Syriens Oppositionelle suchen Vorsitzenden

Präsident Assad: Werde nicht weichen

Ikhlas Ahmad Badawi, eine der Teilnehmerinnen der Konferenz des Syrischen Nationalrats (picture alliance / dpa)
Ikhlas Ahmad Badawi, eine der Teilnehmerinnen der Konferenz des Syrischen Nationalrats (picture alliance / dpa)

Der zerstrittene oppositionelle Syrische Nationalrat gibt sich bei seiner Tagung in Katar eine neue Führungsstruktur. Syriens Präsident Baschar al-Assad lässt das kalt: Er will "in Syrien leben und sterben".

Zu zerstritten - dieses Urteil über den oppositionellen Syrischen Nationalrat (SNC) haben bereits einige westliche Diplomaten gefällt. Allen voran US-Außenministerin Hillary Clinton, die vergangene Woche erklärte, der im Ausland gegründete SNC könne "nicht mehr als sichtbarer Anführer der Opposition betrachtet werden." Es gehe nicht an, dass die Opposition von Leuten vertreten werde, die teilweise seit 20, 30 oder 40 Jahren keinen syrischen Boden mehr betreten hätten. Auch jüngere Regimekämpfer wie die Frontkämpfer im Bürgerkrieg brauchten eine Stimme am Verhandlungstisch, wenn es um eine neue Regierung für Syrien gehe. Frankreich ging ebenfalls auf Distanz zum SNC.

Auf ihrer Tagung im Golfemirat Katar formiert sich die gescholtene Organisation derzeit neu. Die Wahl eines neuen Vorsitzenden wurde während der rund 420 Teilnehmer starken Konferenz mehrmals verschoben und ist jetzt für den heutigen Freitag geplant. In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Streit um die Vormachtstellung im SNC gegeben. Zur neuen Führungsspitze werden offenbar auch Islamisten gehören, ethnische Minderheiten wie Kurden - und, Aktivisten zufolge, zwei Frauen, die nach massiver Kritik an der Dominanz der Männer in das 40-köpfige neue Generalsekretariat des SNC einzogen, berichtete Deutschlandradio Kultur-Korrespondentin Kristin Helberg.

Die exakte Zusammensetzung des Gremiums wurde noch nicht bekannt. Das Treffen findet hinter verschlossenen Türen statt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf die Verhandlungskreise, Katars Premierminister habe die Teilnehmer der Sitzung zur Einheit aufgerufen. Hamad bin Jassim Al Thani wird mit den Worten zitiert: "Bewegen Sie sich! Gehen Sie einen Schritt voran, um die Anerkennung der internationalen Gemeinschaft zu bekommen."

Baschar al-Assad (picture alliance / dpa / SANA)Syriens Präsident Baschar al-Assad (picture alliance / dpa / SANA)

Assad lehnt Gang ins Exil ab

Syriens Präsident Baschar al-Assad machte unterdessen deutlich, dass er nicht vorhabe, das Land zu verlassen. Im Gespräch mit dem Sender "Russia Today" sagte Assad gestern, er sei Syrer und keine Marionette des Westens: "Ich muss in Syrien leben und sterben." Zugleich warnte Assad vor einem ausländischen Militäreingriff. Eine Intervention könnte "verheerende Folgen" für den Nahen Osten und darüber hinaus haben.

Bei Gefechten nahe der türkischen Grenze kamen gestern mindestens 26 Menschen ums Leben, wie Menschenrechtler berichten. Im ganzen Land, insbesondere rund um Damaskus, habe die Luftwaffe Angriffe geflogen. Das Rote Kreuz sieht sich der Lage in Syrien nicht länger gewachsen. Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer, sagte in Genf, die Situation der Bevölkerung habe sich dramatisch verschlechtert. In vielen Landesteilen seien keine Hilfeleistungen mehr möglich.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr