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UN-Umweltministern geht die Luft aus

Staaten ringen in Durban um gemeinsame Klimaschutzziele

Bis in die Nacht diskutierten die Delegierten über einen möglichen Kompromiss. (picture alliance / dpa / Nic Bothma)
Bis in die Nacht diskutierten die Delegierten über einen möglichen Kompromiss. (picture alliance / dpa / Nic Bothma)

Eigentlich hätte die UN-Klimakonferenz bereits gestern Abend zu Ende sein sollen. Doch die Delegierten konnten sich nicht auf einen neuen Weltklimavertrag einigen, die Konferenz wurde um einen Tag verlängert. Auch am Nachmittag wurde noch immer verhandelt.

Streit gibt es unter anderem über die Verbindlichkeit des neuen Abkommens, das das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ersetzen soll: Die Europäische Union verlangt rechtsverbindliche Klimaschutzziele für alle Staaten. Die großen CO2-Emissionsländer wie die USA, China und Indien aber lehnen einen solchen Fahrplan bislang ab.

Kompromissvorschläge stießen bislang auf Ablehnung

Ein erster Kompromissvorschlag von gestern Abend war besonders bei den EU-Staaten auf breite Kritik gestoßen, da er sich zu stark an den Interessen der USA orientierte und keinerlei Verbindlichkeiten vorschrieb. "Das ist nicht der Anspruch, den wir stellen", sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und ergänzte: "Faule Kompromisse machen wir nicht."

Auch der Klimaschützer Christoph Bals, Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwatch, sagte im Deutschlandradio Kultur, der zunächst vorgelegte Abschlusstext sei eine Katastrophe gewesen. "Das war ein Appeasement-Angebot an die USA, wo man sich auf dem niedrigsten gemeinsamen Nenner zunächst verständigen wollte", so Bals.

Verhandelt wird nun ein jüngster Kompromissvorschlag der südafrikanischen Regierung. Dieser sieht vor, dass die Staaten bis spätestens 2015 eine verbindliche Vereinbarung über die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen unterzeichnen. Wann sie in Kraft treten soll, blieb bislang offen.

Röttgen zweifelt an erfolgreichem Abschluss

Bundesumweltminister Röttgen bezeichnete den neuen Vorschlag zwar als "Fortschritt", äußerte aber zugleich deutliche Zweifel an den Chancen auf den Erfolg des Treffens. "Es ist sehr, sehr zweifelhaft, ob wir es schaffen werden", erklärte er heute Morgen am Rande der Konferenz. "Wir sind jetzt schon aus zeitlichen Gründen in einer extrem kritischen Situation." Die Bedingungen würden schwieriger, da einige Delegationen abreisen müssten.

Auch Christoph Bals äußerte sich ernüchtert: Hoffnung auf "kleine Ergebnisse" bestehe noch, aber die Strategie der Weltgemeinschaft gegen den Temperaturanstieg sei nicht zu erkennen.

Zuversichtlich gibt sich hingegen unser Kommentator Georg Ehring vom Deutschlandfunk. Dass die Veranstaltung nicht schon längst abgebrochen wurde, liege daran, dass in Durban ein Ergebnis in greifbarer Nähe liege, an dem die große Mehrheit der Staaten interessiert sei.

Unterbrechung der Konferenz möglich

Am Rande der Beratungen in Durban wurde bereits über eine Unterbrechung der Konferenz spekuliert, die im kommenden Jahr an einem anderen Ort fortgesetzt werden könnte. Einen solchen Fall hatte es bereits im Jahr 2000 gegeben, als die Klimakonferenz in Den Haag nicht rechtzeitig zu einem Ergebnis kam und wenige Monate später in Bonn fortgesetzt wurde.

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Ergebnisloses Ringen um den weltweiten Klimavertrag - Klimakonferenz in Durban bringt Klimaschutzfonds voran



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr