt Rastan kam es demnach zu Kämpfen.

Nach Angaben von Helfern ist die humanitäre Lage in Kusseir katastrophal: Hunderte Schwerverletzte sollen ohne medizinische Versorgung im Kampfgebiet eingekesselt sein. Unterdessen forderte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) alle Seiten dazu auf, Nothelfern Zutritt zu der Kleinstadt zu gewähren. Wie es in einer am Sonntag publizierten Stellungnahme des IKRK aus Genf heißt, stünden dazu Freiwillige des Syrischen Roten Halbmondes bereit.

Die Regierung drängt vehement auf die Rückeroberung von Kusseir, um einen Korridor zwischen der Hauptstadt Damaskus und der Mittelmeerküste offen zu halten. Für die Rebellen wiederum ist die Stadt von zentraler Bedeutung, um eine zehn Kilometer entfernte Versorgungsroute in den Libanon zu schützen.

Ban Ki Moon fordert Schutz für Zivilisten in Kusseir

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (dpa / picture alliance / Sandro Campardo)UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (dpa / picture alliance / Sandro Campardo)UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Kriegsparteien in Syrien am Samstag dazu aufgerufen, die Zivilisten in der umkämpften Stadt Kusseir zu schützen. Sein Sprecher erklärte, auch die syrische Regierung trage dort, wo sie die Kontrolle habe, Verantwortung für die Menschen. Alle Bürger, die in Kusseir eingeschlossen seien, müssten die Möglichkeit erhalten, die Stadt zu verlassen.

Weitere Hilfsgelder aus Berlin

Derweil stellt Deutschland nach den Worten von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) weitere sieben Millionen Euro für die syrische Zivilbevölkerung bereit. Niebel sagte der "Welt am Sonntag", damit solle unter anderem syrischen Kindern in Kooperation mit der Welthungerhilfe der Schulbesuch ermöglicht werden. Bisher hat die Bundesregierung nach Angaben des Entwicklungsministeriums 132 Millionen Euro eingesetzt.

Deutsche gegen Waffenhilfe für syrische Rebellen

Nach Auslaufen des EU-Embargos warnte Niebel vor Waffenlieferungen nach Syrien. «In der syrischen Opposition herrscht eine unübersichtliche Gemengelage. Ein Gegner des Assad-Regimes ist noch lange kein Freund einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung», betonte er.

Annähernd acht von zehn Deutschen lehnen eine Bewaffnung syrischer Rebellen durch den Westen ab. In einer Umfrage des Instituts TNS-Emnid wandten sich 78 Prozent gegen Waffenlieferungen, berichtet das Magazin «Focus» in seiner neuen Ausgabe.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr