Tunesien stuft Ansar al Scharia als Terrororganisation ein

Regierung bezichtigt Salafisten zweier Morde

Ministerpräsident Ali Larayedh will mit allen Mitteln gegen Ansar al Scharia vorgehen (picture alliance / dpa / Mohamed Messara)
Ministerpräsident Ali Larayedh will mit allen Mitteln gegen Ansar al Scharia vorgehen (picture alliance / dpa / Mohamed Messara)

Salafistische Gruppierungen wie Ansar al Scharia wollen den Staat und die Gesellschaft nach dem Vorbild der frühislamischen Gesellschaft des siebten Jahrhunderts ausrichten. Nun holt Tunesiens Regierung zum Schlag gegen die Gruppierung aus.

Ministerpräsident Ali Larayedh machte Ansar al Scharia für die Ermordung von zwei Oppositionspolitikern verantwortlich. Man habe Beweise dafür, dass die Dschihadisten die Politiker Chokri Belaid und Mohamed Brahmi getötet haben, sagte er in Tunis. Auch Angriffe auf Soldaten seien ihnen zuzuschreiben.

Larayedh sagte, die bei Ansar al Scharia organisierten Salafisten unterhielten Verbindungen zu der Gruppe Al Kaida im islamischen Maghreb (Aqmi) und anderen militanten Islamisten. Ansar al Scharia werde deshalb als terroristische Organisation eingestuft und von der Regierung mit allen Mitteln bekämpft. Diese Einstufung hatte die tunesische Regierung bislang abgelehnt. Auch die USA sehen in Ansar al Scharia einen Ableger von Al Kaida.

Unruhen nach Ermordung

Der ermordete tunesische Oppositionspolitiker Mohamed Brahmi wird in Tunis zu Grabe getragen. (picture alliance / dpa / Amine Landoulsi)Proteste im Juli: Der ermordete tunesische Oppositionspolitiker Mohamed Brahmi wird zu Grabe getragen. (picture alliance / dpa / Amine Landoulsi)Die Ermordung des Oppositionspolitikers, Anwalts und Islamisten-Kritikers Belaid hatte in Tunesien im Februar zum Sturz der ersten Regierung unter Führung der islamistischen Partei Ennahda geführt. Durch das Attentat auf den links-nationalen Abgeordnete Brahmi im Juli verschärfte sich die politische Krise. Die Familien der Opfer und Teile der Opposition machen die Regierungspartei für die Taten verantwortlich.

Tunesien gilt seit dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali im Januar 2011 als Mutterland des Arabischen Frühlings. Die Entwicklung dort wurde lange Zeit als vorbildlich angesehen, doch Anhänger und Gegner der islamistischen Ennahda-Partei stehen sich mittlerweile unversöhnlich gegenüber, die politische Lage ist angespannt.

100.000 Mitglieder allein in Tunesien

Und der Islamismus findet zunehmend Anhänger. Ansar al Scharia soll allein in Tunesien über 100.000 Mitglieder haben. Die Gruppierung vereinigt militante salafistische Gruppen in mehreren Ländern, unter anderem auch in Ägypten und Libyen, wo der nationale Ableger 2012 einen Anschlag auf das US-Konsultat verübte.

Die Anhänger von Ansar al Scharia gelten als Salafisten. Hinter dem Begriff Salafismus versammelt sich eine Vielzahl islamistischer Parteien und Kleingruppierungen, die ein Ziel verbindet: Sie wollen das islamische Recht, die Scharia, in allen Bereichen des Lebens einführen. Staat und die Gesellschaft der Gegenwart sollen demnach nach dem Vorbild der frühislamischen Gesellschaft des siebten Jahrhunderts ausgerichtet sein.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr