Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 15.11.2009

Trauerfeier für Robert Enke in Hannover

Kapazität des Stadions reicht nicht aus

Im Anschluss an die heutige Trauerfeier wurde Torhüter Robert Enke beigesetzt.  (AP)
Im Anschluss an die heutige Trauerfeier wurde Torhüter Robert Enke beigesetzt. (AP)

Um 11 Uhr begann heute die Trauerfeier für Torhüter Robert Enke in der AWD-Arena in Hannover. Der Nationaltorwart hatte sich am Dienstag das Leben genommen. Der Andrang vor Ort war so groß, dass nicht alle Fans und Besucher ins Stadion gelassen werden konnten.

In der AWD-Arena in Hannover haben mehrere Zehntausend Menschen Abschied von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke genommen. Der 32-jährige Enke (Hannover 96) hatte sich am Dienstag der zurückliegenden Woche das Leben genommen. Er wurde nördlich von Hannover von einem Zug erfasst.

Wie im Nachhinein bekannt wurde, litt der Sportler (u.a. Borussia Mönchengladbach, Benfica Lissabon, FC Barcelona und Fenerbahce Istanbul) an einer starken Depression.

Die Trauerfeier, zu der auch die gesamte Nationalmannschaft angereist war, begann planmäßig um 11 Uhr. Enkes Sarg wurde während der Zeremonie auf dem Stadionrasen aufgebahrt. Neben deutschen Fußballprofis waren auch ehemalige Wegbegleiter Enkes aus anderen Ländern nach Hannover gereist, darunter auch FC Barcelonas Manager Aitor Begiristain und Vizepräsident Rafael Yuste.

Michael Ballack, der Kapitän der Nationalmannschaft, legte zusammen mit Enkes ehemaligem Mannschaftskollegen Per Mertesacker einen Kranz nieder. Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, lobte Enke als "eine der herausragenden Persönlichkeiten unseres Sports." DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärte: "Fußball darf nicht alles sein. Das Leben ist vielfältig. Denkt nicht nur an den Schein." Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sagte: "Wir haben Robert Enke in Erinnerung, weil er Mensch geblieben war."

Laut Medienberichten bildeten sich bereits eine Stunde vor Öffnung des Stadions um 8.30 Uhr lange Warteschlangen. Schon am Morgen ließ sich erahnen, dass weitaus mehr Menschen der Trauerfeier beiwohnen wollten als das Stadion fasst. Nach Polizeiangaben blieben Zwischenfälle aus. Im Anschluss an die Zeremonie wurde Enke im engen Familienkreis in seinem Wohnort Empede beigesetzt.

Gegenüber Spiegel Online sagte der Pressechef von Hannover 96, Andreas Kuhnt :

"Es war der Wunsch von Teresa Enke, dass sich die vielen Fans in einem adäquaten Rahmen von Robert verabschieden können. Das wäre auf einem kleinen Friedhof nicht möglich gewesen. Mit so einem großen Echo hatten wir allerdings nicht gerechnet. Wir hoffen, dass der Rahmen dennoch würdig bleibt"

Die gesamte Zeremonie wurde von der ARD im Fernsehen übertragen.

ImDeutschlandradio Kultur kritisierte der Sportsoziologe Gunter Pilz , dass die Leistung des Einzelnen im Profisport nichts mehr bedeute und sprach von einer "vulgären Verbissenheit des Siegenmüssens". Wörtlich sagte Pilz: "Wenn ich mir vorstelle, ein Enke hätte sich geoutet, dass er solche Probleme hat, dann wäre das vielleicht nicht nur von seinen Gegnern gnadenlos ausgenutzt worden, sondern noch viel brutaler und gnadenloser von den Fans, die jetzt weinend durch die Straßen ziehen."

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr