Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 06.04.2007

UN stellen abgeschwächten Weltklimabericht vor

USA und China für Streichung kritischer Passagen

Der Klimawandel setzt die Industrienationen unter Druck. (AP)
Der Klimawandel setzt die Industrienationen unter Druck. (AP)

Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) hat den zweiten Teil des Weltklimaberichts vorgestellt. Darin geht es um die Folgen der Erderwärmung für einzelne Tier- und Pflanzenarten sowie die zu erwartenden Auswirkungen in bestimmten Regionen. Die Veröffentlichung des Berichts hatte sich verzögert, weil kritische Passagen auf Druck der USA, Chinas und Saudi-Arabiens gestrichen werden sollten, wie es aus Delegationskreisen hieß.

Dabei ging es nicht um den rund 1400 Seiten dicken Hauptteil des Berichts, sondern nur um die an Politiker gerichtete "Zusammenfassung" von knapp 21 Seiten. So kommt nun ein Abschnitt zu den erwarteten Klimaschäden in Nordamerika nicht mehr vor. Laut Entwurf drohen dem Kontinent als Folge des Treibhauseffekts Wirbelstürme, Trockenheit und Überflutungen. Dieser Passus sei auf Druck der USA gestrichen worden, berichten Delegierte.

Bis in die frühen Morgenstunden hatten Vertreter von 130 Ländern in Brüssel über den Textentwurf beraten. Der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri sprach von einer "produktiven, aber ermüdenden Übung". Der Bericht sei aber nunmehr "abgeschlossen". Die Verhandlungen begannen bereits am Montag.

Klimawandel trifft vor allem die Armen


Unter dem Klimawandel werden nach Einschätzung derExperten vor allem arme Menschen leiden. Sie seien am wenigsten in der Lage, sich anzupassen. Dies gelte auch für die Armen in wohlhabenden Gesellschaften, heißt es in dem in Brüssel veröffentlichten zweiten Teil des Weltklimaberichts. Wasserknappheit und Nahrungsmangel werde Milliarden Menschen betreffen.

Der erste Teil des Berichts, der im Februar in Paris vorgestellt wurde, hatte international für Bestürzung gesorgt. Er stellte klar heraus, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht ist und prognostizierte einen durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg um 6,4 Grad Celsius in diesem Jahrhundert. Der dritte Teil soll Anfang Mai veröffentlicht werden.

Müller warnt vor Artensterben und Überflutungen


Vor Veröffentlichung des Berichts sagte der deutsche Umweltstaatssekretär Michael Müller, in Deutschland drohe jede dritte Tier- und Pflanzenart auszulöschen. Zugleich warnte der Leiter der deutschen Delegation vor Überflutungen und Hitzewellen.

Die Umweltorganisation WWF forderte, dem Bericht beim G8-Gipfel Taten folgen zu lassen. Der Direktor des WWF-Klimaschutzprogramms, Hans Verolme, betonte: "Wenn wir jetzt nicht handeln, läuft uns die Zeit davon."

Sondersitzung des Weltsicherheitsrats zum Klimawandel


Auch der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen wird sich auf einer Sondersitzung mit den Folgen des Klimawandels beschäftigen. Nach einem Konzeptpapier der derzeitigen britischen Ratspräsidentschaft soll am 17. April vor allem um die zu erwartenden Konflikte um Wasser und Rohstoffe beraten werden.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:22 Uhr