Treibhaus Erde

UN-Klimabericht prognostiziert Dürren, Hitzewellen und Stürme

In den Alpen lässt der Klimawandel die Gletscher schmelzen. (AP Archiv)
In den Alpen lässt der Klimawandel die Gletscher schmelzen. (AP Archiv)

Der Erde droht in diesem Jahrhundert eine beispiellose Erwärmung. Dürren, Hitzewellen und Stürme werden häufiger, der Meeresspiegel steigt deutlich, wie es in dem am Freitag in Paris veröffentlichten Weltklimabericht des UN-Klimarats IPCC heißt. Bis zum Jahr 2100 würden die Temperaturen rund um den Globus nach dem heute wahrscheinlichsten Szenario um 1,8 bis 4 Grad steigen.

Der klar durch den Menschen verursachte Erwärmungsprozess sei auf lange Sicht unumkehrbar. Bereits in die Atmosphäre gelangte Treibhausgase würden "mehr als ein Jahrtausend lang" zur Erwärmung beitragen.

Der Report des IPCC präsentiert sechs Szenarien. Im besten Fall sei bis 2100 mit einer Erwärmung von 1,1 bis 2,9 Grad Celsius zu rechnen, im schlimmsten Fall mit 2,4 bis 6,4 Grad. Der Anstieg des Meeresspiegels beträgt bis 2100 im besten Szenario 18 bis 38 Zentimeter, im schlimmsten 26 bis 59 Zentimeter.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach von einem "Alarmsignal" für die Regierungen weltweit. Die Umweltstiftung WWF forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, den EU- und G8-Vorsitz zu nutzen, "um einen starken Klimaschutz international zu verankern".

Gabriel: Internationale Verhandlungen fortsetzen

Auspuffabgase eines PKW (AP)Auspuffabgase eines Pkw. (AP)Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte, es gebe "keinen Zweifel, dass es eine menschengemachte Klimaveränderung gibt und dass sie voranschreitet und sich beschleunigt". Angesichts dieses Berichts seien weitreichende politische Entscheidungen nötig. Eindringlich verlangte der SPD-Politiker die Fortsetzung internationaler Klimaschutzverhandlungen. Weltweit müsse man die schädlichen Treibhausgase bis 2020 um 30 Prozent verringern, "wenn man eine Erderwärmung unterhalb von 2 Grad halten will".

Die Bundesregierung plant als Reaktion auf den dramatischen Bericht ein millionenschweres Aktionsprogramm zur Klimaforschung. Es soll mit 255 Millionen Euro ausgestattet sein, wie Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) in Berlin ankündigte. Gefördert werden sollen unter anderem Forschergruppen, die Lösungen für einen intelligenten Technologiewandel entwickeln.

Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, betonte: "Mit dem nun vorliegenden Bericht sollten letzte Zweifel ausgeräumt sein, dass wir Menschen es sind, die die Klimaschraube überdrehen. Folglich liegt es auch in unserer Hand, diese gefährliche Fehlentwicklung entschlossen durch Reduktion der Treibhausgasemissionen zu korrigieren."

Der frühere Chef des UN-Umweltprogramms und ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer warnte in einem Interview des WDR: "Wer jetzt noch nicht wach ist, der muss sich fragen, was denn eigentlich passieren muss, damit man den Ernst der Lage erkennt."

An dem Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses zum Klimawandel (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) hatten in den vergangenen Jahren rund 2500 Experten mitgearbeitet. Er ist nur der erste Teil einer umfassenden Klimastudie. Teil zwei zu den Folgen für Natur, Wirtschaft und Gesellschaft und Teil drei zu Möglichkeiten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen, werden im April und Mai veröffentlicht, bevor alle zusammen im November als vierter IPCC-Bericht seit 1990 verabschiedet werden. Er soll Basis für die Verhandlungen über die Nachfolge des Kyoto-Protokolls sein.

Das Deutschlandradio berichtet nicht nur über die Konferenz in Paris, sondern hat in den vergangenen Wochen in verschiedenen Sendungen immer wieder einen Überblick über die Debatte gegeben und anhand von Beispielen die Auswirkungen des Klimawandels verdeutlicht.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:21 Uhr