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Syrien: UNO-Sicherheitsrat tagt wegen angeblichem Giftgas-Einsatz

Erneut sollen zahlreiche Menschen getötet worden sein

Bilder nach dem Angriff der syrischen Armee, bei dem angeblich auch Giftgas eingesetzt wurde (picture alliance / dpa)
Bilder nach dem Angriff der syrischen Armee, bei dem angeblich auch Giftgas eingesetzt wurde (picture alliance / dpa)

In New York befasst sich der UNO-Sicherheitsrat zur Stunde mit Berichten über einen angeblichen Einsatz von Giftgas in Syrien. Laut syrischer Opposition soll die Regierungsarmee bei ihrer derzeitigen Offensive nahe Damaskus hunderte Zivilisten mit chemischen Waffen getötet haben.

Die Sondersitzung des Sicherheitsrats war unter anderen von den USA, Großbritannien und Frankreich beantragt worden. Zuvor hatten die EU und die USA die Vereinten Nationen aufgefordert, die von der syrischen Opposition erhobenen Vorwürfe gegen die Führung in Damaskus zu überprüfen. Den Chemiewaffen-Experten der UNO, die sich bereits im Land befänden, müsse dazu voller Zugang zu allen Gebieten gewährt werden, hieß es in Brüssel und Washington.

Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich die Fachleute bereits in Gesprächen mit der Führung in Damaskus.

Bilder von toten Kindern im Internet

Die Nachrichtenlage über den angeblichen Giftgaseinsatz ist weiterhin unklar. Korrespondent Carsten Vick berichtete im Deutschlandfunk von einem Krankenhaus in einem Vorort von Damaskus, in dem Dutzende von Menschen auf dem Boden liegen, teils reglos, teils mit künstlicher Beatmung, teils mit schweren Atemproblemen, darunter viele Kinder.

Von weit über 400 Toten durch den Einsatz von Chemiewaffen spricht dieSyrische Nationale Koalition, die größte Rebellenorganisation, auf ihrer Facebook-Seite. Auf Youtube und in den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos und Fotos.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in London sitzt, ist sehr viel zurückhaltender. Sie berichtete zunächst nur über Angriffe der Armee im Umland von Damaskus mit Kampfflugzeugen und Raketen. Dabei seien mindestens 100 Menschen getötet worden. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten in und außerhalb Syriens und gilt als verhältnismäßig zuverlässig.

Russland spricht von gegnerischer "Provokation"

Wie Deutschlandradio-Korrespondent Björn Blaschke aus Kairo berichtet, hat das syrische Militär eingeräumt, dass im Umland von Damaskus eine Offensive stattfindet. Den Einsatz von Giftgas bestreitet die Armee aber. Im Staatsfernsehen bezeichnete Informationsminister Omran Zoabi die Vorwürfe als unlogisch und erfunden.

Russland, ein enger Partner der syrischen Regierung, bezeichnete die Berichte als "Provokation". Die "voreingenommenen" örtlichen Medien hätten wie auf Knopfdruck eine aggressive Informationskampagne gegen das Regime begonnen, teilte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau mit. Die russische Regierung fordere eine unabhängige Untersuchung.

Immer wieder haben sich Militär und Opposition in Syrien gegenseitig den Einsatz von Chemiewaffen vorgeworfen. Um genau diesen Vorwürfen nachzugehen, befindet sich derzeit ein Team von Waffeninspekteuren der Vereinten Nationen im Land. Sie sollen vor allem dem Verdacht nachgehen, ob in der Kleinstadt Chan al-Assal in der Vergangenheit das Nervengift Sarin eingesetzt wurde.

Europäische Regierungen fordern neue Waffeninspektionen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) spricht in Luxemburg nach einem Treffen der EU-Außenminister. (picture alliance / dpa / Thierry Monasse)Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat eine Ausweitung der Waffeninspektionen gefordert (picture alliance / dpa / Thierry Monasse)Die Inspekteure müssten angesichts der neuen Vorwürfe uneingeschränkten Zugang zu allen Gebieten erhalten, forderte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Auch die französische und britische Regierung sowie der Chef der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, haben einen solchen Einsatz verlangt.

Die Regierung von Saudi Arabien forderte in Riad, der Sicherheitsrat müsse eine "klare Resolution" verabschieden und seiner Verantwortung endlich gerecht werden. Saudi-Arabien gehört zu den wichtigsten Unterstützern der syrischen Opposition.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr