Syriens Standby-Premier

Oppositionsvertreter wählen den Ex-Manager Hitto zum Übergangs-Regierungschef

Ghassan Hitto, provisorischer Premierminister der Nationalen Syrischen Koalition, in seinem Bewerbungsvideo für den Posten (YouTube / http://youtu.be/g-5l5optf2A)
Ghassan Hitto, provisorischer Premierminister der Nationalen Syrischen Koalition, in seinem Bewerbungsvideo für den Posten (YouTube / http://youtu.be/g-5l5optf2A)

Die syrische Opposition hat eine wichtige Personalentscheidung getroffen: Der frühere Geschäftsmann Ghassan Hitto ist von der Nationalkoalition zum provisorischen Premierminister gewählt worden. Er kann nun eine Regierung für die Landesteile bilden, die von den Rebellen kontrolliert werden.

"Ich möchte meinen großen Dank an die Helden und Revolutionäre des syrischen Volkes richten. Wir sind mit euch!", erklärte Hitto nach seiner Ernennung. Er werde "bald" das Programm seiner Regierung bekanntgeben. Auf Hitto entfielen 35 von 49 abgegebenen Stimmen der Nationalen Syrischen Koalition, die sich in Istanbul getroffen hatte. Die Debatte hatte 14 Stunden gedauert.

Der frischgekürte Übergangspremier hatte bis zum vergangenen Jahr als Manager einer texanischen Telekommunikationsfirma gearbeitet. Hitto wurde 1964 in Damaskus geboren, verbrachte aber einen großen Teil seines Lebens in den USA. Dort studierte er Mathematik und Informatik.

Im November 2012 legte Hitto eine Auszeit von seinem Beruf ein, um "die Reihen der Revolution zu verstärken", wie er es ausdrückte - er trat der oppositionellen Nationalkoalition bei und kümmerte sich um deren Abteilung für humanitäre Hilfe. Schon von Texas aus hatte er Kapital zur Unterstützung des Aufstandes gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad gesammelt, zudem organisierte er Benefizveranstaltungen zugunsten syrischer Kinder.

Lob und Boykott

Manche Teilnehmer der Istanbuler Konferenz beschrieben Hitto als einen Konsenskandidaten, dem sowohl islamistische als auch liberale Oppositionelle ihre Stimme gegeben hätten. Louay Safi erklärte beispielsweise: "Hitto hat die Fähigkeiten, die man von einem parteilosen Fachmann erwartet – aber er hat auch ein Gespür für Politik und kann sehr gut verhandeln. Er wäre ein guter Vertreter gegenüber der internationalen Gemeinschaft."

Andere altgediente Mitglieder der Opposition hatten die Wahl dagegen boykottiert. Sie sprachen von einer voreiligen und durch den Westen beeinflussten Entscheidung. Rund 20 der ursprünglich anwesenden 70 Koalitionäre nahmen nicht an der Abstimmung teil. Hittos aussichtsreichster Gegenkandidat, der frühere Landwirtschaftsminister Assaad Mustafa, bekam sieben Stimmen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr