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Tausende Tote nach Taifun "Haiyan"

Philippinische Stadt Tacloban fast komplett zerstört

Spuren der Verwüstung nach dem Taifun "Haiyan" auf den Philippinen (picture alliance / dpa / Francis R. Malasig)
Spuren der Verwüstung nach dem Taifun "Haiyan" auf den Philippinen (picture alliance / dpa / Francis R. Malasig)

Der Taifun "Haiyan" hat auf den Philippinen eine Naturkatastrophe ausgelöst. Die Behörden rechnen mit mehr als 10.000 Toten. Fast 800.000 Menschen mussten wegen des Sturms ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

<p>Er erreichte Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde und gilt als einer der schwersten <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="268461" text="Taifune" alternative_text="Taifune" /> seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Der Wirbelsturm "Haiyan" fegte am vergangenen Freitag über sechs zentrale Inseln der Philippinen - und erst jetzt wird das ganze Ausmaß langsam bekannt. Neben Hunger, Verzweiflung und Gewalt gibt es zunehmend Plünderer. Zerstörte Flughäfen, Häfen und Straßen erschwerten die einsetzende Hilfe.<br /><br />Der UN-Chefkoordinator für Katastrophen-Einsätze, Sebastian Rhodes Stampa, sagte, er fühle sich an die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 erinnert. "Es handelt sich um ein enormes Ausmaß an Zerstörung." Eine Sturmflut spülte riesige Frachtschiffe hunderte Meter weit ins Land. Das Hochwasser riss alles mit: Hütten, Container, Ölkanister, Autos, Dächer, Häuserwände.<br /><br />Allein auf der Insel Leyte seien rund 10.000 Toten gezählt worden, sagte der örtliche Polizeichef. Die meisten seien ertrunken oder durch eingestürzte Gebäude erschlagen worden. Rund 70 bis 80 Prozent der Infrastruktur seien hier zerstört. Hohe Wellen hätten ganze Küstenorte weggeschwemmt. Der Stadtverwalter von Tacloban sagte, allein in der Stadt könnte die Zahl der Toten auf 10.000 anwachsen. Tacloban liegt an der Küste und ist die Hauptstadt der Provinz Leyte. "Verzweifelt nicht, die Hilfe ist auf dem Weg", beschwor Präsident Benigno Aquino seine Landsleute bei einem Besuch in Tacloban.<br /><br /></p><p><strong>"Wie nach einem Tsunami"</strong></p><p><papaya:media src="9791a3a17a11bd373294118741a7f90c" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Der Taifun auf den Philippinen zerstörte dieses Haus in Roxas" popup="yes" />Falls die Zahl der Toten bestätigt wird, wäre dies die schlimmste Naturkatastrophe auf den Philippinen. Nach Angaben der Regierung brauchen 9,5 Millionen Menschen Hilfe. Innenminister Manuel Roxas sagte, eine groß angelegte Rettungsaktion sei auf dem Weg gebracht. "Von der Küste bis zu einem Kilometer weit ins Landesinnere steht so gut wie nichts mehr. Es ist wie nach einem Tsunami."<br /><br />Den Menschen fehle es an Trinkwasser, Nahrung, Medizin und Unterkünfte, berichtet <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/11/10/dlf_20131110_1308_0c4294d7.mp3" title="Interview mit Dirk Bathe, World Vision International, im Deutschlandfunk (MP3-Audio)">Dirk Bathe von der Hilfsorganisation World Vision im Deutschlandfunk</a>. Die Organisation sammle derzeit Informationen über das, was momentan am dringendsten benötigt werde. Am Morgen sei ein Flugzeug aus Deutschland mit Decken, Zelten und medizinischem Gerät in die Region gestartet.<br /><br />Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich von den schlimmen Folgen des Taifuns auf den Philippinen "sehr betroffen" und sprach seinem südostasiatischen Amtskollegen sein Beileid aus. "Mit außerordentlicher Bestürzung habe ich von den Tausenden von Toten und den unzähligen Verletzten erfahren", schrieb Gauck dem philippinischen Präsidenten Benigno Aquino. "Ich möchte Ihnen und Ihrem Volk, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen."<br /><br /></p><p><strong>Internationale Hilfe kommt in Gang</strong></p><p>Das Welternährungsprogramm teilte unterdessen in Genf mit, ein Vorausteam sei zur Einschätzung der Lage nach Tacloban entsandt worden. Zudem werde der Transport von 40 Tonnen Lebensmittel vorbereitet, die 120.000 Menschen einen Tag lang ernähren könnten. Die EU-Kommission gab drei Millionen Euro für Nothilfe für die am meisten betroffenen Regionen frei. Dabei sei eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden geplant, teilte die EU-Behörde mit. Der scheidende Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) kündigte 500.000 Euro Soforthilfe an. Das US-Verteidigungsministerium kam nach einem Hilfegesuch der philippinischen Regierung nach und ordnete die Entsendung von Soldaten zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen an. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon versprach schnelle Hilfe.<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" data-partner="tweetdeck"><p>.<a href="https:twitter.com/EU_Commission">@EU_Commission</a> releases emergency funds to help victims of tropical cyclone <a href="https:twitter.com/search?q=%23Haiyan&src=hash">#Haiyan</a> <a href="https:twitter.com/search?q=%23yolanda&src=hash">#yolanda</a> <a href="https:twitter.com/search?q=%23philippines&src=hash">#philippines</a> <a href="http://t.co/1r5uDw8d8o">http://t.co/1r5uDw8d8o</a></p>— European Commission (@EU_Commission) <a href="https:twitter.com/EU_Commission/statuses/399511960594948096">November 10, 2013</a></blockquote><script async src="https:platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br /></p><p><strong>Vietnam in Alarmbereitschaft</strong></p><p>Unterdessen bereitete sich Vietnam auf den Taifun vor. Die vietnamesischen Behörden hatten 600.000 Menschen in Sicherheit gebracht. 450.000 Soldaten sind in Alarmbereitschaft versetzt worden. Doch "Haiyan" hat sich nach Angaben von Meteorologen auf dem Weg über das Südchinesische Meer abgeschwächt. Das Tiefdruckgebiet drehte zudem Richtung Norden ab und bewegt sich inzwischen auf die Provinz Thanh Hoa rund 170 Kilometer südlich von Hanoi zu. Der Taifun soll nach jüngsten Berechnungen Montagmorgen die vietnamesische Küste erreichen, einen Tag später als ursprünglich angenommen.</p>


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Letzte Änderung: 11.11.2013 23:12 Uhr