Syrien: Mindestens 100 Tote nach neuen Angriffen

Frankreichs Außenminister Fabius verurteilt Vorgehen der syrischen Armee als Massaker

Mit Panzern und Mörsern sollen die Regierungstruppen vorgegangen sein (AP/dapd)
Mit Panzern und Mörsern sollen die Regierungstruppen vorgegangen sein (AP/dapd)

Trotz der UN-Beobachter im Land gehen in Syrien die Regierungstruppen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten weiter mit aller Härte gegen Zivilisten vor. Bei Angriffen auf die Stadt Hula wurden demnach mindestens 100 Menschen getötet. UN-Sondervermittler Kofi Annan will erneut nach Syrien reisen.

Unter den Opfern der jüngsten Angriffe seien viele Kinder, hieß es vom in Großbritannien ansässigen Syrischen Observatorium für Menschenrechte. Mit Panzern, Mörsern und schweren Maschinengewehren hätten die Regierungssoldaten in der Provinz Homs das Gebiet Hula beschossen. Die Aktivisten sprachen von einem "regelrechten Massaker": ganze Familien seien durch syrische Truppen getötet worden. Es habe eine Massenflucht von Überlebenden aus Hula ins Landesinnere eingesetzt. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf den in der benachbarten Stadt Homs stationierten UN-Beobachtern Untätigkeit vor. Diese hätten trotz stundenlanger Angriffe nicht reagiert. Eine Bestätigung der Zahl der Todesopfer war zunächst nicht möglich - die syrische Führung hat die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen.

Eine Abordnung der UN-Beobachtermission ist inzwischen in Hula eingetroffen. Die UN-Beobachter erreichten nach Angaben der Beobachtungsstelle das Dorf Taldau am Stadtrand, um "die in den vergangenen 24 Stunden im Verstoß gegen die Waffenruhe begangenen Verbrechen zu dokumentieren". Es seien immer noch Explosionen und Schüsse zu hören. Dem Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, zufolge weigerten sich die UN-Mitarbeiter angesichts der Lage, vor Ort zu bleiben. Der oppositionelle Syrische Nationalrat forderte den UN-Sicherheitsrat auf, angesichts der neuen Gewalt in Hula eine Dringlichkeitssitzung anzusetzen.

Der französische Außenminister Laurent Fabius hat das Vorgehen der syrischen Regierungstruppen inzwischen aufs Schärfste verurteilt. Fabius erklärte in Paris, angesichts dieses Grauens müsse sich die internationale Gemeinschaft stärker engagieren. Das Martyrium des syrischen Volkes müsse ein Ende haben. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle teilte mit, er sei "entsetzt und erschüttert" über die jüngste Welle der Gewalt.

Annan bricht erneut nach Syrien auf

Der Sonderbeauftragte der UNO und der Arabischen Liga für Syrien, Kofi Annan, trifft in Damaskus ein (picture alliance / dpa / str)Der Sonderbeauftragte der UNO und der Arabischen Liga für Syrien, Kofi Annan (picture alliance / dpa / str)UN-Sondervermittler Kofi Annan wird nach Angaben der Vereinten Nationen demnächst wieder nach Syrien aufbrechen. Er wolle direkte Gespräche mit den Behörden des Regimes führen, sagte UN-Sprecher Martin Nesirky in New York. Annan werde auch mit der Opposition reden. Zudem wolle der frühere UN-Generalsekretär mit den Anrainerstaaten über die Krise sprechen. Im April waren UN-Beobachter als Teil des Annan-Friedensplanes nach Syrien geschickt worden. Sie sollen eine Waffenruhe überwachen, die bisher nur auf dem Papier existiert. "Es ist nun Zeit, dass sich der Sondervermittler persönlich in die Gespräche mit Regierung und Opposition einschaltet", sagte UN-Sprecher Nesirky. Wann Annan aufbricht und welche Länder er bereist, wollte Nesirky aus Sicherheitsgründen nicht sagen.

Am Freitag war die syrische Armee den Angaben zufolge erstmals seit Beginn der landesweiten Massenproteste vor mehr als einem Jahr mit Panzern in die zweitgrößte Stadt Aleppo ein. Die Panzer seien durch zwei Stadtteile gerollt, in denen gerade Tausende Menschen an Trauerzügen teilgenommen hätten. In der Stadt habe es zudem mehrere Großdemonstrationen gegen Staatschef Baschar al-Assad gegeben, bei denen mindestens ein Demonstrant getötet worden sei.

Ban zieht schlechte Bilanz

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)In New York präsentierte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unterdessen dem Sicherheitsrat einen neuen Bericht zur Lage in Syrien. In dem Land herrsche insgesamt "eine Atmosphäre der Anspannung, des Misstrauens und der Angst", zitiert die Nachrichtenagentur AFP daraus. Die Bemühungen der UN um ein Ende des Konflikts hätten bisher nur kleine Fortschritte gezeigt. Die anhaltende Krise sei geprägt von "Gewalt, sich verschlechternden humanitären Bedingungen, Menschenrechtsverletzungen und anhaltender politischer Konfrontation". Auch die Oppositionellen verschärften demnach ihre Einsätze. Die UN-Beobachter hätten von "erheblichen Zerstörungen" in zahlreichen Städten berichtet.

In dem seit März 2011 dauernden Aufstand gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen getötet worden.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr