Transitraum

Hörspielreihe im Deutschlandradio Kultur

Für viele war die Wiedervereinigung eine Reise ins Ungewisse. (AP Archiv)
Für viele war die Wiedervereinigung eine Reise ins Ungewisse. (AP Archiv)

Nach dem 3. Oktober 1990 war Deutschland ein einziger Transitraum. Im Westen änderte sich scheinbar nichts. Im Osten alles. Das bleibt die prägende Erfahrung, die uns in den Hörspielen der Reihe "Transitraum" im Oktober und November begegnet.

Zehn Hörspiele und ein Feature senden wir zu diesem Thema, eröffnet und beschlossen wird sie jeweils mit einer Neuproduktion.

Die Reihe beginnt mit dem namensgebenden Stück "Transitraum-Übergang", einer Radiomontage von Marianne Weil. Hier ist nicht nur historisches Originaltonmaterial aus dem Jahr 1991 zu hören, die Montage zeigt auch, wie Radiomacher – Journalisten, Moderatoren, Kaberettisten – in Ost und West gearbeitet haben. Ein Werkstattbericht und zwei essayistische Texte von Esther Dischereit und Cécile Wajsbrot begleiten die Reihe.

Ein "Transitraum" war für viele Menschen der historische Augenblick einer überstürzten Reise ins Ungewisse. Wer aus dem Osten kommt, erlebt im eigenen Land eine Wartesituation wie im Transit: mit nichts als dem Handgepäck, die Koffer sind schon weg, und ob man mit ihnen irgendwo ankommt, weiß niemand.

Im Rückblick wird mit diesen Hörspielen nicht nur Geschichte lebendig, zu entdecken ist auch die Tr4agikomik unter der Oberfläche neuer Illusionen. Das Hörspiel hat schon früh auf geradezu kafkaeske Verwandlungen gezeigt. Sogar komisch erschienen viele Anfangsschwierigkeiten der Wiedervereinigung.

Die Reihe im Überblick:

Mittwoch, 3. Oktober
0:05 Uhr
Feature
Der Unbelehrbare
In Gestalt des Schauspielers Wolf Kaiser war der Gentleman-Gangster Mackie Messer jahrelang eine Gallionsfigur des Brechttheaters. Doch zwei Jahre nach der deutschen Vereinigung, am 22. Oktober 1992, stürzte sich der 76-Jährige aus dem Fenster seiner Wohnung.

18.30 Uhr
Hörspiel
Transitraum - Übergang (Ursendung)
"Transitraum" ist eine Recherche in unserem Gedächtnis, eine Montage aus Archiv-Material mit Wetter, Musik und Nachrichten.
Anschließend:
Werkstattbericht von Sabine Wollowski

Sonntag, 7. Oktober
18.30 Uhr
Hörspiel
Alleine bin ich viel
Im Sommer 1990 bekommt ein junger, österreichischer Schauspieler sein erstes Engagement im Nordosten Deutschlands. Bald stellt er fest, dass der Unterschied zwischen seiner Heimatstadt Wien und der deutschen Provinz eklatant ist.

Montag, 8. Oktober
21.33 Uhr
Kriminalhörspiel
RadioNapping
Ostberlin, Anfang der 1990er Jahre: Der stille Alexander Karff arbeitet im Archiv des Senders RADIO D, der nun privatisiert werden soll. Seine große Zeit hatte Karff vor mehr als 35 Jahren, als er ein beliebter Moderator des DDR-Rundfunks war.

Mittwoch, 10. Oktober
21.33 Uhr
Hörspiel
Go Wost
Großstadtneurotiker West sucht Rettung bei Sabrina in östlicher Kleinstadt. John von Düffels Monolog, der satirisch die vergebliche deutsch-deutsche Annäherung beschreibt, wurde Hörspiel des Monats Januar 1993.

Mittwoch, 17. Oktober
21.33 Uhr
Hörspiel
Wartesaal Deutschland
"Was lieben Sie an Deutschland?" - Diese schlichte Frage hatte Klaus Pohl nach der Wende in Ost und West gestellt. Eine vielstimmige Momentaufnahme von Land und Leuten in einer Zeitenwende.

Mittwoch, 24. Oktober
21.33 Uhr
Hörspiel
Restwärme
Am Morgen vor dem Bewerbungsgespräch übt er den Ernstfall: Ein flottes "Grüß Gott" statt "Guten Tag", ein gewinnendes Lächeln, die gute Flanellhose, Jeans würden linke Gesinnung verraten. Der erste Eindruck ist entscheidend, das sind die Spielregeln in der Marktwirtschaft. Er muss nur den inneren Widerstand aufgeben.
Anschließend:
Vorwärts und vergessen - Reminiszenz an den Aufbau Ost. Ein Essay von Esther Dischereit

Mittwoch, 31. Oktober
21.33 Uhr
Hörspiel
Der Fuchs
Albrecht P. aus Schwerin wollte immer schon in den Westen. Deshalb saß er im Gefängnis. Irgendwer hatte ihn verraten. Jetzt ist er in Hamburg und arbeitet auf einem Schrottplatz, wo aus seinen Träumen kleine rechteckige Pakete werden.
Anschließend:
"Central European Time" - Beobachtungen in Osteuropa 1990 von Cécile Wajsbrot

Montag, 5. November
0:05 Uhr
Freispiel
Malaria
Ein westdeutscher Investor hat ein heruntergekommenes Haus in Berlin-Mitte gekauft und saniert es nun. Auf dieser Baustelle begegnen sich Ost und West, Alteingesessene und Neuankömmlinge, verschiedene Generationen.

Mittwoch, 7. November
21.33 Uhr
Hörspiel
Ahrenshooper Holz
Ahrenshoop an der Ostsee: zu DDR-Zeiten Künstlerrefugium und Prominentenresidenz. Nach der Wende kamen auch Gäste aus dem Westen, unter ihnen der Maler Achim. Doch eines Tages ist er verschwunden. Seinen Freunden in Westdeutschland wird dieses Verschwinden zum Rätsel.
Anschließend:
Der Autor Wolfram Höll im Gespräch mit Sabine Wollowski zu seinem Stück "und dann"

Mittwoch, 14. November
21.33 Uhr
Hörspiel
Und dann (Ursendung)
Hölls "und dann" ist ein traurig zarter Text über das Erinnern an eine ferne Zeit des Übergangs von einem System ins andere, immer am gleichen Ort: den Plattenbauten am Rande der Stadt. Ein Text über den Verlust. Tastend, langsam, in Wortreihungen entsteht ein Erinnerungsraum, eine akustische Projektion.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr