Troy Davis hingerichtet

Letztes Gnadengesuch vor dem Supreme Court wurde abgelehnt

Von Klaus Remme

Ein undatiertes Foto des Todeskandidaten Troy Davis. Er starb durch eine Giftspritze. (picture alliance / dpa / Georgia Deparetment of Corrections)
Ein undatiertes Foto des Todeskandidaten Troy Davis. Er starb durch eine Giftspritze. (picture alliance / dpa / Georgia Deparetment of Corrections)

Wegen Mordes an einem Polizisten ist der 42-jährige US-Amerikaner Troy Davis am frühen Morgen mittels Giftspritze hingerichtet worden. Der Fall ließ sogar Befürworter der Todesstrafe zweifeln: Es gab keine stichhaltigen Beweise für Davis' Schuld.

Um 5.08 deutscher Zeit starb Troy Davis an den Folgen einer Giftspritze im Gefängnis von Jackson, Georgia. Vorausgegangen waren dramatische Stunden, in denen des Leben des vor 20 Jahren zum Tode verurteilten Afro-Amerikaners einmal mehr am seidenen Faden hing. Drei Hinrichtungstermine waren in den vergangenen Jahren ausgesetzt worden. Auch diesmal kämpften die Anwälte bis zur letzten Minute. Demonstranten vor dem Gefängnis jubelten bereits, als sich die Vollstreckung durch ein letztes Gesuch beim Supreme Court in Washington erneut um Stunden verzögerte. Die Umstände dieses Justizdramas bleiben einzigartig. Eine Verurteilung, die seinerzeit ohne direkte Beweise fast ausschließlich auf Zeugenaussagen beruhte, und die Tatsache, dass inzwischen sieben der neun Zeugen ihre Aussage widerrufen oder abgeändert haben. Für die Justiz ist erwiesen, das Davis 1989 in Savannah den 27-jährigen Polizisten Marc MacPhail niedergeschossen hat. Troy Davis hat immer seine Unschuld beteuert, noch in der Todeskammer sagte er den Angehörigen des Opfers: Ich habe euren Vater, Sohn und Bruder nicht getötet.

Den Gefängnisaufsehern um ihn herum sagte er, Gott segne euch, so einer der wenigen Reporter, die Zeuge der Hinrichtung waren, anschließend zu den wartenden Journalisten. Nicht nur moralische Autoritäten wie der Papst, Desmond Tutu und Jimmy Carter hatten sich für Davis eingesetzt, gestern meldete sich eine Gruppe von Gefängnisdirektoren zu Wort: Wir befürchten, dass ein unschuldiger Mensch stirbt, niemand habe das Recht Vollzugsbeamte zu lebenslangen Zweifeln und Schuldgefühlen zu bringen, schrieben sie und plädierten für eine Revision des Urteils. Seine letzte Mahlzeit hatte Troy Davis verweigert. Sein Pastor Raphael Warnock kurz vor der Hinrichtung: Er hat nicht an diese letzte Mahlzeit geglaubt, er hat mich tief beeindruckt, und was immer geschieht, er hat die Welt bewegt, die Todesstrafe allgemein neu thematisiert. Wir erleben gerade entscheidende wegweisende Momente.

In 34 amerikanischen Bundesstaaten gilt die Todesstrafe. Die Zahl der Urteile und Vollstreckungen hat in den vergangenen Jahren drastisch abgenommen, von 98 Hinrichtungen 1999 bis zu 46 im vergangenen Jahr. Immer wieder machen Falschurteile Schlagzeilen, Verurteilte die zumeist durch falsche Zeugenaussagen oft jahrelang in der Todeszelle sitzen. Seit 1973 sind über 130 zum Tod verurteilte Häftlinge durch neue Beweise als unschuldig entlassen worden. Auch im Fall Davis bleiben für viele erhebliche Zweifel. Nicht für die Familie des Opfers. Sie glaubt an Troy Davis als Täter. Anneliese MacPhail, die Mutter des getöteten Polizisten, sagte Minuten vor der Hinrichtung, ich will endlichen einen Schlusspunkt, endlich ein bisschen Frieden.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr