Testen, was Schüler können

Die Pisa-Studie 2009 wird vorgestellt

Von Jürgen König

In Mathematik und den Naturwissenschaften haben sich die Leistungen verbessert. (AP)
In Mathematik und den Naturwissenschaften haben sich die Leistungen verbessert. (AP)

Heute wird die neue Pisa-Studie vorgestellt, und wenn es stimmt, was in den Zeitungen zu lesen, im Radio schon zu hören war, dann hat Deutschland aus dem Pisa-Schock 2001 etwas gelernt.

Seit der Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie habe sich in Deutschland "enorm viel getan", gab der internationale Koordinator der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, schon vorab zu erkennen, sprach – laut "Süddeutscher Zeitung" von "Riesenfortschritten". Zum Spitzenfeld gehöre Deutschland zwar noch nicht, aber immerhin: In den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften hätten die Jugendlichen "besonders gut" abgeschnitten, die Lesekompetenz sei "zufriedenstellend" – diese meldeten u.a. auch dpa, der Focus, der Spiegel, die FAZ.

"Es gibt aber keinen Grund zum Jubeln", sagt Bildungspolitikerin Ulla Burchardt über Deutschlands Abschneiden bei Pisa.

Bei aller Vorfreude über die guten Meldungen darf allerdings eines nicht vergessen werden: sie basieren nicht auf offiziellen Zahlen. Von "Ratespielen" sprach der deutsche PISA-Forscher Eckhard Klieme im Deutschlandfunk.

"Als Laie habe ich den Eindruck, dass dort ein Konkurrenzkampf unter Journalisten stattfindet, den ich als Bürger problematisch finde ... diese Art von Wettbewerb, ansonsten gibt es sicherlich immer wieder mal politische Interessen, dass irgendwer sich hervortun will mit einer tendenziösen Mitteilung. Warten wir es ab, was die Daten wirklich bringen und dann können wir in der Sache diskutieren."

Und Eckart Klieme wies auch darauf hin, dass die Vorabveröffentlichung von Ergebnissen in Deutschland ohnehin jedem, also auch ihm - verboten sei.

"Ich darf es nicht tun, denn wenn wieder einmal in Deutschland vorab Ergebnisse bekannt würden, dann würde Deutschland beim nächsten Mal vom Zugang zu den Daten abgeschnitten, und das möchte ich nicht: diese Schmach sozusagen, dass Deutschland das einzige Land ist weltweit, dass keinen Zugang zu den Daten hat, sollten wir nicht auf uns sitzen lassen, sollten wir nicht riskieren; ich glaube, wir brauchen die Pisa-Daten, weil sie zur Aufklärung beitragen über einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft."

Fast eine halbe Million Jugendliche aus 65 Ländern, alle im Alter von 15 Jahren, nahmen an dieser vierten Pisa-Studie teil. Aus Deutschland wurden 4970 – nach dem Zufallsprinzip ausgewählte - Schüler aus 223 Schulen befragt. Einen innerdeutschen Ländervergleich sieht diese Pisa-Studie nicht vor – Deutschland wird im weltweiten Vergleich gemessen.

Eine international besetze Forschergruppe aus etwa 300 Wissenschaftlern hatte die Aufgaben erarbeitet: Getestet wurde, was die Schüler können. "Lebensnahe Aufgaben" hatten sie zu lösen: Mit den Pisa-Instrumentarien wurden also nicht nur die Leistungen der Schüler untersucht, sondern auch ihre Motivation, die Lernmethoden, die Unterstützung durch die Lehrer sowie der familiäre und soziale Hintergrund der Schüler.

Ein besseres Ergebnis muss deshalb nicht zwingend nur auf bessere Schulen zurückzuführen sein. Die Studie kann auch Einblicke in die soziale Wirklichkeit Deutschlands geben, kann zeigen, ob sich am Grundproblem deutscher Bildungspolitik etwas geändert hat: Dass nämlich - bisher - in kaum einem Industrieland die Abhängigkeit von Herkunft und Bildungserfolg - so groß war wie bei uns.

Ausblick in andere Länder:

In Dänemark galten bisher große Freiheitenbei der Gestaltung des Unterrichts. Jetzt kommt mehr Staat ins Klassenzimmer.

Obwohl Finnland zu den Pisa-Meistern zählt, klagt der finnische Direktor des Zentralamts für Unterrichtswesen, Timo Lankinen, über Bildungsprobleme.

Japan setzt trotz des guten Abschneidens nach der letzten Pisa-Studie auf mehr Unterrichtsstunden und Lehrpersonal.

Programmhinweis:
Im "Radiofeuilleton" von Deutschlandradio Kultur wird der Bildungsforscher Eckhard Klieme heute gegen 14.07 Uhr die Ergebnisse der Studie analysieren.

PISA-Website der OECD

PISA-Bildungstests im Überblick
Bildungsforschung seit PISA 2000
Stöhnen über PISA - Vor der Veröffentlichung der neuen Bildungsstudie



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Stöhnen über PISA

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr