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Thailand: Friedensgespräche mit muslimischen Rebellen

Anschlag überschattet Verhandlungen

Paradorn Pattanathabutr (links) mit Aziz Benhawan vom Rat für Frieden in den südlichen Provinzen (picture alliance / dpa / EPA / Ahmad Yusni)
Paradorn Pattanathabutr (links) mit Aziz Benhawan vom Rat für Frieden in den südlichen Provinzen (picture alliance / dpa / EPA / Ahmad Yusni)

In den vergangenen neun Jahren kamen im Süden Thailands Tausende Menschen im Separatistenkrieg um. Nun setzen sich Regierung und muslimische Rebellen erstmals offiziell an den Verhandlungstisch. Doch es gibt Zweifel an den Chancen der Gespräche. Ein blutiger Bombenanschlag überschattet die Verhandlungen.

"Wir wollen Vertrauen und gute Beziehungen aufbauen", sagte der Chef des thailändischen Nationalen Sicherheitsrates, Paradorn Pattannathabutr, zum Auftakt der Gespräche zwischen der Regierung und muslimischen Separatisten der BRN. "Wir wollen die Gewalt reduzieren." Rebellenvertreter, die im Süden des Landes für mehr Autonomie kämpfen, äußerten sich nicht.

Skepsis ist groß

Ein Durchbruch wird vorerst nicht erwartet, die erste Runde offizieller Verhandlungen gilt lediglich als erster Schritt. Zudem ist die BRN nur eine von mehreren Rebellenorganisationen. Die Skepsis ist groß. "Die Regierung redet mit Leuten, die wir nicht einmal kennen", sagte ein Kämpfer, der für die Separatistenbewegung Runda Kumpalan Kecil (RKK) im Einsatz ist. Die Regierung einigte sich mit Hassan Taib auf die Gespräche, einem Vertreter der Separatistengruppe BRN. Doch Taib ist umstritten. "Viele Leute fragen sich, ob er überhaupt Einfluss hat oder nur ein Opportunist ist, der sich wichtigtut", sagte Matthew Wheeler von der Konfliktforschungsorganisation International Crisis Group (ICG) der Deutschen Presse-Agentur.

Der Chef des thailändischen Nationalen Sicherheitsrates gibt sich trotz der Kritik zuversichtlich: "Ich glaube, dass die BRN die Gruppe ist, die hauptsächlich dabei helfen kann, die Gewalt zu verringern", zitiert ihn Nicola Glass im Deutschlandradio Kultur. Die BRN sei die größte Gruppe, die Einfluss in dem Gebiet habe.

Bangkok hatte versucht, den spirituellen Führer der Muslime, Sapae-ing Basor, zu Gesprächen einzuladen. Der Mann gehört auch der BRN an und wird steckbrieflich gesucht. "Seine Leute verlangen eine Garantie, dass er nicht verhaftet wird, bevor er zustimmt", sagt Don Pathan von der Organisation Pattani Forum, die sich für die Rechte der Muslime in den südlichen Provinzen einsetzt. Die Separatisten verlangen eine autonome Zone als Voraussetzung für weitere Verhandlungen. Ob Bangkok sich darauf einlässt, ist fraglich.

Drei Menschen starben bei Bombenanschlag

Während Rebellen- und Regierungsvertreter in Kuala Lumpur unter der Schirmherrschaft Malaysias zusammentreffen, kam es in der Provinz Narathiwat zu einem Bombenanschlag. Mindestens drei Menschen kamen 840 Kilometer südlich von Bangkok ums Leben, als im Chor Ai-rong-Distrikt ein Sprengsatz explodierte. Bei den Toten handele es sich um Sicherheitskräfte, erklärte ein Militärsprecher. Fünf weitere seien verletzt worden.

Die drei Provinzen Narathiwat, Pattani und Yala im Süden Thailands sind etwa halb so groß wie Hessen. Dort leben knapp zwei Millionen Menschen, vier Fünftel sind Muslime. Die Region war einst ein unabhängiges Sultanat. Separatisten kämpfen dort seit Langem für einen eigenen Staat oder mehr Autonomie. Anfang Januar 2004 brach eine neue Welle der Gewalt aus, nachdem Aufständische einen Militärstützpunkt überfallen hatten. Seitdem wurden etwa 5300 Menschen getötet, sowohl Buddhisten als auch Muslime.

Die Zentralregierung in Bangkok reagierte wiederholt mit harter Hand. So war 2004 zunächst das Kriegsrecht über die Region verhängt worden, später dann Notstandsgesetze. Jüngsten offiziellen Angaben zufolge sind im Süden etwa 60.000 Militärs, Paramilitärs und Polizisten stationiert.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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